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    Der Apostel Vietnams

    Das Jahr 2017 steht für viele im Zeichen des Gedenkens an Martin Luther und an die Reformation in Deutschland. Aus dem Blick gerät dabei auf katholischer Seite nur zu oft, dass der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert große Teile Europas an die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften verloren gingen. Aus dem Blick gerät dabei bisweilen aber auch, dass die Kirche unter dem Papstprimat, beginnend in dieser Zeit und seit der Reformation, außerhalb Europas ein Vielfaches hinzugewann. Das geschah im Zuge der Entdeckungsfahrten – zunächst der Portugiesen und Spanier – und der europäischen Expansion, die nicht nur zu den Kolonialreichen der Frühen Neuzeit und des imperialistischen 19. Jahrhunderts mit all ihren negativen Erscheinungen bis hin zu genozid- oder völkermordähnlichen Exzessen führte, gegen die schon im 16. Jahrhundert der erste Bischof von Coro in Venezuela, Rodrigo de Bastidas, und Dominikaner wie Francisco de Vitoria oder Bartolomé de Las Casas ihre Stimme erhoben, sondern auch zur weltweiten Ausdehnung des christlichen Glaubens in seiner katholischen Gestalt. Während die protestantischen Missionsgesellschaften – 1649 die „Society for the Propagation of the Gospel in New-England“ für die Indianermission in Nordamerika, 1709 die deutsche „Dänisch-Hallesche Missionsgesellschaft“, 1815 die „Basler Mission“ – erst deutlich später folgten, standen ganz am Anfang spanische oder italienische Franziskaner, Dominikaner und Augustiner-Eremiten. Bald traten Jesuiten hinzu – 1541 in Südindien, 1549 in Japan, 1568 in Hispanoamerika, 1580 in China, 1581 auf den Philippinen –, nach 1632 auch Weltpriester des „Séminaire des Missions Étrangeres“ in Paris. Bekannt sind die Namen von Jesuitenmissionaren wie Petrus Claver in Hispanoamerika, Franz Xaver in Indien und in Japan, Roberto de Nobili in Indien oder Michele Ruggieri, Matteo Ricci und Johann Adam Schall von Bell in China; bekannt ist das große Martyrium in Japan – die Kreuzigung von 26 Christen, darunter mit Paul Miki der erste japanische Jesuit, 1597 in Nagasaki, die Hinrichtung von 45 Christen 1622 in Nagasaki, die hohe Zahl von Hinrichtungen von Christen 1637/38 –, bekannt auch der Ritenstreit um die sogenannte Akkommodation in China. Dabei ging es um die Übernahme chinesischer Sitten und Gebräuche zu missionarischen Zwecken einschließlich der Integration des Ahnenkultes als „Chinesischen Ritus“ in den Katholizismus, was – nachdem Paul V. 1621 die Zelebration der heiligen Messe in chinesischer Sprache erlaubt hatte – endgültig an Benedikt XIV. und seiner Bulle „Ex quo“ von 1742 scheiterte.

    Das Jahr 2017 steht für viele im Zeichen des Gedenkens an Martin Luther und an die Reformation in Deutschland. Aus dem Blick gerät dabei auf katholischer Seite nur zu oft, dass der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert große Teile Europas an die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Gemeinschaften verloren gingen. Aus dem Blick gerät dabei bisweilen aber auch, dass die Kirche unter dem Papstprimat, beginnend in dieser Zeit und seit der Reformation, außerhalb Europas ein Vielfaches hinzugewann. Das geschah im Zuge der Entdeckungsfahrten – zunächst der Portugiesen und Spanier – und der europäischen Expansion, die nicht nur zu den Kolonialreichen der Frühen Neuzeit und des imperialistischen 19. Jahrhunderts mit all ihren negativen Erscheinungen bis hin zu genozid- oder völkermordähnlichen Exzessen führte, gegen die schon im 16. Jahrhundert der erste Bischof von Coro in Venezuela, Rodrigo de Bastidas, und Dominikaner wie Francisco de Vitoria oder Bartolomé de Las Casas ihre Stimme erhoben, sondern auch zur weltweiten Ausdehnung des christlichen Glaubens in seiner katholischen Gestalt. Während die protestantischen Missionsgesellschaften – 1649 die „Society for the Propagation of the Gospel in New-England“ für die Indianermission in Nordamerika, 1709 die deutsche „Dänisch-Hallesche Missionsgesellschaft“, 1815 die „Basler Mission“ – erst deutlich später folgten, standen ganz am Anfang spanische oder italienische Franziskaner, Dominikaner und Augustiner-Eremiten. Bald traten Jesuiten hinzu – 1541 in Südindien, 1549 in Japan, 1568 in Hispanoamerika, 1580 in China, 1581 auf den Philippinen –, nach 1632 auch Weltpriester des „Séminaire des Missions Étrangeres“ in Paris. Bekannt sind die Namen von Jesuitenmissionaren wie Petrus Claver in Hispanoamerika, Franz Xaver in Indien und in Japan, Roberto de Nobili in Indien oder Michele Ruggieri, Matteo Ricci und Johann Adam Schall von Bell in China; bekannt ist das große Martyrium in Japan – die Kreuzigung von 26 Christen, darunter mit Paul Miki der erste japanische Jesuit, 1597 in Nagasaki, die Hinrichtung von 45 Christen 1622 in Nagasaki, die hohe Zahl von Hinrichtungen von Christen 1637/38 –, bekannt auch der Ritenstreit um die sogenannte Akkommodation in China. Dabei ging es um die Übernahme chinesischer Sitten und Gebräuche zu missionarischen Zwecken einschließlich der Integration des Ahnenkultes als „Chinesischen Ritus“ in den Katholizismus, was – nachdem Paul V. 1621 die Zelebration der heiligen Messe in chinesischer Sprache erlaubt hatte – endgültig an Benedikt XIV. und seiner Bulle „Ex quo“ von 1742 scheiterte.

    Klaus Schatz, selbst Jesuit und emeritierter Professor für Kirchengeschichte an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, widmet mit Alexander de Rhodes einem weiteren Jesuitenmissionar ein sehr gut recherchiertes Lebensbild, den man als Apostel Vietnams bezeichnen könnte. Geboren 1593 im päpstlichen Avignon, trat de Rhodes 1612 in Rom als Novize in die Gesellschaft Jesu ein. 1619 schiffte er sich in Lissabon ein. Das Ziel war Japan. Doch erreichte er erst nach viereinhalbjähriger Reise Macau, seit 1557 und bis 1999 portugiesische Kolonie an der chinesischen Küste, von wo aus er 1624 mit sechs anderen Jesuiten in das heutige Vietnam geschickt wurde, damals „Tonking“ für den Norden und „Cochinchina“ für den Süden genannt. Christliche Glaubensboten hatten das Land schon vor de Rhodes erreicht – wohl schon im sechsten bis neunten Jahrhundert die Nestorianer-Mission, danach im 16. Jahrhundert Dominikaner und Franziskaner und 1615 Jesuiten. Doch hatte de Rhodes, trotz vieler Rückschläge und Verfolgungssituationen, herausragende Missionserfolge – Schatz spricht vom „überreichen Erfolg der Mission in Vietnam“ –, die er nicht nur nachzeichnet, sondern auch und vor allem mit der „Eigentätigkeit vieler neu getaufter Christen“ erklärt. Gemeint ist die Heranbildung einheimischer Katechisten in einer Katechisten-Vereinigung, die Schatz zu den „drei Schöpfungen von de Rhodes“ zählt: „De Rhodes kommt das Verdienst zu, die Katechisten, die es schon seit Beginn der Vietnam-Mission gab, zu einer festen ordensähnlichen Gemeinschaft auf der Basis der drei evangelischen Räte und gebunden durch Gelübde zusammengefasst zu haben.“

    Die beiden anderen Schöpfungen waren sein 1651 in Rom gedruckter vietnamesischer Katechismus – „er unterscheidet sich fundamental von den klassischen ,gegenreformatorischen‘ Katechismen in Europa“ – und die von ihm entwickelte, als „Quôc Ngu“ bezeichnete lateinische Schrift für die vietnamesische Sprache, die – zunächst nur für den Hausgebrauch der Missionare bestimmt – im 20. Jahrhundert zur Nationalschrift Vietnams wurde. Hinzu kam de Rhodes' Umgang mit der Akkommodation, die er – anders als Ricci in China – nicht bei der kulturellen Elite ansetzte, sondern beim breiten Volk, wobei ihm entgegenkam, dass er in Vietnam nicht auf eine selbstbewusste „autozentrierte“ Kultur wie in China traf, sondern auf eine dem Fremden gegenüber offenere Kultur.

    1649 kehrte de Rhodes nach dreieinhalbjähriger Reise nach Rom zurück, unter anderem, um dort die Einsetzung von Bischöfen in Vietnam zu erreichen, womit er scheiterte. Statt nach Vietnam zurückzukehren, wurde er von dem Ordensgeneral Goswin Nickel nach Isfahan in Persien gesandt, wo er 1660 starb. Klaus Schatz hat mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Jesuitenmission geleistet.

    Klaus Schatz: „… Dass diese Mission eine der blühendsten des Ostens werde …“. Pater Alexander de Rhodes (1593–1660) und die frühe Jesuitenmission in Vietnam. Aschendorff,

    Münster 2016, 260 Seiten,

    ISBN 978-3-402-13100-8, EUR 39,80