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    Authentische Vorbilder können begeistern

    Sydney (DT) „Investition in Personen ist wichtiger als Investition in Strukturen.“ Diese Worte könnten als Leitwort für all die Reformüberlegungen gelten, die derzeit in der deutschen Kirche gewälzt werden. Gesagt wurden sie in weiter Entfernung von der deutschen Kirchenprovinz. Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke rief sie 800 deutschen Jugendlichen in Sydney auf dem XXIII. Weltjugendtag zu. Thema seiner Katechese war das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche.

    Sydney (DT) „Investition in Personen ist wichtiger als Investition in Strukturen.“ Diese Worte könnten als Leitwort für all die Reformüberlegungen gelten, die derzeit in der deutschen Kirche gewälzt werden. Gesagt wurden sie in weiter Entfernung von der deutschen Kirchenprovinz. Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke rief sie 800 deutschen Jugendlichen in Sydney auf dem XXIII. Weltjugendtag zu. Thema seiner Katechese war das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche.

    Der mit 55 Jahren junge Bischof erreichte die jugendlichen Zuhörer durch seine bodenständige und authentische Art und Weise. Verwunderlich dabei: Hauke sprach über Strukturreformen für die Kirche und Wege, Menschen außerhalb der Kirche zu erreichen.

    Beide Themen sind wichtig und doch nicht dazu angetan, Begeisterung beim Publikum hervorzurufen. Hauke gelang dies trotzdem. Gleich zu Beginn ließ der promovierte Liturgiewissenschaftler die jungen Zuhörer an seinem persönlichen Weg zum Priestertum teilhaben: „Ich bin Priester geworden, weil ich am Aufbau der Gemeinde mithelfen wollte, nicht nur im Ehrenamt, sondern im Hauptamt.“ Dieser Motivation ist Hauke treu geblieben. Er ist im deutschen Episkopat bekannt für seine unkonventionellen Einfälle in der Mission gegenüber Ungetauften und Konfessionslosen. Der in der Diaspora des deutschen Ostens erprobte Geistliche zeigte den zumeist aus dem katholischen Rheinland kommenden Jugendlichen auf, dass ein Glaubensleben entlang der klassischen Stationen Taufe, Kommunion, Firmung und Weihe oder Hochzeit keinesfalls selbstverständlich ist. In der Motivation im besten Sinne konservativ – das Gute und Bewährte fördernd – geht Hauke moderne und neue Wege in der Weitergabe des Glaubens.

    So berichtete er ausführlich von der im Bistum Erfurt angebotenen „Lebenswende“ als Ersatz für die zu DDR-Zeiten eingeführte heidnische „Jugendwende“. Junge Menschen reflektieren ihr Leben mit Erwachsenen in der Kirche und sollen so wieder an die Kirche herangeführt werden, die sie in ihrem Leben begleiten will. Die Maxime für derlei Bemühungen ist für Hauke klar: „Kirche ist auf keinen Fall für sich selbst, sondern für die anderen da.“ So banal dieser Satz für kirchlich engagierte „Insider“ klingt, so sehr bietet die Kirche eben dieser „Insider“ nicht zuletzt in Deutschland oft das Bild der von der eigenen Nabelschau besessenen Selbsthilfegruppe.

    Diese Kirche ist nach Hauke „oftmals im Guten verhärtet“, was bedeute, dass in ihr alles gut laufe und nur ungern Veränderungen angenommen würden. Der Erfurter Weihbischof stellt mit seinen Angeboten das lichtreiche Gegenteil dar. So wird dem Bericht Haukes zufolge als weitere Neuerung in Erfurt am Weihnachtsabend das „Nächtliche Weihnachtslob“ als Ersatz für die von vielen kirchenfernen Erfurtern gemiedene Weihnachtsmesse angeboten. Den Initiatoren geht es dabei nicht darum, kirchliche Ordnungen im Bereich der Seelsorge außer Kraft zu setzen oder Traditionen aufzugeben. Vielmehr sollen niederschwellige Angebote geschaffen werden, die das Zielpublikum wieder an das der Ordnung entsprechende Glaubensleben heranzuführen vermögen. Bischof Hauke und seine Mitstreiter, allen voran der Erfurter Diözesanbischof Wanke, orientieren sich dabei in bester Pastoral-Tradition an der alltäglichen Erlebniswelt der angesprochenen Menschen.

    Unternehmensberatungen würden diesen Zugang mit den Worten „die Leute abholen, wo sie sind“ überschreiben. Der Unterschied zu Bischof Hauke, der auch als Weihbischof noch in Erfurter Schulen wöchentlich Religionsunterricht erteilt, besteht in der Glaubwürdigkeit. Hauke überzeugte die deutschen Jugendlichen in Sydney nicht zuletzt durch sein Gottvertrauen: „Wenn der Heilige Geist die Seele der Kirche ist, wird er auch dafür sorgen, dass wir in der Wahrheit bestehen bleiben und nicht einem Irrtum erliegen.“

    Wer so glaubt und danach handelt, beherzigt das Wort Johannes Pauls II., wonach die Kirche immer wieder dazu aufgerufen ist, ihr Angebot und Auftreten „in schöpferischer Treue gegenüber der einmal geoffenbarten Wahrheit Gottes“ fortzuentwickeln.

    Es war nicht zuletzt diese Haltung Grund dafür, dass Karol Wojtyla der Kirche das Geschenk der Weltjugendtage gemacht hat. Weihbischof Reinhard Hauke ist es gelungen, den jungen Pilgern aus Deutschland nachhaltig klarzumachen, dass der innovative Geist der Weltjugendtage nicht etwas ist, das nur alle drei Jahre für eine Woche die Kirche ergreifen soll. Seine Worte dürften bei den Menschen, die 17 000 Kilometer zum Weltjugendtag mit dem Papst reisen, auf fruchtbaren Boden gefallen sein. NL