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    Die Krise war absehbar

    Quito (DT/KNA) Chaos, Schüsse, Unsicherheit: Zumindest für einen Tag hielt ganz Ecuador aus Angst vor einem Militärputsch den Atem an. Meuternde Polizisten hatten zuvor den sichtlich überraschten Staatspräsidenten Rafael Correa in einem Krankenhaus festgehalten, wo sich der sozialistische Regierungschef nach einem Tränengasangriff behandeln ließ. Nach ein paar Stunden war der Spuk vorbei und Correa kündigte an, die Unruhestifter zur Verantwortung zu ziehen. „Es waren viele Aufrührer dabei, die als Zivilisten gekleidet waren und wir wissen, woher sie kommen“, rief er am Abend aufgebracht vom Balkon des Präsidentenpalastes. Für die Anstifter des Aufstandes dürfte es ungemütlich werden.

    Quito (DT/KNA) Chaos, Schüsse, Unsicherheit: Zumindest für einen Tag hielt ganz Ecuador aus Angst vor einem Militärputsch den Atem an. Meuternde Polizisten hatten zuvor den sichtlich überraschten Staatspräsidenten Rafael Correa in einem Krankenhaus festgehalten, wo sich der sozialistische Regierungschef nach einem Tränengasangriff behandeln ließ. Nach ein paar Stunden war der Spuk vorbei und Correa kündigte an, die Unruhestifter zur Verantwortung zu ziehen. „Es waren viele Aufrührer dabei, die als Zivilisten gekleidet waren und wir wissen, woher sie kommen“, rief er am Abend aufgebracht vom Balkon des Präsidentenpalastes. Für die Anstifter des Aufstandes dürfte es ungemütlich werden.

    Entzündet hatte sich der Aufruhr an Gehaltskürzungen und neuen Beförderungsrichtlinien für Polizeibeamte. Die Ausschreitungen begannen, als mehrere Hundert Polizisten aus Protest gegen ein am Mittwoch vom Kongress verabschiedetes Gesetz Flughäfen und Kasernen besetzten. Im Laufe des Tages eskalierte die Situation und für wenige Stunden herrschten nahezu anarchische Zustände. „Wenn sie mich töten wollen, dann sollen sie das tun“, hatte sich Corea in den unübersichtlichen Stunden unnachgiebig gezeigt. Doch regierungstreue Soldaten befreiten schließlich den Präsidenten und beendeten damit den Aufstand. Die Bischöfe des Landes appellierten zunächst an alle Beteiligten, Ruhe zu bewahren: „Um einen Ausweg aus der Krise zu finden, rufen wir alle Ecuadorianer zur Besonnenheit auf“, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme der Bischofskonferenz. Der soziale Friede und nicht die Konfrontation müsste das Ziel des Handelns aller Beteiligten sein. Von der Regierung und der Nationalversammlung erwarteten sie deshalb, einen „ehrlichen und tiefgründigen Dialog aufzunehmen“.

    Die wenigen dramatischen Stunden am Donnerstag sind allerdings nur die Spitze eines Eisbergs: Durch die gesamte Gesellschaft des Landes geht ein tiefer Riss. Kritiker des Präsidenten werfen ihm Klientelpolitik vor. Politische Freunde der sogenannten „Bürgerrevolution“ würden gezielt bevorzugt, deren Kritiker allerdings vom beruflichen Aufstieg ausgeschlossen. Auch die Kirche sieht das ähnlich: Die Krise sei absehbar gewesen, schreiben die Oberhirten. Bereits seit Wochen habe es in der Gesellschaft zahlreiche Hinweise gegeben, dass es zu einer Rebellion innerhalb der Polizei kommen könnte.

    Seit Donnerstag dürfte der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern von Correas „Bürgerrevolution“ nun noch tiefer sein. Brisant ist die Krise auch noch in einem ganz anderen politischen Zusammenhang. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) entzog der ecuadorianischen Regierung jüngst die Unterstützung für das Projekt „Yasuni“. Kern der Projektidee ist, dass die internationale Staatengemeinschaft Ecuador Ausgleichszahlungen leistet, der südamerikanische Staat aber im Gegenzug auf die Förderung von Öl im Regenwald verzichtet. Ecuador würde so einen bedeutenden Teil zum globalen Klimaschutz beitragen. Niebel erklärte dazu, die Bundesregierung bezweifle, ob auch künftige ecuadorianische Regierungen sich wohl an die Abmachung halten würden. Die Zweifel des Politikers scheinen angesichts der jüngsten Zwischenfälle nicht unbegründet. Deutschland sollte sich mit insgesamt 500 Millionen Euro am Projekt beteiligen. Die internationale Staatengemeinschaft verurteilte derweil einstimmig den Aufstand in Ecuador. Selbst die konservative Regierung des Nachbarlandes Kolumbien sprach Correa das uneingeschränkte Vertrauen aus. Die Geste dürfte helfen, die politische Krise zwischen beiden Ländern endgültig zu überwinden.