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    Das neue „Gesicht“ der Kirche Italiens

    Rom (DT) Mit der Ernennung des bisherigen Generalvikars der Diözese Mailand zum neuen Erzbischof und damit zum Nachfolger des 75 Jahre alten Kardinals Angelo Scola hat die katholische Kirche Italiens nun endgültig ein neues Gesicht erhalten. Der 66 Jahre alte Mario Delpini, der noch unter Kardinal Dionigi Tettamanzi, dem Vorgänger von Scola, 2007 Weihbischof des ambrosianischen Bistums geworden war, hatte 2012 das Amt des Generalvikars einer der größten Diözesen der Welt übernommen.

    Der designierte Erzbischof von Mailand, Mario Delpini. Foto: IN

    Rom (DT) Mit der Ernennung des bisherigen Generalvikars der Diözese Mailand zum neuen Erzbischof und damit zum Nachfolger des 75 Jahre alten Kardinals Angelo Scola hat die katholische Kirche Italiens nun endgültig ein neues Gesicht erhalten. Der 66 Jahre alte Mario Delpini, der noch unter Kardinal Dionigi Tettamanzi, dem Vorgänger von Scola, 2007 Weihbischof des ambrosianischen Bistums geworden war, hatte 2012 das Amt des Generalvikars einer der größten Diözesen der Welt übernommen.

    Seine Wahl durch Papst Franziskus ist zum einen ein Ausdruck der Kontinuität. Delpini war nicht nur ein enger Mitarbeiter der Kardinäle Scola und Tettamanzi, sondern auch von deren Vorgänger Carlo Maria Martini, unter dem er 2000 Rektor der Priesterausbildung der Diözese in Venegono wurde. Zum anderen stellt es eine Neuheit dar, dass nun wieder ein Mann der eigenen Diözese auf den Bischofsstuhl des heiligen Ambrosius rückt. Von seiner Seminarszeit und Priesterweihe an hatte Delpini immer in der Diözese Mailand gewirkt. Er zählt weder wie Martini oder Scola zu den großen Theologen Italiens, noch hat er, wie Tettamanzi und nochmals Scola, vorher eine andere italienische Diözese geleitet. Eine „Hausberufung“ also – und ein Mann, dem man nachsagt, spirituell, bescheiden, fleißig und sehr vertraut im Umgang mit den Priestern der Diözese zu sein. Bis jetzt wohnte er in der „Casa del Clero“, einem Haus der Diözese für alte Priester. Und mit dem Fahrrad fuhr er von dort zur Arbeit im Generalvikariat.

    Mit der Berufung Delpinis auf den angesehenen Bischofsposten in Mailand – sein Amt wird er wohl im September antreten –, ist ein Generationenwechsel auf drei Stühlen abgeschlossen, die die Kirche Italiens prägen, in der Regel mit der Kardinalswürde und in besonderer Weise dem Papst, dem Primas Italiens, verbunden sind: Ende Mai hatte Franziskus seinen „Statthalter“ in der Diözese Rom ausgetauscht und den bisherigen Weihbischof Angelo De Donatis, 63 Jahre alt, zum Nachfolger des bisherigen Kardinalvikars Agostino Vallini gemacht. Zur gleichen Zeit entschied sich auch die Wahl des neuen Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz. Es war der Genueser Kardinal Angelo Bagnasco, der selber den Namen dessen bekannt gab, der ihm als Konferenzvorsitzender nachfolgt: der Erzbischof von Perugia, Gualtiero Bassetti, von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt, obwohl er keiner Diözese vorsteht, die traditionell mit der Kardinalswürde verbunden ist. Der 75 Jahre alte Bassetti wird nun wohl für fünf Jahre dieses Amt ausüben und in dieser Zeit auch Erzbischof von Perugia bleiben.

    Allen drei Ernennungen waren ausführliche Konsultationen vorangegangen. Und Franziskus ist den Ergebnissen dieser Konsultationen in allen drei Fällen gefolgt – der Papst hat keine „eigenen Kandidaten“ für diese drei Schlüsselpositionen ausgesucht. Im Falle des römischen Vikars des Papstes waren es um die vierhundert Eingaben aus den römischen Pfarreien, vor allem von den Pfarrern der Stadt. Die meisten gingen direkt in das Appartement des Papstes in Santa Marta, wo Franziskus in Zusammenarbeit mit der Bischofskongregation den Inhalt der doppelt versiegelten Umschläge prüfte. Dass die Voten mehrheitlich auf De Donatis fielen, dürfte sehr wahrscheinlich sein, denn der als charismatisch geltende Priester ist beim römischen Klerus sehr beliebt. Als Kardinal Vallini vor zwei Jahren beim Diözesankonvent die Entscheidung des Papstes bekannt gab, De Donatis zum Bischof zu weihen und zum Weihbischof für Rom zu ernennen, antworteten die anwesenden Pfarrer mit kräftigem Applaus.

    Zuvor hatte De Donatis die Fastenexerzitien der römischen Kurie mit Franziskus in Ariccia gehalten. Bei der Bischofsweihe des aus Apulien stammenden Priesters am 9. November 2015 vertraute ihm Franziskus ausdrücklich die Sorge für den römischen Klerus an, für die Priester, Diakone und Seminaristen. Schon in seiner Zeit als Pfarrer einer im Herzen der römischen Altstadt gelegenen Kirche war De Donatis zu einem geistlichen Begleiter vieler Priester der Diözese geworden. Er wirkte auch als Leiter des Kleriker-Büros im Vikariat Roms und war Spiritual des Päpstlichen Seminars „Romano Maggiore“. Papst Franziskus hatte zu Beginn der Kandidatensuche vor den Leitern des römischen Vikariats erklärt, er suche als Nachfolger für Kardinal Vallini „einen guten Priester“ – und den hat er jetzt bekommen. Der Wechsel von Vallini zum neuen Vikar für die Diözese Rom fand am vergangenen Hochfest Peter und Paul statt.

    Auch im Falle des neuen Konferenzvorsitzenden Italiens ist Franziskus einem Mehrheitsvotum gefolgt. Dieses war wiederum das Ergebnis eines Kompromisses. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Papst Franziskus den italienischen Bischöfen angeboten, wie in anderen Bischofskonferenzen üblich, den Vorsitzenden selber zu wählen. Zu kompliziert, war die Meinung im italienischen Episkopat, und man einigte sich mit Franziskus auf den Modus, dass die Bischöfe in einem internen Sondierungsverfahren eine Dreierliste erstellen, anhand der der Papst den neuen Vorsitzenden bestimmt. Auf der Liste standen am Ende zwei Erzbischöfe, die Franziskus selber etwas überraschend zu Kardinälen ernannt hatte, Bassetti und Francesco Montenegro von Agrigent, der „Flüchtlingsbischof“ Italiens, sowie der Bischof von Novara, Franco Giulio Brambilla, eine Ernennung von Benedikt XVI. Bassetti war der bestplatzierte und für ihn hat sich der Papst entschieden. Ob dieser in den fünf Jahren seiner Amtszeit besondere Schwerpunkte setzen wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass er jetzt der direkte Ansprechpartner des Papstes sein wird. Unter dem Konferenzvorsitzenden Kardinal Angelo Bagnasco war das bisher eher der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Nuntio Galantino, der etwa in den Fragen der Flüchtlingspolitik ganz die Meinung von Franziskus vertrat.

    Kardinal Bassetti erhielt seinen ersten Bischofssitz noch von Johannes Paul II., Benedikt XVI. machte ihn dann im Sommer 2009 zum Erzbischof von Perugia. Bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer Konferenzvorsitzender legte Bassetti ein Bekenntnis zu „Amoris laetitia“ ab, es sei ein „Meisterwerk“ von Papst Franziskus, kein Dokument, über das man verschiedener Meinungen sein könne, sondern „Lehramt“. Der Papst spreche darin, so der Kardinal, „nicht von der Zulassung zu den Sakramenten, sondern er spreche von der Unterscheidung, über die Bewertung der wirklichen Situation eines Paares, darüber, einen Weg zu beginnen, auch, wenn nötig, einen Weg der Buße, und dann müsse man sehen, wie die Dinge stehen.“

    Alle drei Ernennungen, die von Rom, die an der Spitze der Bischofskonferenz und nun die in Mailand, verbinden Kontinuität mit einem stark pastoralen Profil und einem bescheidenen Lebensstil. Es sind eher wahre „Hirten“ als große „Gelehrte“ – auf jeden Fall aber solche, die ganz im Sinne von Franziskus „den Geruch ihrer Herde“ haben.