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    Den persönlichen Lebensstil überprüfen

    Bonn/Wien (DT/KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland und Österreich haben in ihren Weihnachtspredigten die Entwicklungen an den internationalen Finanz- und Wirtschaftsmärkten kritisiert und eine Rückbesinnung auf Werte und die Grundlagen des menschlichen Miteinanders gefordert. Sie riefen zugleich dazu auf, die Krise als Chance zu nutzen und appellierten an die Christen, sich aus dem Glauben heraus aktiv für die Gesellschaft einzusetzen.

    Bonn/Wien (DT/KNA) Die katholischen Bischöfe in Deutschland und Österreich haben in ihren Weihnachtspredigten die Entwicklungen an den internationalen Finanz- und Wirtschaftsmärkten kritisiert und eine Rückbesinnung auf Werte und die Grundlagen des menschlichen Miteinanders gefordert. Sie riefen zugleich dazu auf, die Krise als Chance zu nutzen und appellierten an die Christen, sich aus dem Glauben heraus aktiv für die Gesellschaft einzusetzen.

    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg, rief angesichts gefährdeter Arbeitsplätze, Kurzarbeit in Firmen und einer befürchteten Wirtschaftskrise zur Solidarität auf. Man habe „ohne Wenn und Aber“ auf der Seite derjenigen zu stehen, deren Arbeitsplätze in Gefahr seien und die in Sorge und Anspannung lebten, sagte er am ersten Weihnachtstag im Freiburger Münster. Die eigene Wirtschaft dürfe aber nicht zu Lasten der Entwicklungshilfe und des weltweiten Klimaschutzes gehen, so Zollitsch. Der Einsatz für eine tragfähige Zukunft zeige sich dort, „wo wir in Verantwortung vor der von Gott geschaffenen Welt leben und wo die Bewahrung der Schöpfung Grundlage für alles andere Handeln ist“. Die Geburt Jesu zeige, dass es darauf ankomme, miteinander und füreinander zu leben. Nach den Worten des Erzbischofs macht es mehr als nachdenklich, wenn über Nacht zur Lösung von Finanz- und Wirtschaftsproblemen Milliardenbeträge bereitgestellt würden und anderseits die Mittel fehlten, um das Kindergeld um mehr als zehn Euro im Monat zu erhöhen oder die Bezuschussung für Kindergärten und Schulen bisher nicht in der erforderlichen Weise auszubauen. Gefragt werden müsse auch, warum es vielen so schwerfalle, jungen Menschen einen sicheren Arbeitsvertrag anzubieten, der für diese eine entscheidende Grundlage darstelle, um eine Familie zu gründen und Ja zum Kind zu sagen. Hier sei ein Umdenken in der Gesellschaft dringend notwendig.

    Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hob die Bedeutung des Weihnachtsereignisses für die Weltgeschichte hervor. Die Geburt Jesu in der Futterkrippe eines Stalles zu Bethlehem sei zum Ausgangspunkt einer Zeitrechnung geworden, die in allen Erdteilen noch nach zweitausend Jahren Gültigkeit habe, sagte der Erzbischof in der Christmette. In der Nähe eines Kindes wachse etwas wie „Geschwisterlichkeit aller zu allen“. Die Menschen sind nach den Worten des Kardinals an Weihnachten eingeladen, aus dem Geist des Kindes heraus ihr Tun zu verwandeln. Zwar seien die Christen trotz ihres Eifers und ihrer Kunst „nicht mehr als hilflose Kinder“. Dennoch seien sie fähig, den Auftrag Gottes an die Welt auszurichten. Die höchste Reife menschlicher Hingabe sei nichts anderes als „schlichtes Kindsein vor Gott“.

    Die bayerischen Bischöfe unterstrichen die politische Botschaft des Festes. Dieses stehe nicht für eine friedliche Idylle, „sondern für eine spannungsvolle Geschichte Gottes mit den Menschen“, sagte der Münchener Erzbischof Reinhard Marx in der Christmette. Gott mische sich leidenschaftlich in die Welt ein. Es gehe ihm um die Würde des Menschen, seine Bestimmung sowie um das Zusammenleben in Frieden und Gerechtigkeit. Bei der Suche nach gemeinsamen Werten gäben die christlichen Weihnachtsbotschaften die Richtung an, betonte Marx weiter. Der leidenschaftliche Kampf der Kirche für das Leben des Menschen in all seinen Dimensionen ergebe sich aus dieser Botschaft. Wie wichtig es sei, die Würde des Menschen zu wahren, werde in diesen Wochen sehr deutlich erfahren. Eine Wirtschaft, die sich nicht am Menschen orientiere und dessen Würde nicht in den Mittelpunkt stelle, zerstöre letztlich die Grundlagen des menschlichen Miteinanders, unterstrich der Erzbischof.

    Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann erinnerte daran, dass es an den Gläubigen liege, den Zauber von Weihnachten in die Welt zu tragen. Sie sollten Frieden und Gerechtigkeit zu den Menschen bringen. Blicke man auf die jüngste Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Luxemburg so müsse man mit Papst Benedikt XVI. das uneingeschränkte Ja zum menschlichen Leben ausdrücken. „Jedem Menschen ist von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod die Würde einer Person zuzuerkennen.“ Er liefere sich gleichsam an die Menschen aus. „Seine Strategie ist die Liebe.“ Nur da, wo Menschen sich diesem Anruf öffneten und – wie die Hirten auf den Feldern Bethlehems – zur Anbetung kämen, zur Anerkennung und Annahme der Liebesbotschaft Gottes, erhalte die Erlösung ein Gesicht.

    Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller stellte die Frage, ob nicht die „von sündiger Habgier herbeigeführte Finanz- und Wirtschaftskrise“ wieder einmal bewiesen habe, dass der Mensch ohne Gott und ohne das Gebot „Du sollst nicht stehlen und rauben“ am Ende nur Unheil stifte. Dabei griff er zugleich die Propagandisten eines neuen Atheismus' an. Sie bestritten die gottgeschenkte Würde des Menschchen, stellten das Grundrecht der Religionsfreiheit in Frage und predigten offen Verachtung für Menschen, die an Gott glaubten. Doch alle Versuche, mit menschlicher Vernunft ein Paradies auf Erden mit atheistischen Vorzeichen zu errichten, seien letztlich gescheitert, so Müller.

    Bambergs Erzbischof Ludwig Schick ging ebenfalls auf die Finanzkrise ein. Nicht nur die Spitzenmanager seien maßlos gewesen, sondern auch jene, die auf hohe Spekulationsgewinne gesetzt hätten oder bei Urlaub, Auto und persönlichem Konsum nach der Devise „immer mehr, immer luxuriöser, immer schneller“ lebten. Ein solcher Lebensstil könnte auf Dauer die Kluft zwischen Wohlhabenden und Bedürftigen immer breiter werden lassen, mahnte der Erzbischof. Weihnachten biete die Möglichkeit, den eigenen Lebensstil zu überprüfen. Das Fest lade ein zur Einfachheit des Lebens und zum solidarischen Miteinander.

    In Passau kritisierte Bischof Wilhelm Schraml, dass an die Stelle des Glaubens an den menschenfreundlichen Gott längst die „gnadenlose Religion des Marktes und des Konsums“ getreten sei. Geld zähle mehr als Glaubensüberzeugung, als Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit. Gegen Korruption und Gewalttätigkeit nur Gesetze zu schaffen und härter anzuwenden, ändere aber wenig, meinte der Bischof. Vielmehr bedürfe es grundsätzlicher Veränderungen in den Köpfen und Herzen der Menschen.

    In Eichstätt kritisierte Bischof Gregor Maria Hanke, sich in einer Welt des Wirtschaftsdenkens keine Schwächen leisten zu dürfen. Dadurch sei eine Suchbewegung nach Hilfe in Gang gesetzt worden, auf die die Weihnachtsbotschaft eine Antwort gebe: „Willst Du, Mensch, Anteil haben am wahren Menschsein, dann verbinde dich mit Gott.“ Dies könne aber nicht dadurch geschehen, dass jeder eine eigene religiöse Richtung finden müsse. Denn damit werde das Leistungsschema der Wirtschaft und des Konsums auf den Bereich der Religion übertragen.

    Der Augsburger Bischof Walter Mixa forderte die volle Wiederherstellung des staatlichen Rechtsschutzes für das ungeborene Leben in Deutschland. Seit mehr als 30 Jahre gebe es keinen wirklichen Rechtsschutz mehr gegen die Abtreibung ungeborener Kindern. Dagegen würden Verbrechen gegen die Umwelt oder gegen die Qualität der Lebensmittel mit schweren Strafen geahndet. Die Erfahrung aus Jahrzehnten liberaler Abtreibungspraxis habe gezeigt, dass im Bewusstsein der Menschen alles als sittlich erlaubt angesehen werde, was nicht ausdrücklich verboten sei. Dies habe die Achtung vor der Würde und der Schutzbedürftigkeit des ungeborenen Menschen schwer beschädigt. Mixa rief die Christen auf, praktische Solidarität mit Müttern in Not zu üben, „damit über 200 000 Kinder leben dürfen, die derzeit jährlich in Deutschland wegen einer sozialen Notlage abgetrieben würden“. Das Leben müsse wieder als der höchste Wert empfunden werden, wenn Deutschland Zukunft und Hoffnung haben wolle. Mixa appellierte, das menschliche Leben von der Entstehung bis zum natürlichen Ende besser zu schützen. „Der Mensch darf nicht als Mittel zum Zweck oder als bloßes Objekt wissenschaftlicher Forschung missbraucht werden.“ Deshalb seien nicht nur alle Formen der Abtreibung sittlich in höchstem Maße verwerflich. Gleiches gelte auch für alle Methoden der künstlichen Befruchtung oder des sogenannten therapeutischen Klonens, bei denen die Tötung von menschlichen Embryonen bewusst in Kauf genommen oder gar gewollt werde.

    Zu aktiver Mitmenschlichkeit rief der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker auf. „Weihnachten ist nicht Stimmung, sondern Auftrag“, sagte er am Donnerstag im Paderborner Dom. Der als Kind in der Krippe liegende Jesus verlange „schlichte Menschlichkeit“. Gott sei nicht „in einem Höhenflug des Geistes“ und in „immer abstrakteren und geistreicheren Windungen und Verrenkungen“ zu finden, fügte der Erzbischof hinzu. „Von den Höhen des Geistes müssen wir zurückkehren in die Normalität und auch in die Kümmerlichkeit des Alltags und der ganz kleinen Leute.“

    Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff verurteilte Ausländerhass und Rechtsradikalismus. „Wir wollen keine Gewalt, keiner soll bei uns Angst haben müssen“, sagte er an Heiligabend im Aachener Dom. Anlass war ein Neonazi-Aufmarsch am Mittwochmorgen in der Innenstadt. „Solche Demonstrationen wollen wir nicht, nicht in Aachen, nicht in Stolberg, nicht in Düren“, so Mussinghoff.

    Der designierte Oberhirte von Münster Bischof Felix Genn sagte im Essener Dom: „Ich möchte Sie gewinnen, zu Menschen zu werden, die froh sind, Gottes Eigentum zu sein, zu den Seinen zu gehören“. Trotz aller Betriebsamkeit, Sorgen und Hektik sollten die Menschen dafür sorgen, dass die Weihnachtsbotschaft ihre „explosive Kraft entfalten kann“. Er wandte sich gegen den Vorwurf, die Kirche ziehe sich hierzulande zurück. Ursache für einen registrierbaren Rückgang könne auch sein, dass die Menschen sich von der christlichen Botschaft nicht mehr so berühren ließen wie früher.

    Der emeritierte münsterische Bischof Reinhard Lettmann rief die Christen zu Weihnachten zu sozialem Engagement auf. Sie sollten sich bemühen, „bei uns und in aller Welt Verhältnisse zu schaffen, in denen alle Menschen ihrer Würde entsprechend leben können“. Das Weihnachtsfest entführe die Menschen nicht in eine Traumwelt. Stall und Krippe erinnerten vielmehr „an die harte Wirklichkeit des Lebens“.

    Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sprach sich dagegen aus, das Weihnachtsfest auf eine „kuschelige Atmosphäre“ zu beschränken. Weil Gott als „Licht in die Finsternis“ gekommen sei, dürfe man auch heute nicht die vielen Menschen vergessen, die „in der Finsternis leben und nach Gerechtigkeit hungern“. Die Menschen seien sind nicht allein auf diese Welt verwiesen, das würde sie „doch im letzten sehr einsam machen.“ Gott antworte dem Menschen nicht mit dem Verstand des Menschen. Er handele in einem Kind. Die weihnachtliche Botschaft sei wirklich ein Grund zur Freude. „Es lohnt sich, Mensch zu sein“, so Lehmann.

    Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann rief die Christen zu mehr Optimismus auf. Finanzkrise, drohende Rezession und der wachsende Gegensatz zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft wirkten belastend und verunsicherten, sagte er in der Christmette. Weihnachten aber sei das Fest der Freude und der Lebensbejahung gegen alle Bedenken und Einsprüche, fügte der Bischof hinzu. „Ahnen es unsere Zeitgenossen, dass sie, wenn sie den Glauben verlieren, auch den innersten Grund zur Lebensfreude einbüßen?“ Wer an Christus glaube, sage Ja zum Leben gegen alle Einsprüche dieser Welt, er wage die Zukunft gegen alle Schwarzmaler und Angstmacher.

    Eine „elementare Gottvergessenheit“ beklagte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seiner Weihnachtsansprache. Wer aufhöre, Gott zu ehren, fange schließlich an, ihn zu spielen, sagte Algermissen im Fuldaer Dom. Das aber sei ein böses Spiel, das an die Substanz gehe, so der Bischof unter Hinweis auf bestimmte Entwicklungen in der Stammzell-Forschung. Eindringlich warnte Algermissen vor einer „neuheidnischen Vergleichgültigung“ des einzelnen Menschen und seiner Würde. Am Anfang und am Ende des Lebens sei man damit bereits kräftig dabei. Wo aber alles gleich gültig sei, werde eben auch alles gleichgültig, egal.

    Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst rief dazu auf, die gegenwärtige Wirtschaftskrise als Chance zu sehen. Weihnachten 2008 sei anders, „weil viele Menschen seit einigen Wochen die Sorge bedrängt, dass noch mehr Lichter ausgehen könnten: in den Fabriken und Finanzzentren, in den Betrieben und Banken“, sagte er am Donnerstag in seiner Predigt im Limburger Dom. Krisenzeiten könnten jedoch auch zu „Wendezeiten“ werden, wenn sie „Gott anvertraut werden und wenn wir Menschen Gott dazwischenkommen lassen“. So fange Weihnachten an. Der Bischof verwies auf einen Rückgang bei der Weihnachtsbeleuchtung in Städten und an Häusern. „Die glitzernde Verzauberung scheint einer nüchternden Einschätzung gewichen zu sein.“

    Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen forderte eine „Globalisierung der Nächstenliebe“. Zur Stärkung der Wirtschaft würden jetzt Milliarden eingesetzt, sagte Thissen im Hamburger Mariendom. „Aber nicht vorhanden waren sie und sind sie für den Kampf gegen den tausendfachen täglichen Hungertod im Süden der Erde“.

    Für den Rottenburger Bischof Gebhard Fürst zeigt die Finanz- und Wirtschaftskrise die Konsequenzen eines falschen Menschenbildes auf. Es sei bezeichnend, dass vorrangig von der Rettung der Banken und der Industrien die Rede sei, wenn heute von Rettung gesprochen werde, so Fürst. Wie selten zuvor sähen sich die Menschen an diesem Weihnachtsfest vor die Alternative gestellt: „Gott oder der Mammon?“

    Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle kritisierte ebenfalls die Gier der Finanz- und Wirtschaftsmärkte. Zu viele Menschen lebten nach der Devise: „Lasst uns reich und immer reicher werden, auch wenn dadurch andere immer ärmer werden“. Ein Tausch, der nur noch das Ziel habe, den größtmöglichen Gewinn auf Kosten anderer zu machen, zerstöre jedoch jedes menschliche Zusammenleben.

    Die Bischöfe in Sachsen hoben den unverwechselbaren Charakter der Weihnachtsbotschaft hervor. Das Fest verkünde nicht „die altbekannten Nachrichten von Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus und der Piraterie, nicht die Milliardenprogramme zur Unterstützung der Wirtschaft, auch die nicht die Gesetze zur Stabilisierung der inneren Sicherheit“, sagte der Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa am Donnerstag in der Neißestadt. Weihnachten verkünde „die Frohe Botschaft von Christi Geburt in unserer Mitte“. Der Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, erklärte, das Weihnachtsfest markiere einen geschichtlichen Wendepunkt. Es sei ein Appell an alle Menschen, die Zerstörung der Schöpfung und die Feindschaft untereinander zu beenden.

    Ein „klares Bekenntnis zum Leben“ forderte der Trierer Diözesanadministrator Weihbischof Robert Brahm in seiner Weihnachtsansprache gefordert. Gott habe mit seiner Geburt in der Krippe Ja gesagt zu dieser Welt. Ausdrücklich wandte er sich gegen eine sogenannte aktive Sterbehilfe. Sie biete keine Antwort auf all die bohrenden Fragen, die todkranke Menschen und ihre Angehörigen umtrieben.

    Die Heilige Nacht sei anders als andere Nächte, sagte der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser in seiner Weihnachtspredigt. Es sei die Nacht, die die Situation der Menschheit von Grund auf verändert hat, „denn durch die Menschwerdung und Geburt des Sohnes Gottes in Betlehem im Lande Juda hat sich Gott endgültig mit der Menschheit und mit jedem einzelnen Menschen, der über diese Erde geht, verbunden. In einer Zeit vielfacher Unsicherheit ist diese Gewissheit unendlich wertvoll.“ Bischof Egon Kapellari nannte Weihnachten „ein Fest gegen den Stolz, ein Fest gegen die Kälte und gegen die Finsternis in fremden Herzen und im eigenen Herzen“. Quelle des Lichtes sei „ein Kind, von dem der christliche Glaube sagt, dass es der Mensch gewordene Sohn Gottes ist“. Die Weihnachtsbotschaft wirke seit 2000 Jahren wie Sauerteig in der Welt: „Diese Botschaft ist wehrlos und viele Male scheinbar auch erfolglos. Und doch findet sie immer wieder Einlass in das Denken, Fühlen und Tun von Menschen, die guten Willens sind. Wenn das geschieht, dann gibt es Frieden.“ Mindestens entstünden Inseln des Friedens in einer Welt, wo „der Mensch dem Menschen so oft zum Wolf wird durch Hass, Krieg oder Terror“.

    Gott komme nicht als Fordernder, sondern „als kleines Kind, wehrlos, demütig, zur Liebe einladend“, erklärte der Bischof von St. Pölten, Klaus Küng. Liebe sei das Merkmal seines ganzen Lebens. Jesus sei aus Liebe zu den Menschen für die Wahrheit eingetreten, auch wenn dies Widerspruch auslöste. „Wenn wir möchten, dass das Licht, das wir von der Weihnacht her empfangen, in uns wächst und bleibt, dann müssen wir uns Gott zuwenden, insbesondere dem Mensch gewordenen Gott und seine Stimme hören“, so Küng. Denn für die Erfahrung von Weihnachten sei es wichtig, auf Gottes Stimme zu hören und um Nächstenliebe bemüht zu sein. Wenn man das Weihnachtsfest ernst nehme, werde sich „Friede in unseren Herzen und in unserer Umgebung ausbreiten“.

    Bei „all den persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir als Einzelne und als Gesellschaft zu bestehen haben“, biete die Weihnachtsbotschaft Orientierung und Halt, sagte Kärntens Diözesanbischof Alois Schwarz in seiner Weihnachtspredigt im Klagenfurter Dom. Auch in Zeiten von „zusammenstürzenden Finanzmärkten, einer drohenden Wirtschaftskrise mit steigender Arbeitslosigkeit und von zahlreichen Zukunftssorgen“ sei das Weihnachtsfest eine Chance, „nicht nur für anderes, sondern auch dafür, anders zu leben und zu erleben“.

    Das Kind in Bethlehem gebe ein Gefühl der Achtung, „es lässt uns spüren, dass wir einen Wert haben“, unterstrich der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer in einem Wort zur Weihnacht: „Gott tritt in eine menschliche Beziehung zu uns und zwar mit unseren Licht- und Schattenseiten, mit unserem Wohlwollen und mit unserer Gemeinheit, mit der Liebesfähigkeit und mit der Kälte und Gleichgültigkeit, mit unserer Zärtlichkeit und mit unserer Aggression und Gewaltbereitschaft.“ Im Kind von Bethlehem sage Gott zu uns Menschen: Ich bin nicht Rivale, nicht Konkurrent.

    Anlässlich des Paulus-Jahres brachte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, in seiner Predigt zum Stephanitag Stephanus und Paulus in Verbindung. Drei Elemente waren es, so Kardinal Schönborn, die Saulus an Stephanus bewegt und erschüttert haben: Dass er „so ein strahlender Mensch“ war, dass er gescheit war und dass er seinen Mördern verzieh. „Vielleicht ist es das, was Saulus am tiefsten getroffen hat: Stephanus betet sterbend zu Jesus, zu dem Jesus, den Saulus verfolgt: ,Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.‘ Dieses Gebet hat bewirkt und bereitet, dass Saulus die Gnade der Bekehrung empfangen konnte. Ohne Stephanus gäbe es keinen Paulus!“, erklärte Kardinal Schönborn.