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    „Das Feuer hört nicht mehr auf zu brennen“

    Ulan Bator (DT/KNA) Mehr als 1 500 Gäste haben am Sonntag an der Weihe des ersten mongolischen Priesters in der katholischen Peter-und-Paul-Kathedrale in Ulan Bator teilgenommen. Als der heutige Bischof Wenceslao Padilla vor knapp einem Vierteljahrhundert aus seiner Inselheimat Philippinen als Missionar seines Ordens, der Scheutvelder Missionare, in die Steppen des Binnenlands Mongolei kam, lag die Zahl der Katholiken bei null. Die Geschichte über den ersten einheimischen katholischen Priester der Mongolei ist eine kosmopolitische, typisch katholische Geschichte, die nicht ohne die langjährige Missionsarbeit von Menschen aus aller Welt erzählt werden könnte. Padilla (66) ist einer dieser Menschen.

    Der 29-jährige Joseph Enkh Baatar empfing die Weihe durch Bischof Wenceslao Padilla, den Bischof der Mongolei, in Ulan B... Foto: Marie Czernin/missio Österreich

    Ulan Bator (DT/KNA) Mehr als 1 500 Gäste haben am Sonntag an der Weihe des ersten mongolischen Priesters in der katholischen Peter-und-Paul-Kathedrale in Ulan Bator teilgenommen. Als der heutige Bischof Wenceslao Padilla vor knapp einem Vierteljahrhundert aus seiner Inselheimat Philippinen als Missionar seines Ordens, der Scheutvelder Missionare, in die Steppen des Binnenlands Mongolei kam, lag die Zahl der Katholiken bei null. Die Geschichte über den ersten einheimischen katholischen Priester der Mongolei ist eine kosmopolitische, typisch katholische Geschichte, die nicht ohne die langjährige Missionsarbeit von Menschen aus aller Welt erzählt werden könnte. Padilla (66) ist einer dieser Menschen.

    Eine Frucht seiner Arbeit ist die Priesterweihe des 29-jährige Joseph Enkh Baatar. „Ich fühle einen gewissen Stolz über dieses historische Ereignis in den weiten Steppen des Landes von Dschingis Khan“, sagt der heutige Bischof von Ulan Bator in seiner Videobotschaft auf der Webseite der Präfektur. Ein anderer ist Pater Prosper Mbumba. „Ich habe gerade einen neuen Kirchenbau der Göttlichen Gnade in Erdenet gegründet, einer Stadt 375 Kilometer von der Hauptstadt entfernt“, schreibt der Scheutvelder Missionar aus dem Kongo in einer E-Mail an die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA). Darin räumt der Kongolese auch mit der Vorstellung auf, Missionare würden die Mongolei auf dem Rücken von Pferden für Gott erobern. „Es gibt ein paar Fotos von mir auf einem Pferd“, schreibt Mbumba. „Aber um ehrlich zu sein, ich habe bis heute nicht reiten gelernt.“

    Nach langen Jahren des Kommunismus wagte die Mongolei 1992 als parlamentarische Demokratie einen politischen und religiösen Neubeginn. Die von den Kommunisten unterdrückten Religionen blühten wieder auf. 53 Prozent der gut drei Millionen Mongolen sind Buddhisten, knapp 39 Prozent nicht religiös; drei Prozent sind kasachische Muslime, 2, 9 Prozent Anhänger des einstmals dominanten Schamanismus – und 2, 1 Prozent Christen. Unter letzteren stellen protestantische Kirchen die Mehrheit.

    Soweit die nüchternen Zahlen, die aber nicht die volle religiöse Realität widerspiegeln, wie Pater Mbumba weiß: „Nicht jeder, der sich Buddhist nennt, ist auch einer.“ Die Mehrheit der offiziell buddhistischen Mongolen folge dem „gelben Schamanismus“, wie die mongolische Mischung aus Buddhismus und der alten Religion genannt werde. Die mongolische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Christen seien in dem Land, in dem knapp 22 Prozent der Bevölkerung als arm gelten, wegen ihres sozialen Engagements gut angesehen, heißt es im aktuellen Religionsbericht des US-Außenministeriums.

    Dieser „Kontext nationaler Identität“ präge auch Joseph Enkh, so Mbumba, obwohl er aus einer christlichen Familie stamme. Die Großmutter ist gläubige Protestantin, ein Onkel ein protestantischer Pastor; die Mutter und eine der Schwestern sind katholisch. Seine Berufung habe Enkh erstmals gespürt, als er mit seiner Schwester einen Gottesdienst besuchte. „Das Feuer, das an diesem Tag in ihm entfacht wurde, hört seitdem nicht mehr auf zu brennen.“ Ein wenig mussten Mbumba und Padillo das Feuer sogar noch zähmen. Sie überzeugten Enkh, erst zu studieren, statt gleich ins Seminar zu gehen. Doch sofort nach seinem Abschluss in Biotechnologie in Ulan Bator zog es den jungen Mongolen ins Priesterseminar in Daejeon in Südkorea. Die junge katholische Kirche der Mongolei mag klein sein – aber sie kann sich sehen lassen. Etwa 1 300 Mongolen sind katholisch geworden; aus den ursprünglich drei Missionaren 66 aus 18 Nationen aller Kontinente. Auch mit Hilfe von Missio Aachen unterhält die Kirche mittlerweile sechs Pfarreien und fünf Außenstationen, zwei Zentren für Straßenkinder, ein Altenheim, fünf Montessori-Kindergärten, drei Grundschulen, eine technische Schule und ein Zentrum für behinderte Kinder.

    Bischof Padilla hofft, dass die Weihe von Enkh eine Inspiration für andere junge mongolische Katholiken wird, den Weg als Priester oder Ordensmitglied einzuschlagen. „Nur so kann die Kirche hier dauerhaft überleben.“

    kna