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    „Die Kirche ist von Anfang an katholisch“

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Ohne die Unterstützung von Missionaren hätten diese Kinder in einem Slum von Nairobi wesentlich schlechtere Bildungschan... Foto: KNA

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    In dieser Woche wollen wir unser Gespräch über die Kirche fortsetzen. Wenn wir unseren Glauben bekennen, sagen wir, dass die Kirche „katholisch“ und „apostolisch“ ist. Doch was ist die wirkliche Bedeutung dieser beiden Worte, dieser beiden charakteristischen Merkmale der Kirche? Und welchen Wert haben sie für die christlichen Gemeinden und für jeden von uns?

    1. „Katholisch“ bedeutet „universal; allgemein“. Eine klare und vollständige Definition liefert uns einer der Kirchenväter der ersten Jahrhunderte, der heilige Cyrill von Jerusalem, wenn er sagt: „Die Kirche heißt katholisch, weil sie auf dem ganzen Erdkreis, von dem einen Ende bis zum anderen, ausgebreitet ist, weil sie allgemein und ohne Unterlass all das lehrt, was der Mensch von dem Sichtbaren und Unsichtbaren, von dem Himmlischen und Irdischen wissen muss“ (Katechesen an die Täuflinge, XVIII, 23).

    Ein deutliches Zeichen für die Katholizität der Kirche ist, dass sie alle Sprachen spricht. Und das ist nichts anderes als die Auswirkung des Pfingstereignisses (vgl. Apg 2, 1–13): der Heilige Geist hat die Apostel und die ganze Kirche befähigt, allen Menschen bis an die äußersten Grenzen der Erde die Frohe Botschaft des Heils und der Liebe Gottes zu verkünden. Die Kirche ist von Beginn an katholisch, „sinfonisch“ entstanden und sie kann nicht anders als katholisch sein, ausgerichtet auf die Evangelisierung aller Menschen und die Begegnung mit allen Menschen. Das Wort Gottes gibt es heute in allen Sprachen zu lesen, alle haben das Evangelium in ihrer Sprache, um es lesen zu können. Und ich kehre wieder zum selben Gedanken zurück: Es ist immer gut, wenn wir ein kleines Evangelium mitnehmen, um es in der Jackentasche oder in der Handtasche bei uns zu tragen und im Laufe des Tages einen Absatz daraus zu lesen. Das tut uns gut. Das Evangelium ist in allen Sprachen verbreitet, weil die Kirche die Verkündigung des Erlösers Jesus Christus auf der ganzen Welt ist. Es heißt deswegen, dass die Kirche „katholisch“ ist, weil sie universal ist.

    2. Wenn die Kirche katholisch entstanden ist, heißt es, dass sie „zum Hinausgehen“, dass sie missionarisch entstanden ist. Wenn die Apostel dort im Abendmahlssaal geblieben wären, ohne hinauszugehen, um das Evangelium zu verkünden, wäre die Kirche nur die Kirche jenes Volkes, jener Stadt, jenes Abendmahlssaals. Doch alle sind vom Moment der Entstehung der Kirche, vom Moment, in dem der Heilige Geist auf sie herabkam, hinaus in die Welt gezogen. Und deswegen ist die Kirche „zum Hinausgehen“, das heißt missionarisch entstanden. Das bringen wir zum Ausdruck, indem wir sie als „apostolisch“ bezeichnen, denn der Apostel ist derjenige, der die Frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu bringt. Dieser Begriff ruft uns in Erinnerung, dass die Kirche auf dem Fundament der Apostel und in Kontinuität mit ihnen – es waren die Apostel, die hingegangen sind und neue Kirchen gegründet haben, die neue Bischöfe eingesetzt haben, und so ist es auf der ganzen Welt kontinuierlich weitergeführt worden, so dass wir heute alle in der Kontinuität mit jener Gruppe von Aposteln stehen, die den Heiligen Geist empfangen haben und dann „hinausgegangen“ sind, um zu predigen –, dass die Kirche also aufgefordert ist, allen Menschen diese Verkündigung des Evangeliums zu bringen und es mit Zeichen der Zärtlichkeit und der Macht Gottes zu begleiten. Auch das ergibt sich aus dem Pfingstereignis: Tatsächlich ist es der Heilige Geist, der jeden Widerstand überwindet, der die Versuchung besiegt, sich in sich selbst, unter wenigen Auserwählten, zu verschließen und sich als die einzigen Empfänger von Gottes Segen zu betrachten. Wenn das etwa einige Christen tun und sagen: „Wir sind die Auserwählten, wir allein“, dann sterben sie am Ende. Sie sterben zunächst in der Seele, dann sterben sie leiblich, weil sie kein Leben haben; sie sind nicht in der Lage, Leben, andere Menschen, andere Völker hervorzubringen: Sie sind nicht apostolisch. Und es ist gerade der Heilige Geist, der uns zu unseren Brüdern führt, auch zu denen, die in jedem Sinn am entferntesten sind, damit sie mit uns die Liebe, den Frieden, die Freude teilen können, die der auferstandene Herr uns als Gabe vermacht hat.

    3. Was bringt es für unsere Gemeinden und für jeden Einzelnen von uns mit sich, zu einer Kirche zu gehören, die katholisch und apostolisch ist? Vor allem bedeutet es, sich das Heil der ganzen Menschheit zu Herzen zu nehmen, sich angesichts des Schicksals vieler unserer Brüder und Schwestern nicht gleichgültig oder unbeteiligt zu fühlen, sondern offen und solidarisch ihnen gegenüber. Das bedeutet zudem, ein Gefühl für die Fülle, die Vollständigkeit, die Harmonie des christlichen Lebens zu haben und parteiische, einseitige Positionen, die uns in uns selbst verschließen, stets zurückzuweisen.

    Zur apostolischen Kirche zu gehören bedeutet, uns immer bewusst zu sein, dass unser Glaube in der Verkündigung und im Zeugnis der Apostel Jesu verankert ist – dort ist er verankert, eine lange Kette ist das, die dort herkommt –; es bedeutet daher, dass wir uns, in Gemeinschaft mit den Nachfolgern der Apostel, immer gesandt fühlen, der ganzen Menschheit mit von Freude erfülltem Herzen Christus und seine Liebe zu verkünden. Und hier möchte ich an das heroische Leben der vielen, vielen Missionare und Missionarinnen erinnern, die ihre Heimat verlassen haben, um hinzugehen und das Evangelium in anderen Ländern, in anderen Kontinenten zu verkünden. Ein brasilianischer Kardinal, der ziemlich viel in Amazonien arbeitet, hat mir gesagt, dass er, wenn er an einen Ort, in ein Dorf oder eine Stadt in Amazonien geht, immer den Friedhof und die Gräber dieser Missionare, Priester, Ordensbrüder und Ordensschwestern besucht, die hingegangen sind, um das Evangelium zu predigen: Apostel. Und er denkt: Sie alle können jetzt heiliggesprochen werden, sie haben alles verlassen, um Jesus Christus zu verkünden. Danken wir dem Herrn, weil unsere Kirche so viele Missionare hat; sie hatte viele Missionare und sie braucht noch mehr! Vielleicht hat einer von den vielen jungen Menschen, von den Jungen und Mädchen hier, Lust, Missionar zu werden: Möge er oder sie auf diesem Weg vorangehen! Es ist etwas Schönes, anderen das Evangelium Jesu zu bringen. Möge er oder sie den Mut haben!

    Bitten wir also den Herrn, die Gabe seines Geistes in uns zu erneuern, auf dass jede christliche Gemeinde und jeder Getaufte Ausdruck der heiligen, katholischen und apostolischen Mutter Kirche sei.

    Ein Sprecher verlas folgende Worte des Papstes an die Pilger aus dem deutschen Sprachraum:

    Gerne grüße ich die Gläubigen deutscher Sprache, die zu dieser Audienz gekommen sind. Einen besonderen Gruß richte ich an die Pilger des „Haus Franziskus“ in Salzkotten. Bitten wir den Herrn, dass wir Getaufte die heilige Mutter Kirche als katholische und apostolische stets sichtbar machen. Ich wünsche euch einen guten Aufenthalt in Rom. Gott segne euch alle.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller