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    Ausdruck göttlicher Gerechtigkeit

    „Wenn der Herr einst wiederkommt“, so lautete der Titel der nunmehr 24. Internationalen Theologischen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises, die in dieser Woche im oberösterreichischen Aigen abgehalten wurde. Mit dem Einstiegsreferat „Die Unsterblichkeit der Seele“ legte der Philosoph Thomas Stark diese im aktuellen Disput wie in der Pastoral oft in den Hintergrund gerückte Glaubenswahrheit mit thomistischer Klarheit dar. Der Rektor und Dogmatiker der Hochschule Heiligenkreuz, Karl Wallner, sprach über die östliche Reinkarnationsthese aus christlicher Sicht. Die Lehre von der Reinkarnation finde vermehrt Anklang, weil die letzten Dinge in der Pastoral zu wenig verkündet würden. Im Westen werde die Wiedergeburt mehr als Chance gesehen und habe eine gewisse Anziehungskraft, während sie im Osten als Strafe verstanden werde. Der Dogmatiker Manfred Hauke aus Lugano erläuterte, dass der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi nicht bekannt sei, doch gebe es Vorzeichen. Als solche gelten eine Krise der Kirche, schwere Verfolgungen von Christen, die Verkündigung des Evangeliums bei allen Völkern, was jedoch nicht die Annahme der Botschaft bei allen bedeuten müsse, die Annahme Christi durch die Juden, schwere Naturkatastrophen sowie das Erscheinen des Antichrists.

    Die Rede vom Gericht ist eine Botschaft der Hoffnung. Michelangelos „Das jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle. Foto: IN

    „Wenn der Herr einst wiederkommt“, so lautete der Titel der nunmehr 24. Internationalen Theologischen Sommerakademie des Linzer Priesterkreises, die in dieser Woche im oberösterreichischen Aigen abgehalten wurde. Mit dem Einstiegsreferat „Die Unsterblichkeit der Seele“ legte der Philosoph Thomas Stark diese im aktuellen Disput wie in der Pastoral oft in den Hintergrund gerückte Glaubenswahrheit mit thomistischer Klarheit dar. Der Rektor und Dogmatiker der Hochschule Heiligenkreuz, Karl Wallner, sprach über die östliche Reinkarnationsthese aus christlicher Sicht. Die Lehre von der Reinkarnation finde vermehrt Anklang, weil die letzten Dinge in der Pastoral zu wenig verkündet würden. Im Westen werde die Wiedergeburt mehr als Chance gesehen und habe eine gewisse Anziehungskraft, während sie im Osten als Strafe verstanden werde. Der Dogmatiker Manfred Hauke aus Lugano erläuterte, dass der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi nicht bekannt sei, doch gebe es Vorzeichen. Als solche gelten eine Krise der Kirche, schwere Verfolgungen von Christen, die Verkündigung des Evangeliums bei allen Völkern, was jedoch nicht die Annahme der Botschaft bei allen bedeuten müsse, die Annahme Christi durch die Juden, schwere Naturkatastrophen sowie das Erscheinen des Antichrists.

    Die in Heiligenkreuz lehrende Exegetin Regina Willi legte in ihrem Referat über „Die Botschaft vom Gericht als Warnung und Frohbotschaft“ dar, dass das Evangelium auch die Rede von Gericht umfasse, weil die Rede von der Liebe Gottes und der des Gerichtes sich nicht widersprechen. Im Unterschied zu einer früheren Pädagogik gebe es heute die Gefahr einer Banalisierung des Evangeliums, indem man die Gerechtigkeit Gottes zugunsten seiner Barmherzigkeit nivelliere. Dies werde dem Wesen Gottes nicht gerecht. Der Begriff des Richtens habe eher mit einem „dem Bedrängten zum Recht verhelfen“ und „dem Bedränger zur Rechenschaft zu verhelfen“ zu tun. Gottes Gericht bedeute Heil und sei heilbringend. Gäbe es kein Gericht, so gäbe es auch keine Hoffnung für den um sein Recht Gebrachten, weil das Gericht Gottes Ausdruck seiner Gerechtigkeit sei. Mit Gericht, so Willi, sei oft nicht nur das Jüngste Gericht, ein einmaliger Vorgang gemeint, sondern auch ein permanenter Prozess der Unterscheidung der Geister, der Verurteilung der Sünde sowie der Aufrichtung des Rechtes in dieser Zeit. So sei zwischen einem gegenwärtig sich realisierendem Gericht und dem Endgericht zu unterscheiden. Die Gerichtsverkündigung Jesu sei im Kontext der Verkündigung des Reiches Gottes zu sehen.

    Das Endgericht sei nicht ein Ereignis in Raum und Zeit, sondern das Ende eines geschichtlichen Zeitraumes. Sünde und Tod würden vernichtet, sodass Neues entsteht. Es handle sich nicht bloß um einen innerseelischen, sondern um einen geschichtlich-kosmischen Vorgang, der Zeitpunkt sei allein Gott anheimgestellt. Schon jetzt entscheide sich in der Annahme oder Ablehnung der Person Jesu, welches Urteil im Endgericht ergehen wird. Der Glaube an das Gericht bedeute zuallererst Hoffnung und die Gewissheit der Unmöglichkeit, dass das Unrecht der Geschichte das letzte Wort sei.

    Der Mensch bleibt „Schuldner der Strafe“

    Über den Zustand der Seelen im Purgatorium (Fegefeuer) referierte der St. Pöltener Dogmatiker Michael Stickelbroeck. Er erläuterte die Notwendigkeit der postmortalen Läuterung, weil der Himmel voraussetze, mit der Sünde gebrochen und alle ungeordneten Neigungen überwunden zu haben, sodass die Seele verändert und umgewandelt für die alles Unreine ausschließende Liebe Gottes bereitet sei. Der heilige Thomas habe gelehrt, dass der Mensch für die auf Erden nicht zu Ende geführte Reinigung „Schuldner der Strafe“ bleibe und eine Reinigung nötig habe. Zur Genugtuung für moralische Schuld komme die Begradigung ungeordneter Anhänglichkeiten an geschaffene Dinge, die Umwandlung des sündigen Menschen, wobei die Strafe im Fegefeuer als passio erlebt werde. Stickelbroeck betonte, dass es eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Seelen im Läuterungszustand gäbe, sodass die lebenden Gläubigen durch Messopfer, Gebete, Almosen und andere Werke den Seelen im Fegefeuer helfen könnten. Der Referent beschrieb den Status der nach dem Tod vom Leib getrennten Seele.

    Der emeritierte Augsburger Dogmatiker Anton Ziegenaus besprach das „unangenehme Thema der Hölle“. Die Hölle sei als ewige Verdammnis nicht erklärbar und ein Mysterium: „Wann immer wir die Hölle bedenken, werden wir nicht so leicht in sie hineinfallen“, denn „die Furcht vor der Hölle soll uns mehr umtreiben als die Furcht vor dem leiblichen Tod.“ Ziegenaus kritisierte die von Origenes vertretene Lehre der Apokatastasis, die Lehre von der doppelten Vorherbestimmung zum Heil oder zur Verdammnis und widerlegte Annahmen wie die Behauptung, dass die Existenz der Hölle aus der Frohbotschaft eine Drohbotschaft mache und die Feststellung, jemand, der mit der Möglichkeit einer Hölle für jemand rechne, könne nicht lieben. Kirchlich sei von keinem Menschen mit Gewissheit festgestellt, dass er in der Hölle sei.

    Die Bedeutung der Auferstehung der Toten erläuterte Joseph Schuhmacher aus Freiburg. Die Auferstehung Jesu, so Schuhmacher, sei ein Modell der allgemeinen Auferstehung der Toten. Schuhmacher entfaltete die Entwicklung des Glaubens an die Auferstehung von den Toten im Alten Testament und legte des Wesen der Auferstehung dar, welche den ganzen Menschen mit Leib und Seele betrifft. Der irdische Leib verhalte sich zum Auferstehungsleib wie die Wurzel zu Blättern oder wie die Raupe zum Schmetterling. Schuhmacher widerlegte sowohl die Ganztodtheorie Karl Barths als auch die Theorie von der Auferstehung im Tod, welche auf das katholische Denken Einfluss genommen haben. Er beklagte, dass man bei der Beisetzung nicht mehr von der Seele und vom Requiem spreche. Verschiedene Formen der Neuinterpretation der allgemeinen Auferstehung der Toten führten zu einer Auflösung nicht nur dieser einen Wahrheit, sondern der Eschatologie als solcher.

    Peter Düren aus Augsburg warf einen kritischen Blick auf die Totenliturgie und Beerdigungsriten. Er betonte, dass man Christen so bestatte, wie Christus bestattet wurde. Da der Leichnam Jesu ins Grab gelegt wurde, sei die Erdbestattung nach wie vor angemessener Ausdruck des Glaubens an die Auferstehung des Fleisches. Die Feuerbestattung, die einen hinduistischen Ursprung habe und früher als Ausdruck der Ablehnung des Auferstehungsglaubens praktiziert wurde, sei mittlerweile erlaubt, aber nicht angemessen. In seinen Ausführungen wurden Defizite im Beerdigungsritus deutlich, die ihre Wurzel im Glaubensschwund haben. Düren erläuterte auch eine große Anzahl von „modernen Bestattungsformen“ wie etwa das Aufstellen der Urne zu Hause, eine Seebestattung, die Einarbeitung von Asche in Amulette oder ein „Recycling“ in Bleistiften.

    Erzbischof Mieczyslaw Mokrzycki aus Lemberg führte durch seinen Besuch bei der Sommerakademie die Tradition seines Vorgängers Kardinal Marian Jaworski fort. Der ehemalige Papstsekretär legte in einem Diskussionsabend die Verhältnisse in der Ukraine dar und dankte dem Motor der Sommerakademie, Prälat Franz Breid, für die vielfältige Unterstützung beim kirchlichen Wiederaufbau. Er wies in seiner Predigt auf die Notwendigkeit hin, dem Willen Gottes mit Unbedingtheit zu folgen. Man solle nicht bleiben, wie man ist, nicht klagen über das Schlechte, sondern die Bereitschaft zu einem neuen Anfang haben und versuchen, Menschen durch das eigene, gute Handeln zu erreichen. Die nächstjährige Internationale Theologische Sommerakademie (von 26. bis 28. August 2013) wird als Jubiläumsakademie unter dem Titel „Christus gestern, heute und in Ewigkeit“ stehen.