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    Das Naturrecht als „Quelle des Konsenses“

    Rom (DT) Bioethik und Naturrecht waren das Thema der diesjährigen Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben, die vom vergangenen Donnerstag bis Samstag im Vatikan und in diesem Jahr nicht als offener Kongress, sondern als geschlossene Tagung der Akademiemitglieder stattgefunden hat. In einem Beitrag für die Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ zu Beginn der Arbeiten hatte der Präsident der Akademie, Erzbischof Rino Fisichella, darauf hingewiesen, dass die Katholiken in bioethischen Fragen eine größtmögliche Geschlossenheit anstreben müssten. Die Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft durch die großen wissenschaftlichen Fortschritte auf diesem Gebiet wüchsen stetig. Fisichella erinnerte dabei an den Fall der italienischen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, deren Tod vor genau einem Jahr durch Nahrungsentzug herbeigeführt worden war. Den Politikern warf Fisichella vor, den Fall damals instrumentalisiert zu haben. Die Debatte über einen Abbruch der künstlichen Ernährung Englaros sei eine „traurige“ Angelegenheit gewesen.

    Rom (DT) Bioethik und Naturrecht waren das Thema der diesjährigen Vollversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben, die vom vergangenen Donnerstag bis Samstag im Vatikan und in diesem Jahr nicht als offener Kongress, sondern als geschlossene Tagung der Akademiemitglieder stattgefunden hat. In einem Beitrag für die Vatikan-Zeitung „Osservatore Romano“ zu Beginn der Arbeiten hatte der Präsident der Akademie, Erzbischof Rino Fisichella, darauf hingewiesen, dass die Katholiken in bioethischen Fragen eine größtmögliche Geschlossenheit anstreben müssten. Die Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft durch die großen wissenschaftlichen Fortschritte auf diesem Gebiet wüchsen stetig. Fisichella erinnerte dabei an den Fall der italienischen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, deren Tod vor genau einem Jahr durch Nahrungsentzug herbeigeführt worden war. Den Politikern warf Fisichella vor, den Fall damals instrumentalisiert zu haben. Die Debatte über einen Abbruch der künstlichen Ernährung Englaros sei eine „traurige“ Angelegenheit gewesen.

    Für viele Lebensschützer in der Welt war auch ein Artikel im „Osservatore Romano“ eine traurige Angelegenheit, in dem Fisichella vor einem knappen Jahr eine pastoralere und barmherzigere Haltung der Kirchenoberen im Fall eines neunjährigen Mädchens in Brasilien gefordert hatte, bei dem die Ärzte nach einer Vergewaltigung die Abtreibung von Zwillingen vorgenommen hatten. Der Artikel, auf Veranlassung des vatikanischen Staatssekretariats und ohne genauere Detailkenntnisse der Hintergründe in diesem Fall geschrieben, hatte auch unter Mitglieder der Akademie für das Leben für Empörung gesorgt (siehe DT vom 11. Februar). Einer der Hauptkritiker Fisichellas, Michel Schooyans, emeritierter Professor für Philosophie an der Katholischen Universität Löwen und ständiges Mitglied der Akademie für das Leben, nahm aber jetzt an der Vollversammlung vergangene Woche nicht teil – und auch sonst war der Disput bei den offiziellen Beratungen des Akademietreffens vergangene Woche kein Thema mehr. Der Vatikan hatte den Streit, der sich nach dem Artikel Fisichellas zwischen diesem und dem inzwischen emeritierten Bischof José Cardoso Sobrinho von Recife, der die Exkommunikation der Abtreibungsärzte und aller beteiligten Erwachsenen ausgesprochen hatte, mit einer Note der Glaubenskongregation beendet, die im Juli vergangenen Jahres im „Osservatore Romano“ erschienen war und die Haltung der Kirche zur Abtreibung bekräftigte.

    Am Samstag empfing Papst Benedikt XVI. die Mitglieder der Akademie für das Leben und fasste die Inhalte der dreitägigen Vollversammlung zusammen. Die Bioethik, sagte er mit Verweis auf die Enzyklika „Caritas in veritate“, sei heute das erste und wichtigste Feld der kulturellen Auseinandersetzung zwischen „dem Absolutismus des Technischen und der moralischen Verantwortung des Menschen“. Dabei müsse das Naturrecht der Bioethik als Grundlage dienen. Das Naturrecht sei dem Menschen vom Schöpfer ins Herz eingeschrieben. Von diesem unveräußerlichen Recht her müssten ethische Fragen beantwortet und Entscheidungen getroffen werden.

    Der Papst warnte in seiner Ansprache vor allem vor einem instrumentellen Verständnis der Wissenschaft und des menschlichen Lebens: „Man muss beständig darauf hinweisen, dass es kein Verständnis der Menschenwürde gibt, das nur an äußere Elemente gebunden ist: an den wissenschaftlichen Fortschritt, an die Entwicklungsstufen menschlichen Lebens oder an das leichtfertige Mitleid in Grenzsituationen. Wenn man Respekt vor der Menschenwürde verlangt, geht es grundlegend um den vollen und vollständigen und bedingungslosen Respekt vor dem menschlichen Leben. Wissenschaftler dürfen niemals annehmen, dass sie nur unbelebte und manipulierbare Materie in den Händen halten – vom ersten Augenblick an hat menschliches Leben immer, überall und trotz allem eine eigene Würde.“

    Die Geschichte habe gezeigt, wie gefährlich und zerstörend ein Staat sei, der sich selbst zum ethischen Maßstab mache, so Papst Benedikt mit Blick auf Diktaturen und Ideologien der Moderne. Das Naturrecht garantiere dagegen wahrhaftigen Respekt vor der Person und der ganzen Schöpfung, so der Papst. Für Kulturen und Religionen könne es als „Quelle des Konsenses“ dienen.

    Von Guido Horst