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    „Der Heilige Geist beseelt die Kirche“

    Wir feiern heute das wichtige Hochfest Pfingsten. Wenn in einem gewissen Sinne alle liturgischen Hochfeste der Kirche wichtig sind, so ist es das Pfingstfest auf besondere Weise, da es nach dem Erreichen des fünfzigsten Tages durch das Geschenk des Geistes des Auferstandenen die Erfüllung des Osterereignisses, des Todes und der Auferstehung Jesu, des Herrn, anzeigt. Auf Pfingsten hat uns die Kirche in den vergangenen Tagen durch das Gebet vorbereitet, durch die wiederholte und eindringliche Anrufung Gottes, dass der Heilige Geist erneut auf uns ausgegossen werden möge. Die Kirche hat so nacherlebt, was sich bei ihrem Entstehen ereignet hat, als die Apostel, die im Abendmahlssaal von Jerusalem versammelt waren, „dort einmütig im Gebet (verharrten), zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1, 14). Sie waren in demütiger und vertrauensvoller Erwartung versammelt, dass sich die Verheißung des Vaters erfüllen möge, die Jesus ihnen vermittelt hatte: „Ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft... Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird“ (Apg 1, 5.8).

    Papst Benedikt XVI. während der Eucharistiefeier am Pfingstsonntag. Foto: dpa

    Wir feiern heute das wichtige Hochfest Pfingsten. Wenn in einem gewissen Sinne alle liturgischen Hochfeste der Kirche wichtig sind, so ist es das Pfingstfest auf besondere Weise, da es nach dem Erreichen des fünfzigsten Tages durch das Geschenk des Geistes des Auferstandenen die Erfüllung des Osterereignisses, des Todes und der Auferstehung Jesu, des Herrn, anzeigt. Auf Pfingsten hat uns die Kirche in den vergangenen Tagen durch das Gebet vorbereitet, durch die wiederholte und eindringliche Anrufung Gottes, dass der Heilige Geist erneut auf uns ausgegossen werden möge. Die Kirche hat so nacherlebt, was sich bei ihrem Entstehen ereignet hat, als die Apostel, die im Abendmahlssaal von Jerusalem versammelt waren, „dort einmütig im Gebet (verharrten), zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1, 14). Sie waren in demütiger und vertrauensvoller Erwartung versammelt, dass sich die Verheißung des Vaters erfüllen möge, die Jesus ihnen vermittelt hatte: „Ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft... Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird“ (Apg 1, 5.8).

    In der Pfingstliturgie entspricht dem Bericht der Apostelgeschichte über das Entstehen der Kirche (vgl. Apg 2, 1–11) Psalm 103, den wir gerade gehört haben: ein Lob der gesamten Schöpfung, die den Schöpfergeist preist, der alles mit Weisheit gemacht hat: „Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. ... Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke“ (Ps 104, 24.31).

    Gott ist Vernunft, Wille, Liebe und Schönheit

    Was uns die Kirche sagen will, ist folgendes: Der Schöpfergeist aller Dinge und der Heilige Geist, den Christus vom Vater auf die Gemeinschaft der Jünger hat herabkommen lassen, sind ein und derselbe: Schöpfung und Erlösung gehören einander an und stellen in der Tiefe ein einziges Geheimnis der Liebe und des Heils dar. Der Heilige Geist ist vor allem Schöpfergeist und folglich ist Pfingsten auch das Fest der Schöpfung. Für uns Christen ist die Welt Frucht eines Aktes der Liebe Gottes, der alles geschaffen hat, über den Er sich freut, weil es „gut“ war, weil es „sehr gut“ war, wie es im Schöpfungsbericht heißt (vgl. Gen 1, 1–31). Gott ist also nicht der ganz Andere, unaussprechlich und unergründlich. Gott offenbart sich, er hat ein Antlitz, Gott ist Vernunft, Gott ist Wille, Gott ist Liebe, Gott ist Schönheit. Der Glaube an den Schöpfergeist und der Glaube an den Geist, den der auferstandene Christus den Aposteln geschenkt hat und jedem von uns schenkt, sind also untrennbar miteinander verbunden.

    Die zweite Lesung und das heutige Evangelium zeigen uns diese Verbindung. Der Heilige Geist ist derjenige, der uns in Christus den Herrn erkennen und das Glaubensbekenntnis der Kirche sprechen lässt: „Jesus ist der Herr“ (1 Kor 12, 3b). Herr ist der Titel, der Gott im Alten Testament zugewiesen wird, ein Titel, der beim Lesen der Bibel die Stelle seines unaussprechlichen Namens einnahm. Das Credo der Kirche ist nichts anderes als die Entwicklung dessen, was mit dieser einfachen Behauptung ausgesagt wird: „Jesus ist der Herr“. Über dieses Glaubensbekenntnis sagt uns der heilige Paulus, dass es sich eben um das Wort und das Wirken des Heiligen Geistes handelt. Wenn wir im Heiligen Geist sein wollen, müssen wir diesem Credo zustimmen. Indem wir es uns zu eigen machen und es als unser Wort annehmen, erhalten wir Zugang zum Wirken des Heiligen Geistes.

    Der Ausdruck „Jesus ist der Herr“ kann auf zwei Weisen gelesen werden. Er bedeutet: Jesus ist Gott, und gleichzeitig: Gott ist Jesus. Der Heilige Geist erhellt diese Reziprozität: Jesus hat göttliche Würde, und Gott hat das menschliche Antlitz Jesu. Gott zeigt sich in Jesus und schenkt uns dadurch die Wahrheit über uns selbst. Sich zutiefst von diesem Wort erleuchten zu lassen, ist das Ereignis von Pfingsten.

    Indem wir das Credo beten, treten wir ein in das Geheimnis des ersten Pfingsttages: die Verwirrung von Babel, jene Stimmen, die gegeneinander lärmen, erfährt eine radikale Verwandlung: die Vielfalt wird zur vielgestaltigen Einheit, aus der vereinenden Kraft der Wahrheit wächst das Verständnis. Im Credo, das uns in allen Winkeln der Erde vereint, das durch den Heiligen Geist bewirkt, das man sich selbst in den verschiedenen Sprachen durch den Glauben, die Liebe und die Hoffnung versteht, bildet sich die neue Gemeinschaft der Kirche Gottes.

    Der Abschnitt aus dem Evangelium bietet uns dann ein wunderbares Bild, um die Verbindung zwischen Jesus, dem Heiligen Geist und dem Vater zu erklären: der Heilige Geist wird als der Hauch Jesu Christi dargestellt (vgl. Joh 20, 22). Der Evangelist Johannes nimmt hier ein Bild aus dem Schöpfungsbericht wieder auf, wo es heißt, dass Gott dem Menschen den Lebensatem in die Nase blies (vgl. Gen 2, 7). Der Atem Gottes ist Leben. Nun haucht der Herr den neuen Lebensatem, den Heiligen Geist, sein innerstes Wesen, in unsere Seele, und auf diese Weise nimmt er uns in die Familie Gottes auf. Mit der Taufe und der Firmung wird uns dies auf besondere Weise geschenkt, und mit den Sakramenten der Eucharistie und der Beichte wiederholt es sich ständig: der Herr haucht Lebensatem in unsere Seele. Alle Sakramente, jedes auf seine Weise, teilen den Menschen, dank des Heiligen Geistes, der in ihnen wirkt, das göttliche Leben mit.

    In der heutigen Liturgie erfassen wir noch eine weitere Verbindung. Der Heilige Geist ist Schöpfer und gleichzeitig Geist Jesu Christi, auf eine Weise jedoch, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist ein einziger Gott sind.

    Und nach der ersten Lesung können wir hinzufügen: der Heilige Geist beseelt die Kirche. Sie entstammt nicht dem menschlichen Willen, der Überlegung, den Fertigkeiten des Menschen oder seinen organisatorischen Fähigkeiten, denn wenn es so wäre, gäbe es sie schon lange nicht mehr, so wie alles Menschliche vergeht. Die Kirche ist vielmehr der Leib Christi, beseelt durch den Heiligen Geist. Die Bilder von Wind und Feuer, die der heilige Lukas verwendet, um das Kommen des Heiligen Geistes darzustellen (vgl. Apg 2, 2–3), erinnern an den Sinai, wo Gott sich dem Volk Israel offenbart und ihm sein Bündnis gewährt hatte; „Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt“ – so heißt es im Buch Exodus –, „denn der Herr war im Feuer auf ihn herabgestiegen“ (19, 18). Tatsächlich feierte Israel den fünfzigsten Tag nach dem Paschafest, nach dem Gedenken an die Flucht aus Ägypten, als das Fest des Sinai, das Bundesfest. Wenn der heilige Lukas von Feuerzungen spricht, um den Heiligen Geist darzustellen, wird an jenen alten Bund erinnert, der auf dem Gesetz gründete, das Israel auf dem Sinai empfangen hatte. So wird das Pfingstereignis als neuer Sinai dargestellt, als Geschenk eines neuen Bundes, in dem das Bündnis mit Israel auf alle Völker der Erde ausgedehnt wird, in dem alle Barrieren des Alten Bundes fallen und sein heiliger und unveränderlicher Kern erscheint: die Liebe, die gerade der Heilige Geist vermittelt und verströmt, die Liebe, die alles umfasst. Gleichzeitig erweitert sich das Gesetz, es öffnet sich, wenngleich es einfacher wird: es ist der Neue Bund, den der Heilige Geist in die Herzen aller, die an Christus glauben, einschreibt.

    Vom ersten Moment an „katholisch“

    Die Ausweitung des Bundes an alle Völker der Erde wird vom heiligen Lukas durch eine Aufzählung der wichtigen Völker jener Zeit dargestellt (vgl. Apg 2, 9–11). Damit wird uns etwas ganz Wichtiges mitgeteilt: dass die Kirche vom ersten Moment an „katholisch“ ist, dass ihre Universalität nicht das Ergebnis der folgenden Aufnahme verschiedener Gemeinschaften ist. Denn der Heilige Geist hat sie vom ersten Augenblick an als Kirche aller Völker geschaffen; sie umfasst die ganze Welt, sie überwindet alle Rassen-, Klassen-, Länderschranken; sie reißt alle Grenzen nieder und vereint die Menschen im Bekenntnis des einen und dreifaltigen Gottes. Von Anfang an ist die Kirche die eine, katholische und apostolische: Das ist ihr wahres Wesen und als solche muss sie erkannt werden. Sie ist heilig, nicht dank des Vermögens ihrer Mitglieder, sondern weil Gott selbst sie mit seinem Geist schafft, sie läutert und für immer heiligt.

    Schließlich liefert uns das heutige Evangelium diese wunderschöne Äußerung: „Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen“ (Joh 20, 20). Diese Worte sind zutiefst menschlich. Der verlorene Freund ist erneut gegenwärtig, und wer zuvor erschüttert war, freut sich. Doch sie sagen noch viel mehr. Denn der verlorene Freund kommt nicht von irgendwo, sondern aus der Nacht des Todes; und er hat sie überwunden! Er ist nicht irgendjemand, sondern er ist der Freund und gleichzeitig derjenige, der die Wahrheit ist, die die Menschen lebendig macht; und was er schenkt, ist nicht irgendeine Freude, sondern die Freude schlechthin, Geschenk des Heiligen Geistes. Ja, es ist schön zu leben, weil ich geliebt werde, und es ist die Wahrheit, die mich liebt. Die Jünger freuten sich, als sie den Herrn sahen. Heute, an Pfingsten, sind diese Worte auch für uns bestimmt, weil wir Ihn im Glauben sehen können; im Glauben kommt Er zu uns und zeigt auch uns seine Hände und seine Seite, und wir freuen uns. Daher wollen wir beten: Herr, zeige dich! Schenke uns deine Gegenwart und wir werden das schönste Geschenk empfangen: deine Freude. Amen!

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller