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    „Das liebevollste Antlitz der Kirche“

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Maria, Mutter der Kirche: Schutzmanteldarstellung (Fresko) in Enanger in Schweden. Foto: KNA

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Bei den vorhergehenden Katechesen hatten wir mehrfach Gelegenheit hervorzuheben, dass man nicht von sich aus, das heißt aus eigener Kraft, auf eigenständige Weise, Christ wird, dass man auch nicht in einem Labor Christ wird, sondern dass man innerhalb dieses großen Leibes, den die Kirche darstellt, hervorgebracht und im Glauben großgezogen wird. In diesem Sinne ist die Kirche wirklich eine Mutter, unsere Mutter Kirche – es ist schön, es auf diese Weise auszudrücken: unsere Mutter Kirche –, eine Mutter, die uns in Christus Leben schenkt und uns mit allen anderen Brüdern und Schwestern in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes leben lässt.

    1. Bei dieser ihrer Mutterschaft hat die Kirche die Jungfrau Maria als Vorbild, das schönste und höchste Vorbild, das es geben kann. Das haben bereits die ersten christlichen Gemeinden hervorgehoben und das Zweite Vatikanische Konzil hat dies auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht (vgl. Lumen gentium, 63–64). Die Mutterschaft Marias ist gewiss einzigartig, etwas Besonderes, und sie hat sich in der Fülle der Zeiten ereignet, als die Jungfrau den Sohn Gottes geboren hat, den sie durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hatte. Die Mutterschaft der Kirche stellt gewissermaßen als Verlängerung in der Geschichte die Fortdauer der Mutterschaft Marias dar. In der Fruchtbarkeit des Geistes bringt die Kirche weither neue Kinder in Christus hervor, immer im Hören auf das Wort Gottes und im Gehorsam gegenüber seinem Plan der Liebe.

    Die Kirche ist Mutter. Die Geburt Jesu aus dem Schoß Marias ist der Auftakt für die Geburt eines jeden Christen im Schoß der Kirche. Christus nämlich ist der Erstgeborene einer Vielzahl von Brüdern und Schwestern (vgl. Röm 8, 29), und unser erster Bruder Jesus ist von Maria geboren worden, sie ist das Vorbild, und wir alle sind in der Kirche geboren. So verstehen wir, wie tief die Beziehung ist, die Maria und die Kirche vereint: Wenn wir auf Maria schauen, entdecken wir das schönste und liebevollste Antlitz der Kirche; und wenn wir auf die Kirche schauen, erkennen wir die erhabenen Züge Marias. Wir Christen sind keine Waisen, wir haben eine Mutter, wir haben eine Mutter, und das ist etwas Großartiges! Wir sind keine Waisen! Die Kirche ist Mutter, Maria ist Mutter.

    2. Die Kirche ist unsere Mutter, weil sie uns in der Taufe hervorgebracht hat. Jedes Mal, wenn wir ein Kind taufen, wird es Kind der Kirche, tritt es ein in die Kirche. Und von jenem Tag an lässt sie uns wie eine fürsorgliche Mutter im Glauben wachsen und zeigt uns kraft des Wortes Gottes den Weg des Heils und bewahrt uns vor dem Bösen.

    Die Kirche hat von Jesus den kostbaren Schatz des Evangeliums nicht empfangen, um ihn für sich zu behalten, sondern um ihn großherzig den Anderen zu schenken, wie eine Mutter. In diesem Dienst der Evangelisierung zeigt sich auf besondere Weise die Mutterschaft der Kirche, die wie eine Mutter bemüht ist, ihren Kindern die geistliche Nahrung anzubieten, die das christliche Leben stärkt und Frucht tragen lässt. Alle sind wir daher berufen, das Wort Gottes, das die Kirche jeden Tag verbreitet, mit offenem Geist und offenem Herzen anzunehmen, weil dieses Wort die Fähigkeit besitzt, uns von innen her zu verändern. Nur das Wort Gottes besitzt diese Fähigkeit, uns von innen her, von unseren tiefsten Wurzeln aus zu verändern. Das Wort Gottes hat diese Kraft. Und wer gibt uns das Wort Gottes? Die Mutter Kirche. Als Kinder stillt sie uns mit diesem Wort, während unseres ganzen Lebens stärkt sie uns mit diesem Wort, und das ist etwas Großartiges! Es ist gerade die Mutter Kirche, die uns mit dem Wort Gottes von innen her verändert. Das Wort Gottes, das die Mutter Kirche uns gibt, verwandelt uns, es macht unsere Menschlichkeit nicht in Bezug auf den weltlichen Leib, sondern auf den Geist lebendig.

    In ihrer mütterlichen Fürsorge bemüht sich die Kirche, den Gläubigen den Weg zu zeigen, dem sie folgen müssen, um ein Leben zu führen, das ergiebig an Freude und Frieden ist. Erleuchtet vom Licht des Evangeliums und unterstützt durch die Gnade der Sakramente, besonders der Eucharistie, können wir unsere Entscheidungen nach dem Guten ausrichten und mit Mut und Hoffnung die dunklen Momente und verschlungensten Wege meistern. Der Weg des Heils, auf dem uns die Kirche mit der Kraft des Evangeliums und der Hilfe der Sakramente führt und begleitet, verleiht uns die Fähigkeit, uns gegen das Böse zu wehren. Die Kirche hat den Mut einer Mutter, die weiß, dass sie ihre Kinder vor den Gefahren schützen muss, die aus der Gegenwart Satans in der Welt rühren, um sie zur Begegnung mit Jesus zu führen. Eine Mutter beschützt ihre Kinder immer. Dieser Schutz besteht auch darin, zur Wachsamkeit zu mahnen: der Wachsamkeit gegen den Trug und die Verführung des Teufels. Denn auch wenn Gott den Teufel besiegt hat, kehrt er immer mit seinen Versuchungen zurück; wir wissen das, wir alle werden versucht, wir sind versucht worden und wir werden versucht. Der Teufel kommt „wie ein brüllender Löwe“ (1 Petr 5, 8), sagt der Apostel Petrus, und es liegt an uns, nicht leichtgläubig zu sein, sondern wachsam und fest im Glauben zu bleiben. Zu widerstehen mit den Ratschlägen der Mutter Kirche, zu widerstehen mit der Hilfe der Mutter Kirche, die wie eine gute Mutter ihre Kinder in schwierigen Momenten immer begleitet.

    3. Liebe Freunde, das ist die Kirche, das ist die Kirche, die wir alle lieben, das ist die Kirche, die ich liebe: eine Mutter, der das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und die fähig ist, ihr Leben für sie hinzugeben. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass nicht nur die Priester oder wir Bischöfe die Kirche sind, nein, wie alle sind die Kirche! Wir alle sind die Kirche! Einverstanden? Und auch wir sind Kinder – aber auch Mütter anderer Christen. Alle Getauften, Männer und Frauen, wir alle gemeinsam sind die Kirche. Wie oft in unserem Leben geschieht es, dass wir nicht Zeugnis für diese Mutterschaft der Kirche, für diesen mütterlichen Mut der Kirche ablegen! Wie oft sind wir feige! Vertrauen wir uns also Maria an, auf dass sie uns, als Mutter unseres erstgeborenen Bruders Jesus, beibringen möge, ihre mütterlichen Gefühle gegenüber unseren Brüdern und Schwestern zu haben, mit der aufrichtigen Fähigkeit anzunehmen, zu vergeben, Kraft zu schenken und Vertrauen und Hoffnung einzuflößen. Das ist es, was eine Mutter tut.

    Ein Sprecher verlas folgenden Gruß des Papstes an die Gäste aus dem deutschen Sprachraum:

    Von Herzen heiße ich die deutschsprachigen Pilger und Besucher willkommen. Besonders grüße ich heute die Stipendiaten des „Katholischen Akademischen Ausländer-Dienstes“ der Deutschen Bischofskonferenz. Wie einer Mutter liegt der Kirche das Wohl ihrer Kinder am Herzen. Uns fällt es zu, in unserem Leben ihre mütterliche Sorge und ihren Mut einer Mutter zu bezeugen. Der Heilige Geist stärke euch im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller