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    „Das Gebet hilft uns“

    Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Das Finale spielte am Sonntag auch auf dem Petersplatz eine Rolle: Fans beider Mannschaften begegneten sich beim Angelus... Foto: dpa

    Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Das Evangelium des heutigen Sonntags (Mt 13, 1–23) zeigt uns Jesus, der am Ufer des Sees von Galiläa predigt, und da er von einer großen Menschenmenge umgeben ist, steigt er in ein Boot, entfernt sich ein wenig vom Ufer und predigt von dort aus. Wenn Jesus zu den Menschen spricht, benutzt er viele Gleichnisse: eine für alle verständliche Sprache, mit Bildern aus der Natur und aus den Situationen des täglichen Lebens.

    Das erste Gleichnis, das er erzählt, ist eine Einführung in alle Gleichnisse: Es ist das Gleichnis vom Sämann, der unermüdlich seinen Samen auf jede Art von Boden aussät. Und die wahre Hauptfigur dieses Gleichnisses ist eben der Same, der je nach dem Boden, auf den er fällt, mehr oder weniger Frucht hervorbringt. Die ersten drei Bodenarten sind unergiebig: entlang des Weges wird das Saatgut von den Vögeln gefressen; auf felsigem Boden verdorren die Triebe sofort, weil sie keine Wurzeln haben; unter den Dornen wird die Saat erstickt. Der vierte Boden ist guter Boden und nur dort schlägt der Same Wurzeln und bringt Frucht.

    In diesem Fall hat Jesus sich nicht darauf beschränkt, das Gleichnis vorzutragen; er hat es seinen Jüngern auch erklärt. Der Same, der auf den Weg gefallen ist, steht für diejenigen, die die Verkündigung des Reiches Gottes hören, sie aber nicht annehmen; so kommt der Böse und nimmt alles weg. Denn der Böse will nicht, dass der Same des Evangeliums in den Herzen der Menschen aufkeimt. Das ist der erste Vergleich. Der zweite ist der Same, der auf felsigen Boden fällt: er steht für die Menschen, die das Wort Gottes hören und es sofort annehmen, doch auf oberflächliche Weise, weil sie keine Wurzeln haben und unbeständig sind; und wenn sie in Schwierigkeiten und Not geraten, dann verlieren diese Menschen sofort den Mut. Der dritte Fall ist der Same, der unter die Dornen fällt: Jesus erklärt, dass er die Menschen darstellt, die das Wort hören, bei denen es jedoch durch die Sorgen der Welt und die Lockung des Reichtums erstickt wird. Der Same, der auf fruchtbaren Boden fällt, steht schließlich für diejenigen, die das Wort hören, es annehmen, es bewahren und es verstehen, und dieser Same bringt Frucht. Das vollkommene Vorbild für diesen guten Boden ist die Jungfrau Maria. Dieses Gleichnis spricht heute zu jedem von uns, wie es vor zweitausend Jahren zu den Zuhörern Jesu gesprochen hat. Es ruft uns in Erinnerung, dass wir der Boden sind, auf den der Herr unermüdlich den Samen seines Wortes und seiner Liebe wirft. Mit welcher Bereitschaft nehmen wir ihn auf? Und wir können uns die Frage stellen: wie ist unser Herz? Welchem Boden ist es ähnlich: einem Weg, einem Steinhaufen, einem Dornbusch? Es hängt von uns ab, guter Boden zu werden, ohne Dornen oder Steine, sondern urbar und sorgfältig bestellt, damit er gute Früchte für uns und für unsere Brüder und Schwestern trage.

    Und es wird uns gut tun, nicht zu vergessen, dass auch wir Sämänner sind. Gott sät guten Samen, und auch hier können wir uns die Fragen stellen: welche Art von Samen geht aus unserem Herzen und aus unserem Mund hervor? Unsere Worte können Gutes aber auch Böses tun; sie können heilen und sie können verletzen, sie können ermutigen und sie können Bedrückung auslösen. Denkt daran: was zählt, ist das, was aus dem Mund und aus dem Herzen herauskommt.

    Die Gottesmutter lehre uns mit ihrem Beispiel, das Wort anzunehmen, es zu bewahren und es in uns und in den anderen Menschen Frucht tragen zu lassen.

    Nach dem Gebet des Angelus und vor den Grüßen an die auf dem Petersplatz versammelten Pilger sagte der Papst:

    Ich richte an Euch alle den eindringlichen Aufruf, angesichts der tragischen Ereignisse der letzten Tage weiterhin nachdrücklich für den Frieden im Heiligen Land zu beten. Ich habe die Begegnung mit Patriarch Bartholomaios, Präsident Peres und Präsident Abbas am 8. Juni noch in lebhafter Erinnerung, mit denen zusammen wir um das Geschenk des Friedens gebetet und den Aufruf gehört haben, die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen. Manch einer mag denken, dieses Treffen sei vergebens gewesen. Doch das stimmt nicht! Das Gebet hilft uns, dass wir uns weder vom Bösen besiegen lassen, noch uns damit abfinden, dass Gewalt und Hass die Oberhand über den Dialog und die Versöhnung gewinnen. Ich rufe die betroffenen Seiten und alle, die auf lokaler und internationaler Ebene politische Verantwortung tragen, auf, das Gebet nicht zu scheuen sowie keine Verantwortung zu scheuen, um das Ende jedweder Feindseligkeit herbeizuführen und den ersehnten Frieden für das Wohl aller Menschen zu erzielen. Und ich fordere Euch alle dazu auf, Euch im Gebet anzuschließen. Beten wir alle, jeder still für sich. [Moment des stillen Gebets.] Nun, Herr, hilf Du uns! Schenk Du uns den Frieden, lehre Du uns den Frieden, führe Du uns zum Frieden. Öffne unsere Augen und unsere Herzen und schenke uns den Mut, zu sagen: „Nie wieder Krieg!“; „Mit dem Krieg ist alles zerstört!“. Flöße uns den Mut ein, konkrete Zeichen zu setzen, um den Frieden aufzubauen... Mach uns bereit, den Ruf unserer Bürger zu hören, die uns bitten, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung zu verwandeln. Amen.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller