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    Die Schätze der anglikanischen Tradition entdecken

    Herzogenrath (DT) „Die anglokatholische Messe könnte ein Vorbild für einen im Licht der Tradition erneuerten römischen Ritus sein“, meinte ein Teilnehmer zum Abschluss der 15. Kölner Liturgischen Tagung in Herzogenrath bei Aachen. Zuvor war erstmals eine heilige Messe nach dem anglokatholischen „Book of Devine Worship“ in der Pfarrkirche St. Gertrud gefeiert worden.

    Herzogenrath (DT) „Die anglokatholische Messe könnte ein Vorbild für einen im Licht der Tradition erneuerten römischen Ritus sein“, meinte ein Teilnehmer zum Abschluss der 15. Kölner Liturgischen Tagung in Herzogenrath bei Aachen. Zuvor war erstmals eine heilige Messe nach dem anglokatholischen „Book of Devine Worship“ in der Pfarrkirche St. Gertrud gefeiert worden.

    Gut 130 Priester und Laien befassten sich mit der Frage „50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil und die Liturgiereform“. Mitveranstalter war neben dem Hamburger Initiativkreis die Pfarrgemeinde St. Gertrud unter Pfarrer Guido Rodheudt. Im Mittelpunkt der Vorträge standen Fragen zur Konstitution über die Liturgie „Sacrosanctum concilium“ – zu ihrer Entstehung, ihrer Rezeption und ihrem Bezug zur Tradition. Der Bonner Privatdozent Klaus Obenauer plädierte für eine Lektüre im Licht der Tradition und lehnte eine Hermeneutik des Bruches ab. Gut strukturiert und lebendig erläuterte Eugen Daigeler die Liturgie am Vorabend des Konzils, die Erneuerungsbestrebungen der Piuspäpste sowie die liturgische Bewegung. Die fünfziger Jahre, so Daigeler, seien jedenfalls sehr offen für vorsichtige und sinnvolle Reformen gewesen.

    Der Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping wies auf die Singularität von „Sacrosanctum concilium“ hin. Noch nie zuvor habe sich ein Konzil zur Liturgie des römischen Ritus geäußert. Nach „Sacrosanctum concilium“ solle die Liturgie behutsam gemäß dem Geist gesunder Überlieferung überarbeitet werden. Hoping, der auch Liturgiewissenschaft lehrt, unterstrich, dass es dem Heiligen Vater keineswegs um ein Zurück, sondern um eine liturgische Versöhnung beider Formen der römischen Messe gelte.

    Pater Sven Conrad von der Petrusbruderschaft beleuchtete die Bedeutung des Amtsträgers bei der Messfeier und unterzog die liturgische Bewegung einer kritischen Würdigung.

    Den Spannungsbogen der gegenwärtigen liturgischen Debatte machte die Diskussion über die Frage „Reform der Reform? – Was ist damit gemeint?“ anschaulich. Auf dem Podium debattierten Helmut Hoping, Pater Martin Reinecke, der Chefredakteur der Herder-Korrespondenz, Ulrich Ruh, und der Leiter des Trierer liturgiewissenschaftlichen Institutes Eduard Nagel. Ruh versuchte die zuvor von dem Kirchenrechtler Gero Weishaupt aufgeworfenen Fragen des liturgischen Missbrauchs ins Lächerliche zu ziehen, indem er auf einen dilettantisch predigenden Kaplan hinwies. „Ich sehe keine Gefahr von liturgischem Missbrauch“, unterstrich er.

    Pater Martin Reinecke forderte hingegen eine Vertiefung der Liturgie. „Heute geht oft der Bezug zum lebendigen Gott unter“, beklagte er. Zur Frage, ob die Liturgiereform für den abnehmenden Gottesdienstbesuch verantwortlich sei, äußerte sich Eduard Nagel. „Der Besuch wäre ohne die Reform noch schlechter“, sagte er. Das gemeinsame Beten der Gläubigen und das Mittun in der Liturgie Pauls VI. habe sich positiv auf den Messbesuch ausgewirkt.

    Helmut Hoping faltete aus, wie eine Reform der Reform aussehen könnte. Beispielsweise sei es theologisch stimmig, den Friedensgruß vor die Gabenbereitung zu legen, da der Friede mit Gott und dem Nächsten eine gute Vorbereitung auf die Kommunion sei. Kritik übte er am Zustandekommen der Liturgiereform. Paul VI. habe nach 1965 falsche Weichen gestellt, die den Eindruck haben entstehen lassen, Liturgie könne „gemacht“ werden.

    Eine „kontroverse und harte Diskussion“ wie es Moderator Ulrich Mutz am Schluss behauptet hatte, war diese Podiumsdiskussion sicher nicht. Man ging vorsichtig und wenig provokant miteinander um. Dennoch sei es sehr gut und wertvoll gewesen, dass sich mit Nagel und Ruh zwei profilierte Vertreter des anderen kirchenpolitischen Lagers in die „Höhle des Löwen“ begeben hätten, um das konstruktive Gespräch und den Dialog zu suchen, meinte Pfarrer Rodheudt.

    Eine liturgische Tagung wäre ohne die praktische Pflege der Liturgie unvollständig. Und alle Eucharistiefeiern setzten ihre eigenen Akzente. Das gilt sowohl für die anglokatholische Messe wie auch für die Eucharistiefeiern in der außerordentlichen Form an den übrigen Tagen, die teilweise alte liturgische Schätze wieder sichtbar machten. Der emeritierte Kölner Weihbischof Klaus Dick erläuterte während eines Pontifikalamtes die Notwendigkeit der apostolischen Sendung.

    Mehr Bekennermut forderte Monsignore Joachim Schroedel, der seit 1995 als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für den Nahen Osten in Kairo arbeitet. Beim Talk mit Alexander Kissler und Pfarrer Guido Rodheudt plädierte Monsignore Schroedel dafür, gerade gegenüber Muslimen deutlich zu machen, dass Christus eben nicht nur Prophet oder Heiler sei, sondern der um unseres Heiles willen geopferte Sohn des lebendigen Gottes. Islam sei keinesfalls „al Hal“, die Lösung für alle Probleme, wie Präsident Mohammed Mursi behaupte. Auch sei es keinesfalls zielführend, im Dialog mit Moslems nur das Gemeinsame zu betonen, man müsse auch das Einzigartige des christlichen Glaubens klar benennen, forderte der Auslandsseelsorger.

    Auch Keith Newman, Ordinarius des 2011 durch Benedikt XVI. gestifteten Personalordinariates „Unserer Lieben Frau von Walsingham“ für ehemalige Anglikaner, sprach vom notwendigen Bekenntnis zu Christus und zur Kirche, in die er gemeinsam mit 80 anderen anglikanischen Priestern und einer großen Schar von Gläubigen gefunden habe. Ausdrücklich dankte er dem Papst für sein Entgegenkommen, die anglikanische Tradition in die Kirche einbringen zu können. „Wir haben viel an Spiritualität und liturgischer Tradition mitgebracht, das wir in die Gesamtkirche einbringen können“, sagte Newman. Und dazu gehöre neben vielem wie dem Friedensgruß vor der Gabenbereitung auch die reichhaltige kirchenmusikalische Tradition angelsächsischer Christen.