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    Der Heilige der Obdachlosen

    Ein Landstreicher aus gutem Hause wurde zum „Engel von Amettes“. Als Bettler zog Benedikt Joseph Labre durch Europa und führte doch ein heiligmäßiges Leben.

    Ein Landstreicher aus gutem Hause wurde zum „Engel von Amettes“. Als Bettler zog Benedikt Joseph Labre durch Europa und führte doch ein heiligmäßiges Leben.

    Benedikt erblickte am 26. März 1748 als ältester Spross einer Kaufmannsfamilie im nordfranzösischen Amettes das Licht der Welt. Er hatte vierzehn Geschwister und schon als Kind fiel er wegen seiner frommen Haltung auf, sodass von ihm erwartet wurde, die Priesterlaufbahn einzuschlagen. Doch Benedikt war ein schlechter Schüler. Für den Eintritt in ein Kloster konnte er sich dennoch begeistern. Von den Kartäusern und Zisterziensern abgewiesen – jedes Mal hieß es, er sei psychisch zu labil und seine Gesundheit zu schwach, um zu bestehen – versuchte er es ein drittes Mal: diesmal bei den strengen Trappisten. In der Abtei Notre Dame de la Trappe wurde er zunächst aufgenommen und legte sich den Namen Frater Urban zu. Von Ängsten geplagt, musste er den Orden nach wenigen Monaten jedoch wieder verlassen.

    Der Heilige der Obdachlosen fand nun seine Berufung, indem er sich zu Fuß auf eine Pilgerreise durch Europa begab und als Büßer die wichtigsten Heiligtümer der Christenheit aufsuchte. Sein Weg führte ihn im Dezember 1770 zunächst nach Rom, anschließend besuchte er Santiago de Compostela, Paray-le-Monial, Loreto, Assisi, Neapel, Bari und Einsiedeln. Er lebte von Almosen und oft teilte er das wenige, das er besaß, noch mit anderen. Mit 29 Jahren ließ er sich in Rom nieder und verbrachte die Nächte im Kolosseum. In Lumpen gekleidet, in vollkommener Armut auf der Straße zu leben war für ihn ein Akt der Selbsttötung. In Rom nennt man ihn auch den „Armen des Vierzigstündigen Gebets“, weil man ihn oft im Gebet versunken vor dem ausgesetzten Allerheiligsten fand. Benedikt Labre war zudem mystisch begabt und verlor bei seiner Kontemplation zeitweise das Bewusstsein. Mit 35 Jahren starb er, völlig ausgezehrt und entkräftet, am 16. April 1783 auf den Stufen der römischen Kirche Santa Maria ai Monti. Die Nachricht seines Todes verbreitete sich in Windeseile durch die Straßenjungen, die durch die Stadt laufend riefen: „Der Heilige ist gestorben! Der Heilige ist gestorben!“

    Der Patron der Bettler, der geistig Kranken und der Junggesellen wurde 1860 von Papst Pius IX. selig- und am 8. Dezember 1881 von Papst Leo XIII. heiliggesprochen. In den drei Monaten nach seinem Ableben haben sich 136 Heilungswunder auf die Fürsprache des Heiligen ereignet.

    In Frankreich und in anderen Ländern existieren Gemeinschaften, die dem Vorbild des heiligen Benedikt Labre folgen. Sie sehen ihre Aufgabe darin, sich unter anderem um Häftlinge, Schwerkranke, um Menschen ohne festen Wohnsitz und um Alkoholkranke zu kümmern. In München gibt es seit 1980 die Schwestern und Brüder vom heiligen Benedikt Labre e. V.