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    „Danke für meine Freiheit“

    Lourdes (reg/KNA) Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat am Samstag im südfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes für ihre Befreiung aus den Händen der kolumbianischen FARC-Rebellen gedankt. Wie französische Medien berichteten, war sie in Begleitung ihrer Mutter Yolanda Pulecia Velez, ihrer Schwester Astrid und ihrer Kinder Melanie und Lorenzo Delloye. Der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jacques Perrier, betete mit der Familie an der Grotte von Massabielle das Angelusgebet. „Danke Maria! Danke für meine Freiheit, danke für das Leben“, sagte Betancourt den Berichten zufolge vor mehreren tausend Pilgern. Mit einem Rosenkranz in den Händen fügte sie hinzu: „Ich flehe dich an, meine liebe Maria (...), beschütze diejenigen, die zurückbleiben mussten. Sie brauchen dich, deine Kraft, deine Hoffnung und dein Licht.“

    Lourdes (reg/KNA) Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt hat am Samstag im südfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes für ihre Befreiung aus den Händen der kolumbianischen FARC-Rebellen gedankt. Wie französische Medien berichteten, war sie in Begleitung ihrer Mutter Yolanda Pulecia Velez, ihrer Schwester Astrid und ihrer Kinder Melanie und Lorenzo Delloye. Der Bischof von Tarbes und Lourdes, Jacques Perrier, betete mit der Familie an der Grotte von Massabielle das Angelusgebet. „Danke Maria! Danke für meine Freiheit, danke für das Leben“, sagte Betancourt den Berichten zufolge vor mehreren tausend Pilgern. Mit einem Rosenkranz in den Händen fügte sie hinzu: „Ich flehe dich an, meine liebe Maria (...), beschütze diejenigen, die zurückbleiben mussten. Sie brauchen dich, deine Kraft, deine Hoffnung und dein Licht.“

    Die Pilger applaudierten anschließend der 46-jährigen Politikerin, die von einem hohen Aufgebot an Sicherheitskräften begleitet wurde. Am Vormittag hatte sich die gläubige Katholikin allein zu einem Gebet in eine Kapelle zurückgezogen. Nach Angaben der Wallfahrtsstätte hatte Betancourts Mutter während der Geiselhaft den Wunsch geäußert, sich mit ihrer Tochter nach Lourdes zu begeben. Sobald sie frei sei, werde die erste Reise der beiden nach Lourdes führen. Das habe sie der Jungfrau versprochen, wurde Betancourts Mutter zitiert. Betancourt selbst hatte nach ihrer Freilassung mehrfach erklärt, während ihrer sechs Jahre dauernden Geiselhaft habe sie das Gebet sehr verändert. Sie habe zudem Beistand in Jesus und Maria erfahren.

    In der aktuellen Ausgabe der französischen Zeitschrift „Pelerin“ berichtete Betancourt, ihr Glaube sei in der Gefangenschaft kontinuierlich gewachsen. Diese sechs schrecklichen Jahre seien geschehen, „damit ich andere Dinge begreife“. Erst in dieser Zeit habe sie eine Beziehung zur Muttergottes gefunden. Ihr verstorbener Vater sei zwar ein großer Marienverehrer gewesen, doch dies sei ihr früher albern erschienen. Im Dschungel habe sie voller Bewunderung für die Mutter Jesu die Heilige Schrift gelesen. „Um Maria zu verstehen, muss man etwas Lebenserfahrung und Reife haben“, sagte Betancourt, die während der sechsjährigen Gefangenschaft im Dschungel viele Versprechen an die Muttergottes abgelegt hat. Sie finde es „sensationell“, wie Maria zu ihrem Kind Ja gesagt habe, obwohl sie ihr Leben ganz anders geplant hatte. „Maria ist jedes Risiko eingegangen“, so die Politikerin. „Ich finde Maria stark, intelligent und humorvoll“. Der Dialog zwischen Jesus und Maria bei der Hochzeit zu Kanaa im Johannesevangelium habe in ihr eine tiefe Liebe zu Maria geweckt und sie zugleich an ihre eigene Beziehung zu ihrem Sohn Lorenzo erinnert.

    Am 1. Juni habe sie im Lager durch den katholischen Radiosender „Radio Católica Mundial“ erfahren, dass der Juni der Herz-Jesu-Verehrung geweiht sei. Dies habe sie an die letzte Begegnung mit ihrem Vater erinnert, der am Tag vor ihrer Entführung vor einem Herz-Jesu-Bild für sie gebetet habe. Obwohl sie keine genaue Vorstellungen von einer Herz-Jesu-Weihe hatte, habe sie daraufhin gelobt, sich künftig ganz dem Herzen Jesu zu übereignen, wenn sie im Juni das Datum ihrer Befreiung erfahre. Dabei habe sie gelobt, nach der Befreiung als erstes dem Herrn zu danken. Aus diesem Grund sei ihre erste Geste nach der Landung auf dem Flughafen in Bogota ein Kreuzzeichen gewesen. Am 27. Juni habe der Kommandant den Befehl zum Aufbruch gegeben, da einer der Geiseln möglicherweise freikommen werde. Auch wenn alles schließlich anders gekommen sei, wisse sie nun: „Jesus hat Wort gehalten. Ich habe ein Wunder erlebt“.

    Das erste Jahr ihrer Gefangenschaft sei sehr hart gewesen. Sie habe im Kampf mit Gott gelegen und ihm den Tod ihres Vaters sehr übelgenommen. Die Frage „warum strafst Du mich so?“, habe sie stark beschäftigt. Im Lauf der Zeit habe sie eingesehen, dass der Tod ein Segen für ihren Vater gewesen sei, denn er hätte „diese sechs schrecklichen Jahre“ niemals durchgestanden. Die Heilige Schrift, mit der sie sich zuvor nicht weiter beschäftigt hatte und ihre Liebe zu Jesus und Maria hätten ihr die Kraft gegeben, den Hass gegen ihre Peiniger zu überwinden. Jedes Mal, wenn sie in der Bibel Jesu Wort von der Feindesliebe gelesen habe, habe sie sich direkt angesprochen gefühlt. Der Text sei ihr sehr nahe gegangen, denn diese Forderung Jesu umzusetzen sei nicht leicht. Sie habe sich dennoch erleichtert gefühlt, wenn sie im Dschungel das „Segne deine Feinde“ vor sich hergemurmelt habe, wenn ihr der Sinn überhaupt nicht danach stand. Die Gefangenschaft habe einen Teil ihres Schreckens verloren und sie selbst habe sich verwandelt.

    Tief beeindruckt habe sie das Pauluswort aus dem Römerbrief „Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen“ (Röm 8, 26). Gegen diese Aussage habe sie sich zunächst empört: „Mein Gott, ich weiß doch, was ich will: frei sein“. Heute habe sie endlich begriffen welches Glück es bedeute, dass das Heilige Geist da sei, um für sie zu beten, denn sie sei nicht imstande, um das Notwendige zu bitten.