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    Auszeichnung für Bartholomaios

    Jerusalem (DT) Zu mehr Solidarität, Dialog und Schutz der Umwelt hat der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartolomaios I. aufgerufen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass in diesen Gebieten der Beitrag der Religionen entscheidend bleibt“, sagte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie am Mittwochnachmittag in Jerusalem. Der 77-jährige Theologe und Ökumeniker wurde dort unter anderem für sein Engagement im interreligiösen Dialog und im Umweltschutz mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität ausgezeichnet.

    Jerusalem (DT) Zu mehr Solidarität, Dialog und Schutz der Umwelt hat der griechisch-orthodoxe Patriarch von Konstantinopel, Bartolomaios I. aufgerufen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass in diesen Gebieten der Beitrag der Religionen entscheidend bleibt“, sagte das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie am Mittwochnachmittag in Jerusalem. Der 77-jährige Theologe und Ökumeniker wurde dort unter anderem für sein Engagement im interreligiösen Dialog und im Umweltschutz mit der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität ausgezeichnet.

    „Unser größter Fehler heute ist nicht, dass wir so viel von Religionen erwarten, sondern vielmehr, dass wir bei Fragen des Friedens, Solidarität, der Bedeutung des Lebens und der ewigen Bestimmung des Menschen und der Schöpfung nicht mehr von dieser spirituellen Kraft erwarten, die tief in der menschlichen Seele verwurzelt ist“, so Bartholomaios in seiner Dankesrede vor zahlreichen Vertretern des Judentums und der verschiedenen Kirchen.

    Die Glaubwürdigkeit von Religion hänge dabei heute stark von ihrer Haltung gegenüber dem Schutz von menschlicher Freiheit und Würde ab. Religion müsse zum Schutz der menschlichen Freiheit und zum Dialog beitragen, so das Kirchenoberhaupt. Religion könne die heute so dringend benötigte spirituelle Inspiration und Orientierung bringen, leider aber auch „Menschen fanatisieren und dehumanisieren, indem sie Fanatismus kultiviert und Fundamentalismus und Aggression fördert“, so Bartholomaios wörtlich.

    Bartholomaios warnte vor wachsendem religiösen Fundamentalismus. „Die schrecklichen Gewalttaten im Namen von Religion bieten den modernen Kritikern von Religion leider zusätzliche Argumente gegen den Glauben“, so der 77-Jährige. Die Wahrheit sei vielmehr, „dass Gewalt die Verneinung von fundamentalen religiösen Glauben und Lehren ist“. Das friedliche Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen im Mittelmehrraum über Jahrhunderte habe gezeigt, dass „Religionen als Brücken zwischen Menschen“ sowie „als Instrumente von Frieden, Toleranz und Verständnis und der Annäherung von Kulturen“ dienen können. Der interreligiöse Dialog könne dabei Vorurteile abschaffen und zu gegenseitigem Verständnis und friedlicher Konfliktlösung beitragen.

    Nach den Worten des Patriarchen befindet sich die Welt heute in einer komplexen, durch die Globalisierung und ihre Auswirkungen geprägten Krise, die zugleich eine Krise der Solidarität sei. Diese finde ihren Ausdruck in zahlreichen Aspekten, etwa der Unterwerfung der Kultur unter die Wirtschaft, den Anstieg der Armut, die Tragödien der Migration, zunehmenden ökologischen Problemen, aber auch dem Anstieg von religiösem Fundamentalismus und internationalem Terrorismus.

    Diesen Herausforderungen kann nach Worten des Patriarchen nur gemeinsam begegnet werden: „Keiner – keine Nation, kein Staat, keine Religion, keine Wissenschaft – kann den gegenwärtigen Problemen allein begegnen“, so Bartholomaios. Überdies sei es utopisch zu glauben, dass eine Kultur der Solidarität durch Globalisierung, wirtschaftlichen oder technischen Fortschritt erreicht werden könne. „Wir brauchen einander, wir brauchen eine gemeinsame Mobilisierung, gemeinsame Bemühungen, gemeinsame Ziele, einen gemeinsamen Geist. Daher betrachten wir die gegenwärtige komplexe Krise als eine Gelegenheit, Solidarität zu üben, für Dialog und Kooperation sowie für Offenheit und Vertrauen.“

    Besonders betonte Bartholomaios I., der wegen seines ökologischen Engagements den Ehrennamen „Grüner Patriarch“ erhielt, die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung. Ökologisches Engagement sei nicht das Thema einer spezifischen Religion, sondern sollten eine Sorge sein „für alle Religionen, Regierungen, Zivilgesellschaften und alle Menschen guten Willens“. Die Sorge für Menschenwürde, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit dürften nicht von der Sorge für den Erhalt der Umwelt und Nachhaltigkeit getrennt werden. Wahrer Glaube, so Bartholomaios I., „verrät weder die Erde um des Himmels willen, noch die Gegenwart um der Zukunft willen“.

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