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    Aus den Zeitschriften

    Was tun Menschen, die auf religiöse Weise sprechen, das heißt beten? Mit dieser Frage beginnt der katholische Religionsphilosoph Richard Schaeffler seine Analyse der religiösen Sprache, die sich auch als Weg zu einer Phänomenologie der Religion insgesamt erweist. Schaefflers Aufsatz ist die gewichtigste Grundlagenstudie im Themenheft „Gebet“ der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio (6/2008 Schwabenverlag Ostfildern). Die Anrufung des „heiligen Namens“, verbunden mit der Erinnerung an vergangene Heilstaten Gottes, der gegenwärtigen Begegnung und der Hoffnung auf die zukünftige Zuwendung, bestimmen für Schaeffler das Gebet. Zentrale Begriffe der religiösen Sprache sind Parusie (sich ereignende wirksame Gegenwart Gottes in der Namensanrufung), Hierophanie (wirksames Erscheinen der Gottheit) und Transfiguration (alltägliche Erfahrungen werden „durchscheinend“ auf das Göttliche hin). Darum gilt: „Der Beter findet ,seinen Gott‘ nur, sofern er zugleich ,seine Welt‘ auf spezifisch religiöse Weise sehen lernt.“ Zentrales Gottesprädikat ist die „Heiligkeit“. Darum ist für Schaeffler Ursprung und Ziel allen Betens die „Heiligung des Namens.“ Die Verherrlichung Gottes ist dann die Antwort des Menschen auf das „Aufscheinen der göttlichen Herrlichkeit“, und in seiner Antwort gewinnt der Mensch Anteil an diesem Aufleuchten. Wobei Schaeffler darauf aufmerksam macht, dass die Herrlichkeit Gottes immer größer ist als die verherrlichende Antwort des Beters.

    Was tun Menschen, die auf religiöse Weise sprechen, das heißt beten? Mit dieser Frage beginnt der katholische Religionsphilosoph Richard Schaeffler seine Analyse der religiösen Sprache, die sich auch als Weg zu einer Phänomenologie der Religion insgesamt erweist. Schaefflers Aufsatz ist die gewichtigste Grundlagenstudie im Themenheft „Gebet“ der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio (6/2008 Schwabenverlag Ostfildern). Die Anrufung des „heiligen Namens“, verbunden mit der Erinnerung an vergangene Heilstaten Gottes, der gegenwärtigen Begegnung und der Hoffnung auf die zukünftige Zuwendung, bestimmen für Schaeffler das Gebet. Zentrale Begriffe der religiösen Sprache sind Parusie (sich ereignende wirksame Gegenwart Gottes in der Namensanrufung), Hierophanie (wirksames Erscheinen der Gottheit) und Transfiguration (alltägliche Erfahrungen werden „durchscheinend“ auf das Göttliche hin). Darum gilt: „Der Beter findet ,seinen Gott‘ nur, sofern er zugleich ,seine Welt‘ auf spezifisch religiöse Weise sehen lernt.“ Zentrales Gottesprädikat ist die „Heiligkeit“. Darum ist für Schaeffler Ursprung und Ziel allen Betens die „Heiligung des Namens.“ Die Verherrlichung Gottes ist dann die Antwort des Menschen auf das „Aufscheinen der göttlichen Herrlichkeit“, und in seiner Antwort gewinnt der Mensch Anteil an diesem Aufleuchten. Wobei Schaeffler darauf aufmerksam macht, dass die Herrlichkeit Gottes immer größer ist als die verherrlichende Antwort des Beters.

    Vom Alttestamentler Erich Zenger erhält der Leser eine kleine Einführung in den Psalter. „Faszinierende Konkretheit und Unbestimmtheit zugleich“ kennzeichnen für Zenger die poetische Bildsprache der Psalmen. Der Beter betritt mit dem Psalm einen Weg, er lässt sich auf einen Prozess ein, der ihn verwandelt. Von allen Psalmengattungen ist die Gruppe der Klage- und Bittpsalmen die größte. Bis auf Psalm 88 enden sie alle mit dem Ausdruck des Gottvertrauens und einem Dankversprechen. Der Psalter hat eine mehr als einhundertjährige Entstehungszeit und seine Endgestalt nennt Zenger ein „kunstvolles Buchganzes“. Leider geht der Verfasser nicht auf die Legitimität der christologischen Psalmenauslegung bei der Darstellung dieses „faszinierenden Meditationsbuches“ ein und belässt es bei sehr vagen Andeutungen: „Alles ist offen auf Durchblicke und weitergreifende Einsichten hin ...“

    Auf die implizite Christologie, die das Vaterunser enthält, geht der Neutestamentler Thomas Söding ein: „Jesus nimmt seine Jünger (und alle, die es werden wollen) so in sein Gebet hinein, dass er ihnen die Erhörung ihrer Bitten zusagt. Er lässt sie als derjenige an seiner Gottesbeziehung teilhaben, der Gottes Name heiligt, ...“ Söding erklärt auch den Ursprung der Schlussdoxologie des Vaterunser „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit Amen“: Luther hat sie aus dem Neuen Testament des Erasmus von Rotterdam entnommen. Erasmus entnahm die Doxologie einer byzantinische Quelle. Ein „wahrhaft ökumenisches Ereignis, jenseits des ursprünglichen Textes“ nennt Söding den Weg, den die Doxologie dann in die katholische Liturgie genommen hat. Man hätte sich allerdings seinerzeit auch im ökumenischen Geist auf die trinitarische Doxologie des byzantinischen Ritus einigen können: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, Vater Sohn und Heiliger Geist ...“

    Ursprung und Charakter der Gebetspraxis von Taizé erläutert Frere Richard in seinem Beitrag. In der Anfangsphase wurden in dem Kreis um Frere Roger die Psalmen und Choräle der reformierten Tradition gesungen. Bald sang man den Psalter in der Übersetzung und nach den Vertonungen des Jesuiten P. Joseph Gelineau. Die Entscheidung für die Mehrstimmigkeit orientiert sich dabei, wie Frere Richard selbst einräumt, an der Ostkirche: „Die Mehrstimmigkeit gibt dem gesungenen Gebet eine Tiefe und Weite, wie man sie auch in der slawischen Orthodoxie eindrücklich miterleben kann.“ Da Frere Roger die Gäste nicht vom gemeinsamen Gesang der Brüder ausschließen wollte, habe er sehr viel Wert auf Kürze und leichte Erlernbarkeit gelegt. Zugleich habe man dabei das Gesetz der Wiederholung entdeckt: „Wer mit kurzen Gesängen eine Gebetszeit ausfüllen will, muss die Gesänge lange wiederholen.“ Um keine Sprache zu bevorzugen, habe man sich sehr früh auf das Latein zurückbesonnen.

    Ein weiteres Gesetz der Liturgie von Taizé ist der leere Altarraum außerhalb der Eucharistiefeier: „Auch wenn die Kirche übervoll ist, bleibt der Chorraum leer. Keiner steht da vorn, und doch sind alle Blicke nach vorn gerichtet.“ Es ist eigentlich verwunderlich, dass sogenannte Jugendgottesdienste dieses Modell selten übernehmen. Im Gegenteil, es scheint, dass der Aktionismus dort besonders ausgeprägt ist und der Anbetung eher weniger Raum eingeräumt wird. Das Erfolgsmodell Taizé geht da einen völlig anderen Weg, wie Frere Richard deutlich macht: „Die Beschränkung auf wenige Texte und einfache Gesänge hat einen tiefen, vielleicht zukunftsweisenden Sinn. Denn immer mehr Menschen suchen heute in der Kirche in erster Linie Ruhe bei Gott. Im einfachen Gebet können sie sich ohne lange Vorbereitung für Gottes Gegenwart öffnen, auch wenn sie für reichere liturgische Formen und Predigten erst noch bereit werden müssten.“ Zur Feier der Auferstehung Jesu werden an den Samstagabenden zur Vigil Kerzen ausgeteilt in derer Schein die wenigen Ikonen „wie offene Fenster“ erscheinen.

    Eine sehr gute Zusammenfassung der Hinwendung des Schriftstellers Ernst Jünger zum Christentum beziehungsweise zur katholischen Kirche hat Rainer Wassner in den Stimmen der Zeit (1/2009 Verlag Herder Freiburg) veröffentlicht. In der Erzählung „Auf den Marmorklippen“ (1939) erscheint der Pater Lampros als Verkörperung aller Ideale des Christentums. Bereits 1933 hatte der bis dahin streng nationalkonservative, evangelisch getaufte Jünger, eingestanden: „Ich kam im Laufe der Jahre zu dem Ergebnis, dass im Christentume sich auch heute noch gewaltige Reserven verborgen halten ...“ In der positiven Rezension eines Romans von Georges Bernanos (1929) lobte Jünger die Bindung an das Absolute als Wesensmerkmal des katholischen Glaubens. Für Wassner ist Jünger den Weg der radikalen Abkehr von der Moderne gegangen. Seine neue Perspektive setzt die Abkehr von „Bequemlichkeit, Nutzen, Gewohnheit und vor allem von der Verfügbarkeit der Welt“ voraus. In seiner Abhandlung „Der Friede“ (1943) sieht Jünger für die Kirche eine bedeutsame Rolle vor: „Die wahre Besiegung des Nihilismus und damit der Friede wird nur mit Hilfe der Kirchen möglich sein.“ Allerdings müssten die Kirchen sich erst noch geistig für den Kampf gegen die Moderne besser rüsten: Durch den Anschluss an die Wissenschaft und deren „Überflügelung nach Pascals Art“, womit er wohl eine christliche Religionsphilosophie als Grundlage der Theologie meint. Im Zeitraum zwischen 1939 und 1949 sieht Wassner die größte Annäherung Jüngers an das Christentum. Allerdings gelte für sein gesamtes literarisches Schaffen: „Immer schwingt alle literarische Produktion um das Kernproblem der Empfänglichkeit für das Absolute, der Zwiesprache mit ihm und der Chiffren, in denen es sich zeige und entschlüsselt werden könne.“ Jüngers zweiter Sohn wurde katholisch getauft. In den 90er Jahren nahm Jünger aktiv am Leben der katholischen Gemeinde seines Wohnortes Wilflingen in Oberschwaben teil. Von seiner Konversion wusste nur seine Ehefrau. Als Ernst Jünger am 17. Februar 1998 im 103. Lebensjahr starb, wurde seine Zugehörigkeit zur Kirche bei der Beerdigung offenkundig. Die Konversion nennt der Verfasser eine „plausible Konsequenz einer lebenslangen intensiven und positiven Berührung mit dem Katholischen“. Michael Karger