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    Der Papst, der die Schule liebt

    Rom (DT) Dreizehn Minuten. Genau so lang dauerte die kurze Begegnung mit Franziskus am Sonntagmittag: Das Gebet des „Regina coeli“ und die Ansprache des Papstes. Doch für genau diese dreizehn Minuten hatten sich wieder an die hunderttausend Menschen eingefunden, um den Papst zu erleben und mit ihm zu beten. Franziskus zieht die Massen an – ein Phänomen, das nicht abnimmt, sondern eher zunimmt. Zu dem Massenauflauf beigetragen haben mag die Tatsache, dass der Petersdom voll gewesen war, als der Papst zuvor dreizehn Diakonen die Priesterweihe gespendet hatte. Es war der 51. Welttag der geistlichen Berufungen. Franziskus legte jedem der neuen Priester die Hände auf, salbte ihre Handflächen mit Chrisam und überreichte ihnen die eucharistischen Gaben Brot und Wein. In seiner Predigt rief er die neuen Priester eindringlich dazu auf, barmherzig zu sein.

    Der Petersplatz wieder ein Menschenmeer: Franziskus hatte die Schulen nach Rom eingeladen und dreihunderttausend Schüler... Foto: dpa

    Rom (DT) Dreizehn Minuten. Genau so lang dauerte die kurze Begegnung mit Franziskus am Sonntagmittag: Das Gebet des „Regina coeli“ und die Ansprache des Papstes. Doch für genau diese dreizehn Minuten hatten sich wieder an die hunderttausend Menschen eingefunden, um den Papst zu erleben und mit ihm zu beten. Franziskus zieht die Massen an – ein Phänomen, das nicht abnimmt, sondern eher zunimmt. Zu dem Massenauflauf beigetragen haben mag die Tatsache, dass der Petersdom voll gewesen war, als der Papst zuvor dreizehn Diakonen die Priesterweihe gespendet hatte. Es war der 51. Welttag der geistlichen Berufungen. Franziskus legte jedem der neuen Priester die Hände auf, salbte ihre Handflächen mit Chrisam und überreichte ihnen die eucharistischen Gaben Brot und Wein. In seiner Predigt rief er die neuen Priester eindringlich dazu auf, barmherzig zu sein.

    Verschließt die Türen der Kirche nicht

    „Um der Liebe Christi willen: Werdet niemals müde, barmherzig zu sein!“, sagte Franziskus in seiner Predigt. Priester sollten wie Jesus Christus fähig sein, zu vergeben. Auch der Herr sei nicht gekommen, um zu verdammen, sondern um zu vergeben. „Und wenn ihr Skrupel bekommt“, fuhr Franziskus fort, „ob ihr nicht zu vergebungsbereit seid, dann setzt euch vor den Tabernakel und sagt: ,Herr, vergib, falls ich zu viel vergeben habe. Aber Du hast mir ja selbst das schlechte Beispiel gegeben!‘ Ich sage euch: Wirklich, es schmerzt mich so sehr, wenn ich Menschen treffe, die nicht mehr zur Beichte gehen, weil man sie schlecht behandelt und ausgeschimpft hat. Sie haben gespürt, wie sich die Türen der Kirche vor ihnen verschlossen. Bitte, macht das nicht: Barmherzigkeit, Barmherzigkeit!“ Die Weihekandidaten, die Franziskus zuvor im vatikanischen Gästehaus Santa Marta kennengelernt hatte, stammten aus Italien, Pakistan, Vietnam, Korea, Brasilien, Chile, Venezuela und Ecuador. Franziskus bat die neuen Priester, nicht als „Herren der Glaubenslehre“ aufzutreten. Die Glaubenslehre würde nicht ihnen gehören, sondern sei die Lehre Gottes. Dieser Lehre Gottes sollten sie stets treu sein.

    Bereits am Vortag hatte sich der Petersplatz in ein Menschenmeer verwandelt. Franziskus hatte die Schulen nach Rom eingeladen: Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, Lehrer und Mitarbeiter an staatlichen wie privaten Bildungseinrichtungen. Und dreihunderttausend von ihnen waren gekommen – nach der Heiligsprechungsfeier am Barmherzigkeitssonntag füllten sich die Straßen und Plätze vor der Vatikanbasilika wieder bis hinunter zur Engelsburg. Mit dem Papamobil drehte Franziskus eine große Runde durch die Massen, begrüßte einige Schüler persönlich und segnete Familien. Das Treffen hatte die Italienische Bischofskonferenz organisiert. Es gab vor der Fassade des Petersdoms Zeugnisse, Jugendliche trugen ihre Erfahrungen vor und Prominente erinnerten an ihre eigene Schulzeit. Schließlich ergriff der Papst das Wort. Das sei heute ein Fest für die Schule, meinte er. Auch wenn es Schwierigkeiten in der Schule gebe und manche Dinge nicht so gut laufen würden, „sind wir hier, weil wir die Schule lieben“. Auch er, der Papst, habe die Schule geliebt, meinte Franziskus, als Schüler, Student und als Lehrer, aber auch als Bischof in Buenos Aires.

    Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf

    Warum er die Schule liebe, erklärte er mit einer kleinen Anekdote aus seinem Leben: „Hier habe ich gehört, dass man nicht alleine groß wird, denn es gebe immer jemanden, der dir helfe zu wachsen und groß zu werden. Und ich habe dieses Bild von meiner ersten Lehrerin, diese Frau Lehrerin, die mich aufgenommen hat mit sechs Jahren in der ersten Klasse. Ich habe sie nie vergessen. Sie hat mich die Schule lieben gelernt. Später bin ich sie besuchen gegangen, ihr ganzes Leben lang. Bis sie zu dem Augenblick, als sie gehen musste und 98 Jahre alt war. Ich liebe die Schule, weil diese Frau es mir beigebracht hat, die Schule zu lieben.“

    Die Schule, so sagte Franziskus weiter, sei, die „Tür zur Realität“. In die Schule zu gehen heiße, den Geist und das Herz für die Wirklichkeit in allen ihren Dimensionen zu öffnen. „Aber wir haben auch das Recht Angst zu haben. Die Schule hilft und lernt uns, diese Realität zu verstehen“, fügte Franziskus an. Und das sei das Schöne an der Schule, sagte der Papst. Die Schüler müssten lernen zu lernen. Das sei das Geheimnis. Das schließe auch die Lehrer nicht aus. Sie sollten weiterhin offen sein, offen für die Wirklichkeit, um immer weiter zu lernen, so der Papst, denn man lerne nie aus. Der Papst hob hervor, dass die Schule ein wichtiger „Ort der Begegnung“ sei und nicht mit einem „Parkplatz“ verwechselt werden dürfe. Die Schule sei eine Ergänzung der Familie, eine wichtige Ergänzung. Wörtlich sagte Franziskus: „Um einen Sohn zu erziehen braucht man viele Menschen: Familie, Lehrer, Professoren, alle!“ Und er zitierte ein afrikanisches Sprichwort: „Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf.“ Und da dieses geflügelte Wort dem Papst offensichtlich gut gefiel, ließ er es von der ganzen Menge wiederholen. Franziskus macht das öfters bei Audienzen oder Ansprachen: Er wiederholt kurze und einprägsame Sätze und bitte die Menge, die Worte gemeinsam nachzusprechen.

    Die Mission der Schule sei es, den wahren Sinn der Dinge zu vermitteln, den Sinn des Guten und des Schönen, sagte Franziskus weiter. In der Schule lerne man nicht nur Wissen, sondern auch Gewohnheiten und Werte. Er wünschte allen eine schöne Zeit in der Schule und dass sie die Sprachen des „Geistes“, des „Herzens“ und die Sprache der „Hände“ lernen würden, das bedeutet, dass Taten, Gefühle und Gedanken in jeder Hinsicht übereinstimmen. „Und bitte, bitte“, sagte Franziskus abschließend, „lassen wir uns nicht die Liebe zur Schule rauben!“