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    Christliche Familien, Heiligtümer der Treue

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Ich möchte jedem erneut meine guten Wünsche für das Neue Jahr aussprechen und allen danken, die mir Nachrichten ihrer geistlichen Nähe haben zukommen lassen. Die Liturgie unterbreitet uns am heutigen Sonntag nochmals den Prolog aus dem Evangelium des heiligen Johannes, der am Weihnachtstag feierlich verkündet wird. Dieser wunderbare Text bringt in Form einer Lobeshymne das Geheimnis der Menschwerdung zum Ausdruck, das von den Augenzeugen, den Aposteln, verkündet wird, vor allem von Johannes, dessen Fest nicht zufällig am 27. Dezember begangen wird. Der heilige Chromatius von Aquileia erklärt, dass „Johannes der jüngste aller Jünger des Herrn war; der jüngste vom Alter her, aber schon abgeklärt im Glauben“ (Sermo II, 1 De Sancto Iohanne Evangelista, CCL 9a, 101). Wenn wir lesen „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1, 1), erhebt sich der Evangelist – der traditionsgemäß mit einem Adler verglichen wird – über die Menschheitsgeschichte und erforscht die Tiefe Gottes; doch schon bald kehrt er, seinem Meister folgend, zur irdischen Dimension zurück und sagt: „Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1, 14). Das Wort ist „lebendige Wirklichkeit: ein Gott, der ... sich mitteilt, indem Er selbst Mensch wird“ (vgl. J. Ratzinger, Teologia della liturgia, LEV 2010, 618). Tatsächlich, so erklärt Johannes, hat er „unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen“ (Joh 1, 14). „Er hat sich herabgelassen, unser einfaches Dasein anzunehmen – kommentiert der heilige Leo der Große – ohne dass dies seine Erhabenheit gemindert hätte“ (Tractatus XXI, 2, CCL 138, 86–87). Im Prolog lesen wir dann noch weiter: „Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade“ (Joh 1, 16). „Welche Gnade“ – so fragt sich der heilige Augustinus – „haben wir zuerst empfangen? Den Glauben“. Die zweite Gnade, so fügt er gleich hinzu, ist „das ewige Leben“ (Tractatus in Ioh. III, 8.9, CCL 36, 24.25).

    Nun wende ich mich in spanischer Sprache an die Tausenden von Familien, die in Madrid zu einer großen Kundgebung versammelt sind.

    Herzlich grüße ich die zahlreichen Hirten und Gläubigen, die auf der Plaza de Colón in Madrid versammelt sind, um unter dem Thema „Die christliche Familie, Hoffnung für Europa“ voller Freude den Wert der Ehe und der Familie zu feiern. Liebe Brüder und Schwestern, ich lade Euch ein, stark in der Liebe zu sein und demütig das Geheimnis der Weihnacht zu betrachten, das weiterhin zum Herzen spricht und sich in eine Schule des familiären und brüderlichen Lebens verwandelt. Der mütterliche Blick der Jungfrau Maria, die liebevolle Fürsorge des heiligen Josef und die süße Gegenwart des Jesuskindes sind ein klares Bild für das, was alle christlichen Familien sein sollen: echte Heiligtümer der Treue, des Respekts und des Verständnisses, in denen auch der Glaube weitergegeben, die Hoffnung gestärkt und die Liebe entzündet wird. Ich ermutige alle, mit neuer Begeisterung die christliche Berufung im Schoß der Familie zu leben, als echte Diener der Liebe, die das Leben annehmen, begleiten und beschützen. Macht Eure Häuser zu wahren Keimzellen der Tugend und zu einem ruhigen und leuchtenden Ort des Vertrauens, an dem durch die Führung der Gnade Gottes weise der Ruf des Herrn erkannt werden kann, der weiterhin zu seiner Nachfolge einlädt. Mit diesen Empfindungen empfehle ich der Heiligen Familie von Nazareth inständig die Anliegen und Früchte dieses Treffens, damit es jedes Mal mehr Familien werden, in denen Freude, gegenseitige Hingabe und Großherzigkeit herrschen. Möge Gott Euch immer segnen.

    (auf italienisch)

    Die Jungfrau Maria, die der Herr dem „Jünger, den er liebte“ als Mutter anvertraute, bitten wir um die Kraft, uns wie Kinder, die „aus Gott geboren sind“ (Joh 1, 13) zu verhalten, indem wir einander annehmen und so die brüderliche Liebe zum Ausdruck bringen.

    Die Pilger deutscher Sprache begrüßte der Papst mit den Worten:

    Mit Freude grüße ich alle Brüder und Schwestern aus den Ländern deutscher Sprache. Gottes Wort steht am Anfang von allem, es ist Licht und Leben für die Welt, für uns Menschen. Dies rufen uns die Lesungen am heutigen zweiten Sonntag nach Weihnachten in Erinnerung. Das göttliche Wort hat in Jesus Christus menschliche Gestalt angenommen, es macht sich auf und sucht unsere Liebe. Maria hat ihm ihr mütterliches Herz, ihr ganzes Leben geschenkt. Auch wir sind eingeladen, Gottes Wort in uns lebendig werden zu lassen, damit es uns von innen her verwandle. Denn es gibt uns die Macht, Kinder Gottes, wirklich Menschen nach dem Abbild Gottes zu sein. Der Herr segne und behüte euch.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    und Spanischen von Claudia Reimüller