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    Der Widerspenstigen allmähliche Zähmung

    Rom (DT) Francisco Argüello, genannt Kiko, erzählt. Es soll eine Pressekonferenz sein, ganz in der Nähe des Sankt Anna-Tors des Vatikans. Soeben erst, am vergangenen Montagmorgen, hat Papst Benedikt aus dem Kreis der Mitglieder des Neokatechumenalen Wegs 230 Ehepaare mit ihren Kindern als „Familien in Mission“ in 46 Länder auf fünf Kontinenten ausgesandt. Es war eine große Begegnung, mit siebentausend Anhängern Kikos in der Audienz-Halle des Vatikans. Und jetzt, vor Journalisten, in einem mittelgroßen, nüchternen Raum unter einem Gemälde im modern-naiven Stil, das die Apostel mit der Gottesmutter zeigt, gibt der Gründer des Neokatechumenalen Wegs, nach vorne gebeugt, die Hände auf den Tisch gestützt, Erinnerungen zum Besten. An die Jahre 1973 und 1974 etwa, als man in Regensburg den Theologie-Professor Joseph Ratzinger kennenlernte. Der wollte ihnen helfen, über einige Bischöfe den Neokatechumenalen Weg auch in Deutschland zu installieren. Das gelang nicht. Also bat Ratzinger zwei befreundete Pfarrer, die Spanier und ihr Gemeindeapostolat als Gäste aufzunehmen. So Kiko Argüello.

    Mitglieder des Neokatechumenalen Wegs bei der Audienz am Montag. Foto: dpa

    Rom (DT) Francisco Argüello, genannt Kiko, erzählt. Es soll eine Pressekonferenz sein, ganz in der Nähe des Sankt Anna-Tors des Vatikans. Soeben erst, am vergangenen Montagmorgen, hat Papst Benedikt aus dem Kreis der Mitglieder des Neokatechumenalen Wegs 230 Ehepaare mit ihren Kindern als „Familien in Mission“ in 46 Länder auf fünf Kontinenten ausgesandt. Es war eine große Begegnung, mit siebentausend Anhängern Kikos in der Audienz-Halle des Vatikans. Und jetzt, vor Journalisten, in einem mittelgroßen, nüchternen Raum unter einem Gemälde im modern-naiven Stil, das die Apostel mit der Gottesmutter zeigt, gibt der Gründer des Neokatechumenalen Wegs, nach vorne gebeugt, die Hände auf den Tisch gestützt, Erinnerungen zum Besten. An die Jahre 1973 und 1974 etwa, als man in Regensburg den Theologie-Professor Joseph Ratzinger kennenlernte. Der wollte ihnen helfen, über einige Bischöfe den Neokatechumenalen Weg auch in Deutschland zu installieren. Das gelang nicht. Also bat Ratzinger zwei befreundete Pfarrer, die Spanier und ihr Gemeindeapostolat als Gäste aufzunehmen. So Kiko Argüello.

    Der Heilige Stuhl als Freund und Helfer

    Dann ein Gebet, Kiko setzt sich hin. Neben ihm die Mitgründerin Carmen Hernandez. Während der Gründer mit einer Zigarette in den Händen spielt, raucht Carmen eine nach der anderen. Immer wieder ruft sie etwas dazwischen – man versteht es kaum. Kardinal Arinze, so ein Zwischenruf von ihr, der ehemalige Präfekt der Liturgiekongregation, habe „einen Krieg geführt“ gegen den Neokatechumenat. Nein, so war es nicht, korrigiert sie Kiko, „der Heilige Stuhl hat uns geholfen“. Arinze hatte in dem Schreiben liturgische Missbräuche bei Gottesdienstfeiern der Neokatechumenalen beklagt. Dieser Brief aus dem Jahr 2005 sei jetzt „verfallen“, habe ihm der neue Präfekt der Liturgiekongregation, Kardinal Antonio Canizares, gesagt, behauptet Kiko. Es wird nicht so ganz klar, was hier vor sich geht. „Wer bist Du?“, raunzt Kiko einen jungen Journalisten an, der Genaueres wissen will. Und der altgediente „vaticanista“ Sandro Magister, der einen detaillierten Vortrag über die Schwierigkeiten des Neokatechumenalen Wegs halten könnte, wird auf seinem Stuhl darüber völlig nervös, dass in dieser Runde nichts Klares herauszubringen ist.

    Unter der schreibenden Zunft am Rande sitzen drei ältere Mitstreiter Kikos, einer, ein Laie, pafft seinen Zigarillo, und zwei Priester stehen da, sie werfen dem Gründer Jahreszahlen zu, wenn dieser sich nicht recht erinnern will. So war es also offensichtlich in den Jahren 1997 bis 2003, dass der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, mit seinem zweiten Mann Tarcisio Bertone den Katechismus des Neokatechumenalen Wegs korrigiert und ergänzt haben. Jetzt, so war den Journalisten vorab mitgeteilt worden, habe der Päpstliche Laienrat mit Schreiben vom 24. November 2010 diesen Katechismus als „Katechistisches Direktorium des Neokatechumanlen Wegs“ als lehrmäßige Orientierung für die Katechisten der Missionsgemeinschaft approbiert. Viele sind gekommen, um diesen Katechismus zu sehen. „Ich hoffe nicht, dass sie uns zwingen, ihn zu veröffentlichen“, enttäuscht Kiko die Anwesenden, „das wäre für uns ein Übel.“ Es gebe da ein Arkanum. Wer sich vor Ort auf den neokatechumenalen Weg der Neuevangelisierung begebe, müsse nicht unbedingt wissen, was ihn am Ende erwarte.

    Spannungen mit den Bischöfen in Japan

    Auch über den Krach, den es in Japan mit den Bischöfen gegeben hat, will der Gründer nichts sagen. Da gebe es jetzt einen Apostolischen Delegaten und Schluss. Statt des Direktoriums gibt es für alle einen schönen Fotoband, der die Geschichte des Neokatechumenalen Wegs seit 1964 in Bildern erzählt.

    Der Papst war in der Audienz für den Neokatechumenalen Weg sehr freundlich gewesen. Er bezeichnete diesen als „Geschenk des Heiligen Geistes“. Und er sprach auch von dem neuen Direktorium. In diesen Tagen habe die Glaubenskongregation dem Päpstlichen Rat für die Laien mitgeteilt, dass in Folge eines aufmerksamen Studiums der betreffenden Lehre die Katechesen des Weges, die von den Katechistenteams benützt werden, jetzt zum „Katechetischen Direktorium des Neokatechumenalen Weges“ werden, weil sie nicht mehr nur die Orientierungen für die Katechistenteams darstellten, sondern den Abschluss eines institutionellen Weges anzeigten und darüber hinaus allen Hirten der Kirche lehramtliche Garantien bieten würden. Zugleich ermahnte der Papst seine Zuhörer, „stets die tiefe Gemeinschaft mit den Hirten und allen Instanzen der Ortskirchen zu suchen, in den sehr verschiedenen kirchlichen Umfeldern, in denen ihr wirkt“.