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    Die Frage

    „Noch nicht probiert? Dann kannst du auch nicht mitreden! Zudem ist es cool, beim Quatschen mal eine anzustecken und dabei an einer Flasche zu ziehen. Sonst kannst du dich gleich vom Acker machen.“

    Hans Zier, Oberstudienrat im Ruhestand. Foto: privat

    „Noch nicht probiert? Dann kannst du auch nicht mitreden! Zudem ist es cool, beim Quatschen mal eine anzustecken und dabei an einer Flasche zu ziehen. Sonst kannst du dich gleich vom Acker machen.“

    So taxiert zu werden, wäre für viele Jugendliche ein Horror. Erwachsene Vorbilder dazu haben sie auch, von denen viele nicht merken, wie der Umgang mit dem Glimmstengel und der Alkoholkonsum auf die Jüngeren wirkt. Sind Hinweise auf die Gefahren durch Alkohol im Straßenverkehr noch einigermaßen einsichtig, zumindest wenn es ans Geld geht beim Röhrchenblasen, treffen Mahnungen wegen körperlichen Folgen von Rauchen und Alkoholgenuss meist auf taube Ohren. Man weiß ja, wieviel man verträgt.

    Der verantwortungsvolle Umgang mit dem eigenen Körper ist die entsprechende Haltung auf das Geschenk eines gesunden Körpers, den der Mensch von seinem Schöpfer erhalten hat, was aber für manchen keine Selbstverständlichkeit ist. Mit der Einschränkung des Rauchens in der Öffentlichkeit und in Lokalen sind heute Normen gesetzt, die man vor dreißig Jahren für unmöglich hielt. Das Wohlbefinden des Einzelnen ohne störenden Rauch wird gesellschaftlich als wesentlich höheres Rechtsgut eingeschätzt als das Bedürfnis, den Nikotinspiegel hochzuhalten. Wer dennoch rauchen muss, hat mit örtlichen Begrenzungen durch Raucherzonen zu rechnen.

    Statt Alkohol in Form von Begrüßungs- oder Gratulationsdrinks wird heute als gesellschaftlicher Standard auch ein nichtalkoholisches Getränk angeboten. Der Führerscheinentzug oder die Anrechnung einer Teilschuld beim Verkehrsunfall wäre zu schmerzhaft. Solche Überlegungen sind zwar nützlich, treffen aber nicht das Wesentliche. Leicht ist die Grenze der noch ungefährlichen, weil geringen Alkoholmenge nach vorne geschoben, wenn nicht ein starker Charakter und eine kluge Verhaltensweise beim Trinken auf die Reaktionen des eigenen Körpers mit im Spiel sind. Die meisten Jugendlichen können dies nur selten, viele Erwachsene auch nicht. Somit setzt der verantwortungsvolle Christ sich ein ganz klares Limit oder in bestimmten Fällen einen Verzicht als Schutz für den eigenen Körper und für die Sicherheit der anderen. Und an diesem Limit rüttelt er nicht.

    Dann kommt er auch in den Genuss zum Beispiel eines feinen Weines, der die Stimmung heben kann, Respekt vor der Kunst des Weinausbaues einflößt und medizinisch eine positive Wirkung auf den Körper ausübt. Gerade junge Menschen haben ein Gespür bei der Beobachtung Erwachsener, ob sie beim Genuss von Alkohol noch authentisch sind, nicht aus der Rolle fallen und nicht Ausfälligkeiten oder Anzüglichkeiten mit geistreich-spritzigem Verhalten verwechseln.

    Der Christ kann sich auch fragen, warum Brot und Wein von Christus zum eucharistischen Zeichen genommen wurden. Beide haben etwas, was den Körper stärkt und gemeinschaftliche Freude macht – maßvoll genossen. Auch ein Blick auf die europäische Karte mit ihren Kulturlandschaften, die auch schon immer Weinlandschaften waren, mag einen guten Impuls geben für die gestellte Frage.

    leserfragen@die-tagespost.de