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    Australischer Bundesstaat mit Vorbehalten gegen Verpflichtung zum Bruch des Beichtgeheimnisses

    Der Bundesstaat Victoria will nicht ohne eingehende Prüfung die Empfehlungen der nationalen Missbrauchskommission umsetzen. Diese wollen Priester zum Verstoß gegen das Beichtgeheimnis verpflichten, wenn ihnen in der Beichte von Kindesmissbrauch berichtet wird.

    ILLUSTRATION - Studentin Hellen kniet am Freitag (20.05.2011) in der Laurentiuskapelle im Dom in Mainz in einem Beichtst... Foto: Fredrik Von Erichsen (dpa)

    In Australien hat die sogenannte „Royal Commission“, eine nationale Kommission zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in religiösen Einrichtungen den einzelnen Bundesstaaten nahegelegt, Priester zum Verstoß gegen das Beichtgeheimnis zu zwingen, wenn ihnen von Missbrauch erzählt wird. Der Bundesstaat Victoria will diese Anregung nicht ohne weiteres umsetzen. Die Empfehlung der Königlichen Kommission bedürfe noch weiterer Abwägung, erklärte  Victorias Justizminister Martin Pakula.

    Die Missbrauchskommission habe insgesamt 317 Empfehlungen zum Umgang mit den Missbrauchsfällen und zur Prävention erlassen. 128 habe die Regierung bereits akzeptiert, gegen 165 hege man grundsätzlich keine Einwände. 24 der Empfehlungen müssten jedoch eingehender geprüft werden, ehe der Staat bereit sei, diese umzusetzen, äußerte sich Pakula gegenüber dem britischen „Guardian“. Wenn man Priester tatsächlich dazu bringen wolle, gegen das Beichtgeheimnis zu verstoßen, dann sei ein „gewisses Maß an nationaler Zustimmung“ nötig.

    Die Region der australischen Hauptstadt Canberra, sowie die Bundesstaaten Südaustralien und Tasmanien haben bereits Gesetzte verabschiedet, die Priester dazu verpflichten, zu melden, wenn ihnen in Beichten von Kindesmissbrauch berichtet wird. So müssen etwa Priester in Südaustralien ab 01. Oktober mehr als 7000 US-Dollar Strafe Zahlen, wenn sie gegen die neuen Vorschriften verstoßen.

    Die katholische Kirche in Australien reagierte mit vehementen Protesten gegen die neuen Gesetze, die zum Verstoß gegen das Beichtgeheimnis verpflichten. Einige Priester erklärten sogar, lieber ins Gefängnis zu gehen.

    DT/mlu

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