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    Der Mariologe, den Johannes Paul verehrte

    Während der 300. Todestag des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort hierzulande beinahe in Vergessenheit geraten ist, feiert man in seiner Heimatdiözese Rennes mit zahlreichen Veranstaltungen das Jubiläum, das „Tricentenaire“ des unermüdlichen Volksmissionars, dessen Spiritualität noch heute viele Katholiken weltweit inspiriert. Eine Wallfahrt nach Lourdes, Konzerte, Ausstellungen, Pontifikalämter mit dem Erzbischof von Rennes sowie Vorträge erinnern noch bis Ende Mai an den Ordensgründer, der am 28. April 1716 mit erst 43 Jahren auf einer Mission in St.-Laurent-sur-Sevre im Departement Vendée erschöpft verstarb. Im Juni organisiert die theologische Fakultät der Katholischen Universität des Westens (UCO) in Angers gemeinsam mit den Ordensleuten der Montfortanischen Familie ein Kolloquium zum Thema „Pater de Montfort: Verrücktheit und Weisheit! Spirituelle und missionarische Ressourcen für eine apostolische Erneuerung“. Darüber hinaus haben die „Montfortaner“ die (auf Englisch, Französisch und Italienisch im Internet unter der URL http://www.montfort-tricentenaire.org/files/2015-Outil-d-animation--FR-booklet.pdf verfügbare) 58-seitige illustrierte Broschüre „Auf den Spuren von Montfort“ herausgebracht – eine Art geistliche Handreichung, die Interessierten den Heiligen anhand von biographischen Notizen und Zitaten Montforts, Gebeten und erläuternden Bibelpassagen näherbringen möchte.

    Sein missionarisches Handeln macht ihn zum Leitbild für heute: Das Detail des Werbeplakats zum 300. Todestag zeigt den h... Foto: IN

    Während der 300. Todestag des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort hierzulande beinahe in Vergessenheit geraten ist, feiert man in seiner Heimatdiözese Rennes mit zahlreichen Veranstaltungen das Jubiläum, das „Tricentenaire“ des unermüdlichen Volksmissionars, dessen Spiritualität noch heute viele Katholiken weltweit inspiriert. Eine Wallfahrt nach Lourdes, Konzerte, Ausstellungen, Pontifikalämter mit dem Erzbischof von Rennes sowie Vorträge erinnern noch bis Ende Mai an den Ordensgründer, der am 28. April 1716 mit erst 43 Jahren auf einer Mission in St.-Laurent-sur-Sevre im Departement Vendée erschöpft verstarb. Im Juni organisiert die theologische Fakultät der Katholischen Universität des Westens (UCO) in Angers gemeinsam mit den Ordensleuten der Montfortanischen Familie ein Kolloquium zum Thema „Pater de Montfort: Verrücktheit und Weisheit! Spirituelle und missionarische Ressourcen für eine apostolische Erneuerung“. Darüber hinaus haben die „Montfortaner“ die (auf Englisch, Französisch und Italienisch im Internet unter der URL www.montfort-tricentenaire.org/files/2015-Outil-d-animation--FR-booklet.pdf verfügbare) 58-seitige illustrierte Broschüre „Auf den Spuren von Montfort“ herausgebracht – eine Art geistliche Handreichung, die Interessierten den Heiligen anhand von biographischen Notizen und Zitaten Montforts, Gebeten und erläuternden Bibelpassagen näherbringen möchte.

    Wer ist dieser Mann, von dem Papst Johannes Paul II. sagt, dass er für ihn eine „bedeutende Bezugsperson“ geworden war, die ihn in wichtigen Augenblicken seines Lebens erleuchtet habe?

    Ludwig kommt am 31. Januar 1673 in einer kinderreichen Familie zur Welt, aus der fünf Ordensberufungen hervorgehen werden. Seine Wiege steht in Montfort-sur-Meu in der Nähe von Rennes, der Hauptstadt der Bretagne. Eine tiefe Frömmigkeit und eine besondere Verehrung der Jungfrau Maria prägen schon den Schuljungen, der sich bei seiner Firmung Maria als zweiten Namen wählt und mit elf Jahren das Jesuitenkolleg in Rennes besucht. Die Muttergottes begleitet ihn sein ganzes Leben. Auf dem Kolleg gründet er zu ihren Ehren eine kleine geheime Vereinigung. Bereits in dieser Zeit beginnt er, sich um Arme zu kümmern. Mit 19 Jahren kann er dank eines Wohltäters seine Studien in dem berühmten Priesterseminar Saint-Sulpice in Paris fortsetzen. 1700 empfängt er die Priesterweihe. In Poitiers stellt sich Montfort als Krankenhausseelsorger des städtischen Hospitals ganz in den Dienst der Bedürftigen, für die er aufgrund ihrer kargen materiellen Ausstattung auch Straßensammlungen organisiert. Bei den meisten seiner Schützlinge findet er viel Anklang. Die von ihm anvisierten Reformen stoßen jedoch nicht bei allen auf eine positive Resonanz. Montfort ist ein passionierter und zugleich sanftmütiger Geistlicher, der das Evangelium in seiner ganzen Radikalität ohne Kompromisse leben möchte. Zweimal fordert man ihn wegen seines Eifers auf, sein Amt als Krankenhauspfarrer niederzulegen. In dieser Zeit kommt es auch zu einer ersten Begegnung mit der seligen Marie Luise Trichet, die sich mit der 1703 gemeinsam mit Montfort gegründeten Gemeinschaft „Töchter der Weisheit“ („Montfortschwestern“) in den Dienst der Krankenpflege und des Schulunterrichts vor allem für Arme stellen wird. 1705 ruft Montfort den Orden der „Missionare der Gesellschaft Marias“, kurz „Montfortaner“, zur Förderung der Marienverehrung ins Leben.

    Schließlich wird ihm in der Diözese Poitiers, dann auch im Bistum Nantes jegliche Predigttätigkeit untersagt. Zu Fuß und ohne einen Sou in der Tasche macht sich Montfort auf den Weg nach Rom – 1500 Kilometer legt er dabei zurück und teilt sich die Almosen, die er unterwegs bekommt, mit den Obdachlosen. In Rom bittet er den Papst um die Erlaubnis, im Orient die Ungläubigen zu evangelisieren. Clemens XI. ernennt ihn 1706 zum „apostolischen Missionar“ und schickt ihn zurück in seine französische Heimat mit den Worten: „Sie haben in Frankreich ein recht weites Betätigungsfeld, um Ihren Eifer zu entfalten.“

    Fortan zieht Montfort im Nordwesten Frankreichs von Diözese zu Diözese und entfaltet bis zu seinem Tod eine rege Missionstätigkeit. Wo er auch hinkommt, begeistert er die Menschen: mit den von ihm selbstgedichteten Liedern, die zum Teil noch heute gesungen werden, mit den von ihm veranstalteten Prozessionen. Er predigt, hört Beichte, legt den Gläubigen eindringlich das Rosenkranzgebet ans Herz und verfasst Anfang des 18. Jahrhunderts „Das Goldene Buch der vollkommenen Hingabe an Maria“, das jedoch erst lange nach seinem Tod, im Jahr 1842, wiederaufgefunden wird. Darin rät er zu einer ständigen Erneuerung des Taufgelübdes durch eine vollkommene Hingabe an Jesus durch Maria.

    In der Stadt Pontchâteau lässt Montfort mithilfe von fast 500 Männern und Frauen einen monumentalen Kalvarienberg errichten. Am Fest Kreuzerhöhung des Jahres 1710 soll er eingeweiht werden. Tausende von Besuchern werden erwartet. Doch am Vorabend kommt der Befehl des Bischofs, ausgelöst durch eine Order von König Ludwig XIV., den Berg zu zerstören. Montfort reagiert darauf wie Hiob: „Der Herr hat erlaubt, dass ich diesen Kalvarienberg errichten lasse, heute erlaubt er, dass er zerstört wird: Gelobt werde sein heiliger Name!“

    Sechzehn Jahre engagierter Dienst zehren an seinen Kräften. Am 28. April 1716 stirbt Ludwig Maria Grignion de Montfort. Er wird 1888 von Papst Leo XIII. selig- und 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen.

    Johannes Paul II. wurde am 27. April 2014 zum Heiligen erklärt – am Vorabend des 28. April, des Todes- und Gedenktages des heiligen Pater de Montfort. Die unmittelbare Nähe dieser beiden Daten ist nicht zufällig. Sie kann als bedeutungsschwerer Ausdruck für die tiefe Verbundenheit des polnischen Papstes mit dem Pater aus der Bretagne verstanden werden, der in seinem „Goldenen Buch“ mit nur zwei kleinen Worten die Devise des bischöflichen und päpstlichen Weges Johannes Pauls vorgab: „Totus tuus“ – „Ganz Dein“.