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    Das ganze Herz an Gott gehängt

    Augsburg (DT) Mit einem großen Pontifikalgottesdienst im Dom sowie einem Festakt im Goldenen Saal des Rathauses haben am 26. April die Feierlichkeiten anlässlich des 750-jährigen Bestehens der Franziskanerinnen von Maria Stern in Augsburg ihren Höhepunkt erreicht. In seiner Predigt erinnerte Bischof Walter Mixa an die Bedeutung und bleibende Aktualität der Gestalt des heiligen Franziskus von Assisi. In Anlehnung an dessen Ordensregeln hätten es die Schwestern verstanden, kritisch die Geister der Zeiten zu unterscheiden und so den Blick auf das Wesentliche zu schärfen, aber auch das Herz ganz konzentriert an Gott zu hängen, um schließlich in Wort und Tat den Menschen die frohmachende Botschaft zu bringen. Dies gälte nicht nur für die Vergangenheit, sondern ebenso für Gegenwart und Zukunft.

    Augsburg (DT) Mit einem großen Pontifikalgottesdienst im Dom sowie einem Festakt im Goldenen Saal des Rathauses haben am 26. April die Feierlichkeiten anlässlich des 750-jährigen Bestehens der Franziskanerinnen von Maria Stern in Augsburg ihren Höhepunkt erreicht. In seiner Predigt erinnerte Bischof Walter Mixa an die Bedeutung und bleibende Aktualität der Gestalt des heiligen Franziskus von Assisi. In Anlehnung an dessen Ordensregeln hätten es die Schwestern verstanden, kritisch die Geister der Zeiten zu unterscheiden und so den Blick auf das Wesentliche zu schärfen, aber auch das Herz ganz konzentriert an Gott zu hängen, um schließlich in Wort und Tat den Menschen die frohmachende Botschaft zu bringen. Dies gälte nicht nur für die Vergangenheit, sondern ebenso für Gegenwart und Zukunft.

    Von weltlicher Seite wurde den Schwestern beim anschließenden Festakt von Oberbürgermeister Paul Wengert Dank und Wertschätzung entgegengebracht. Das Kloster mit seinem markanten Zwiebeltürmchen und Stern sei, so Wengert, nicht nur in architektonischer Hinsicht ein Vorbild für die Zwiebeltürme des Rathauses geworden „als bis heute sichtbares Symbol einer über die Jahrhunderte bewährten Verbundenheit zwischen Augsburg und einem der ältesten Klöster unserer Stadt“. Vielmehr, fuhr Wengert fort, hätten es die Schwestern verstanden, Standorttreue mit Innovationsgeist zu verbinden: „Den Wandel der Lebensumstände, die die Jahrhunderte mit sich brachten, haben die Sternschwestern nie als passive Zaungäste betrachtet, sondern Antworten im Geistes des heiligen Franziskus gesucht und durch ihren aktiven Beitrag Not gelindert, Fortschritt ermöglicht, und Offenheit gelebt.“

    Generaloberin Schwester Theophila Kilgenstein dankte den zahlreichen Spendern, die auf diese Weise einen Beitrag zur nun renovierten Klosterkirche geleistet hätten. Den Festvortrag hielt Professor Franz Sedlmeier zum Thema „Auf verlässlichem Grund – Leben aus der Kraft des Wortes“. Die verschiedenen Wortbeiträge wurden durch Werke von Jeremiah Clark und Wolfgang Amadeus Mozart, gespielt vom Kammerorchester des Gymnasiums Maria Stern Augsburg unter Leitung von Wolfgang Scherer, musikalisch ausgesprochen gelungen umrahmt. Anschließend überreichten die Schwestern allen Gästen einen mit Sternen – dem Symbol des Klosters – bedruckten Schal.

    Doch wer verbirgt sich hinter den im Volksmund sogenannten „Sternfrauen“, deren Mutterhaus nur einen Steinwurf vom Augsburger Rathaus entfernt ist?

    Bereits im Jahre 1258 entstand eine Frauengemeinschaft, die sich der Dritten Regel des Franziskus verpflichtet wusste und so zum Ursprung des Klosters Maria Stern wurde. Selbst die Wirren der Reformation und die Bedrängnis durch die Säkularisation konnten den Franziskanerinnen nichts anhaben. Während die Zwinglianer die benachbarte Minoritenkirche zu ihrer Zentrale gemacht hatten, harrten die Sternfrauen dem katholischen Glauben verpflichtet eisern aus. Mit Erfolg. Und im Gefolge der Säkularisation erlebte der Orden eine bis dato nicht gekannte Blüte. Selbst den Nationalsozialismus überlebte das Kloster, obwohl das Gebäude bei einem Bombenangriff im Jahre 1944 fast vollständig zerstört wurde. Im Herzen der Stadt Augsburg, am Puls der Zeit, wandelte sich der Orden von einem kontemplativen zu einem tätigen, der in zahlreichen Filialen soziale und karitative Aufgaben übernimmt und sich auch im Schulwesen sehr engagiert. Neben Niederlassungen in Deutschland hat der Orden auch ein festes Standbein in Brasilien, wo er nun seit mehr als 70 Jahren wirkt, und ein kleineres und deutlich jüngeres in Mosambik, wo er bereits zehn Jahre tätig ist.

    Ihre Dankbarkeit für das Wirken der Sternfrauen brachten die bei den Feierlichkeiten anwesenden Bischöfe Dom Severino aus der brasilianischen Diözese Timbauba und Dom Lucio aus Xai-Xai in Mosambik zum Ausdruck. Auch wenn hierzulande Nachwuchssorgen ein wenig Kummer bereiten, hat der Orden doch insbesondere mit Blick auf Brasilien eine Zukunft. In Brasilien gilt ihre Aufmerksamkeit – dem franziskanischen Ideal folgend – den Armen und der Bewahrung der Schöpfung. Dort sind sie in unterschiedlichen Bereichen tätig: In Kinderheimen, -krippen, -tagesstätten, in berufsbildenden Einrichtungen, in der Krankenfürsorge, Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge, in der Betreuung von Straßenkindern und Drogensüchtigen. Im Staat Pará, wo die Menschen an den tiefgreifenden Veränderungen aufgrund der Ausbeutung der Bodenschätze Amazoniens leiden, sind die Schwestern bestrebt, nicht nur vordergründig der Armut abzuhelfen, sondern Bewusstseinsbildung zu betreiben und Orientierung in Rechtsfragen zu geben, damit sich die einheimische Bevölkerung gegen Ausbeutung und Vertreibung wehren kann. Deshalb setzen sich die Franziskanerinnen mit allen Kräften für die Erhaltung des Regenwaldes und der indianischen Kultur ein. Die Tätigkeiten der Franziskanerinnen sind aber auch deutschlandweit geschätzt, um nur ein Projekt zu nennen: Das Studentenwohnheim Maria Stern in München Schwabing, wo seit nunmehr fast achtzig Jahren Studenten unterschiedlichster Fakultäten für ihre Studentenzeit eine gastfreundliche Bleibe finden, wie viele von ihnen versichern.

    Noch bis Anfang Mai wird in einer künstlerisch gelungenen Ausstellung im Toskanischen Saal des Augsburger Zeughauses die Geschichte sowie das Leben und Wirken der Schwestern bis auf den heutigen Tag präsentiert. Zudem ist im Kunstverlag Fink bereits der erste Band der zweibändigen Festschrift „Von Gottes Stern geführt“ erschienen, in der Maria Stern erstmals gründlich erforscht wird.

    Von Robert Rauhut