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    Bedeutung der Religion gewürdigt

    Würzburg (DT/KNA) Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Bedeutung der Religion für den demokratischen Rechtsstaat unterstrichen. Gerade ein liberaler Staat brauche religiöse Bezüge und Begründungen, sagte Lammert am Freitagabend in Würzburg. „Ohne Verständnis für die Bedeutung von Religionen gibt es in freien Gesellschaften keinen Halt.“ Während Religion von Wahrheiten handele, gehe es bei Politik um Interessen. Beides sei zentral, aber nicht dasselbe. „Wahrheit ist nicht mehrheitsfähig. Interessen sind nicht wahrheitsfähig“, erklärte der Bundestagspräsident. Deswegen habe man sich im Zuge der Aufklärung darauf verständigt, dort die Mehrheit entscheiden zu lassen, wo sich die Wahrheit nicht abschließend klären lasse, führte er weiter aus. Das bringe aber auch mit sich, dass politische Entscheidungen oft nur zeitlich befristet Bestand hätten. Der Versuch, den Menschen zum Maßstab aller Dinge zu machen, sei eine Voraussetzung für das Unrechtsregime der Nationalsozialisten gewesen. Aus dieser Erfahrung heraus sei die Verantwortung vor Gott in die Präambel des Grundgesetzes eingegangen. Der oft beklagte Verlust der Religiosität in der Moderne lasse sich global nicht bestätigen, sagte Lammert. Auch bei staatlicher Unterdrückung seien Religionen nie völlig verschwunden.

    Würzburg (DT/KNA) Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Bedeutung der Religion für den demokratischen Rechtsstaat unterstrichen. Gerade ein liberaler Staat brauche religiöse Bezüge und Begründungen, sagte Lammert am Freitagabend in Würzburg. „Ohne Verständnis für die Bedeutung von Religionen gibt es in freien Gesellschaften keinen Halt.“ Während Religion von Wahrheiten handele, gehe es bei Politik um Interessen. Beides sei zentral, aber nicht dasselbe. „Wahrheit ist nicht mehrheitsfähig. Interessen sind nicht wahrheitsfähig“, erklärte der Bundestagspräsident. Deswegen habe man sich im Zuge der Aufklärung darauf verständigt, dort die Mehrheit entscheiden zu lassen, wo sich die Wahrheit nicht abschließend klären lasse, führte er weiter aus. Das bringe aber auch mit sich, dass politische Entscheidungen oft nur zeitlich befristet Bestand hätten. Der Versuch, den Menschen zum Maßstab aller Dinge zu machen, sei eine Voraussetzung für das Unrechtsregime der Nationalsozialisten gewesen. Aus dieser Erfahrung heraus sei die Verantwortung vor Gott in die Präambel des Grundgesetzes eingegangen. Der oft beklagte Verlust der Religiosität in der Moderne lasse sich global nicht bestätigen, sagte Lammert. Auch bei staatlicher Unterdrückung seien Religionen nie völlig verschwunden.

    Bei ihrem Wiederaufleben würden sie allerdings manchmal für nicht-religiöse Zwecke instrumentalisiert. So sei im „Arabischen Frühling“ zu beobachten gewesen, „wie das Überwinden autoritärer Systeme einen Geltungsanspruch der Religion mit sich gebracht hat, der mit demokratischem Verständnis nicht unbedingt vereinbar ist“. Deswegen sei auch noch nicht klar, „ob auf den Arabischen Frühling ein Sommer oder ein Herbst folgt“. Lammert verwies auf die Beziehung von Vernunft und Glaube. Beide bildeten die Grundfesten der westlichen Zivilisation. Dies hätten auch der damalige Kurienpräfekt Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., und der Philosoph Jürgen Habermas in ihrem Dialog gemeinsam hervorgehoben. Glaube und Vernunft müssten sich wechselseitig kontrollieren. Eine besondere Aufgabe sieht der Bundespräsident bei Fragen rund um Beginn und Ende des menschlichen Lebens, wo inzwischen vieles machbar sei. Der Bundestagspräsident äußerte sich bei einer Feier zum 60-jährigen Bestehen der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED). Der Verband engagiert sich vor allem in der Schulpolitik. Er versteht sich nach den Worten seiner Vorsitzenden Marie-Theres Kastner als Fürsprecher einer Schule, die zur Persönlichkeitsbildung beiträgt. Schule dürfe demnach nicht nur darauf abzielen, Arbeitskräfte für die Wirtschaft zu qualifizieren.