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    Den Opfern soll Gerechtigkeit und Hilfe zuteil werden

    Mariazell (DT) Traditionen kann und soll man nicht nur pflegen, sondern auch neu begründen. Das demonstrierten Österreichs Bischöfe, die im traditionsreichsten Wallfahrtsort des Donauraumes, im steirischen Mariazell, seit einigen Jahren regelmäßig ihre Sommervollversammlung abhalten. Hier, wo die „Magna Mater Austriae“ seit jeher von den Ungarn als „Magna Domina Hungarorum“ und von den slawischen Völkern der einstigen Habsburger-Monarchie als „Magna Mater Gentium Slavorum“ verehrt wird, tagte die Österreichische Bischofskonferenz bereits gemeinsam mit der ungarischen, später mit der kroatischen und seit Montag nun erstmals gemeinsam mit der zahlenmäßig kleinen Bischofskonferenz Sloweniens. Als Ortsbischof begrüßte Egon Kapellari die slowenischen und österreichischen Gäste zur Festmesse in der Basilika, an einem „Ort, an dem sich der Himmel seit Generationen als offen erwiesen hat“.

    Mariazell (DT) Traditionen kann und soll man nicht nur pflegen, sondern auch neu begründen. Das demonstrierten Österreichs Bischöfe, die im traditionsreichsten Wallfahrtsort des Donauraumes, im steirischen Mariazell, seit einigen Jahren regelmäßig ihre Sommervollversammlung abhalten. Hier, wo die „Magna Mater Austriae“ seit jeher von den Ungarn als „Magna Domina Hungarorum“ und von den slawischen Völkern der einstigen Habsburger-Monarchie als „Magna Mater Gentium Slavorum“ verehrt wird, tagte die Österreichische Bischofskonferenz bereits gemeinsam mit der ungarischen, später mit der kroatischen und seit Montag nun erstmals gemeinsam mit der zahlenmäßig kleinen Bischofskonferenz Sloweniens. Als Ortsbischof begrüßte Egon Kapellari die slowenischen und österreichischen Gäste zur Festmesse in der Basilika, an einem „Ort, an dem sich der Himmel seit Generationen als offen erwiesen hat“.

    Die Vorsitzenden der beiden Bischofskonferenzen, die Erzbischöfe von Wien und Ljubljana (Laibach), Kardinal Christoph Schönborn und Erzbischof Anton Stres, präsentierten am Mittwochnachmittag in Mariazell die Ergebnisse ihrer Beratungen. Nach Angaben von Kardinal Schönborn war das zentrale Thema der Bischofskonferenz der Missbrauch im kirchlichen Umfeld. „Nur die Wahrheit hilft in einer so schmerzlichen Situation. Es geht um die Opfer und um die Ermutigung an die Opfer, über das Geschehene zu sprechen“, sagte Schönborn wörtlich. „Es muss die Mauer des Schweigens durchbrochen werden.“ Der Kardinal betonte, dass die Bischöfe „die betroffenen Menschen und Gott selber um Vergebung bitten, für das, was geschehen ist“. Das primäre Ziel sei es nun, „den Opfern Gerechtigkeit und Hilfe zuteil werden zu lassen“. Diese Arbeit besser zu koordinieren und gemeinsame Standards zu installieren, sei die Herausforderung der vergangenen Wochen gewesen.

    Von Geld sprach man nicht

    Am Dienstag dieser Woche wurde von den Bischöfen eine „Stiftung Opferschutz“ errichtet, die die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung stellt und Opfern rasch und unbürokratisch helfen soll. Geldbeträge wollte der Kardinal nicht nennen, doch werde sich die Kirche an das halten, was die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft unter dem Vorsitz der früheren steirischen Ministerpräsidentin Waltraud Klasnic empfiehlt. Es handle sich um freiwillige Vorleistungen, die nicht aus Kirchensteuermitteln finanziert würden. Es sei angemessen, dass Opfern in geeigneter Weise Wiedergutmachung geschieht. „Wir werden uns sicher nicht an Wünschen von Rechtsanwälten orientieren“, sagte Schönborn in Anspielung auf einen Wiener Anwalt, der am Vortag Summen von bis zu 130 000 Euro je Opfer gefordert hatte. Die Stiftung werde zur Hälfte von den Diözesen und den Orden dotiert. Der Opferschutzanwaltschaft bescheinigte Schönborn, schnell und effizient zu helfen. Es habe bereits Geld für Therapien für Opfer gegeben.

    Sexueller Missbrauch und Gewalt seien „dunkle Seiten in der ganzen Gesellschaft“, betonte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz. Es dürfe deshalb keine Pauschalverdächtigungen gegen Priester geben, denn die meisten Fälle ereigneten sich im familiären Umfeld. Schönborn bestätigte auf Nachfragen bei der Pressekonferenz, die Kirche werde den Wunsch von Opfern respektieren, wenn diese ausdrücklich keine Anzeige wünschen, doch werde man immer auch Anzeigen empfehlen.

    Die Kirche hoffe, dass mit dem neuen Maßnahmenkatalog der Missbrauch weitgehend vermieden und verhindert werden kann, betonte Schönborn. Die Kirchenaustritte seien seit Anfang Februar sehr stark angestiegen. Es gebe aber auch „eine starke und bezeichnende Rückbewegung zur Kirche“. Der derzeitige Vorgang sei „ein Prozess der Reinigung: Es ist schmerzlich, aber es ist auch eine Reinigung, für die ich dankbar bin“. Es sei international beachtet worden, „dass wir in Österreich einen sehr entschiedenen Weg gegangen sind“, meinte der Kardinal. Es gebe über die Kirche hinaus „einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, der durchaus noch weitere Schritte verträgt“, meinte Schönborn.

    Der Laibacher Erzbischof Anton Stres zeigte sich „froh, dass Slowenien seit 2004 Mitglied der Europäischen Union ist und die Bischofskonferenzen noch stärker zusammenarbeiten“. Die Situation der Kirche in Slowenien und Österreich sei ziemlich verschieden, weil die Rolle der Kirche verfassungsmäßig und gesetzlich unterschiedlich sei. Angesprochen wurden in den Beratungen der beiden Bischofskonferenzen die Situation in den Schulen und im Religionsunterricht, die fremdsprachige Seelsorge und die Situation der slowenischen Volksgruppe in Österreich.

    Von Stephan Baier