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    Aus den Zeitschriften

    In den Stimmen der Zeit (10/2015 Verlag Herder Freiburg i. Br.) wird von drei Seiten die Erwartung an die Synode über „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt heute“ gesteigert. Nach einer Zulassung von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen, wie sie Kardinal Walter Kasper propagiert, sollen weitergehende Vorhaben wie die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften in der Kirche durchgesetzt werden. Der Herausgeber und Chefredakteur Andreas Batlogg beginnt beschwörend: „Nur die bekannten Positionen zu wiederholen, diese – von der Realität der Menschen abstrahierend – zu verteidigen, zu insinuieren, jede Weiterentwicklung sei ein ,Verrat‘ am Wort Jesu oder eine ,Verwässerung‘ der Tradition – das geht an dem vorbei, wofür das Pontifikat von Papst Franziskus, im Letzten auch die Kirche stehen.“ Er fährt dann psychologisierend fort: „Aus Überängstlichkeit wollen kirchliche Autoritäten ,auf Nummer sicher‘ gehen“, um sodann allgemein die Basis der geltenden Glaubenslehre infrage zu stellen, wenn Batlogg behauptet, es gäbe eine „oft recht fragwürdige Berufung auf ,die Tradition‘, ,die Lehre Jesu‘, so als seien diese so eindeutig und unmissverständlich, wie behauptet wird – und auf die Gefahr hin, Menschen zu klassifizieren und abzuurteilen“. Schließlich steigert er sich ins Irrationale hinein, wenn er den Synodenvätern als Handlungsanweisung mitgibt, „dass das Sicherste heute das Wagemutigste sei“. Abgeurteilt als Traditionalisten und Fundamentalisten werden jene ohne „offensive Treue zur Tradition“, denen es „nur um mehr Paragraphen, aber nicht um den Geist Jesu geht“. Warum die Berufung auf die Lehre Jesu fragwürdig sei, führt dann der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber aus: Das Scheidungsverbot Jesu und alle seine Aussagen zur Ehe „haben sichtlich nicht Jahrtausende im Blick (,diese Generation wird nicht vergehen‘), sondern kündigen das sofortig anbrechende Gottesreiches an, ,in dem nicht mehr geheiratet wird‘ (Mk 12, 25)“. Damit will der Verfasser sagen, dass Jesus in der Erwartung der baldigen Endzeit lebte, und da er sich darin geirrt habe, sei auch das Scheidungsverbot hinfällig.

    In den Stimmen der Zeit (10/2015 Verlag Herder Freiburg i. Br.) wird von drei Seiten die Erwartung an die Synode über „Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt heute“ gesteigert. Nach einer Zulassung von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen, wie sie Kardinal Walter Kasper propagiert, sollen weitergehende Vorhaben wie die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften in der Kirche durchgesetzt werden. Der Herausgeber und Chefredakteur Andreas Batlogg beginnt beschwörend: „Nur die bekannten Positionen zu wiederholen, diese – von der Realität der Menschen abstrahierend – zu verteidigen, zu insinuieren, jede Weiterentwicklung sei ein ,Verrat‘ am Wort Jesu oder eine ,Verwässerung‘ der Tradition – das geht an dem vorbei, wofür das Pontifikat von Papst Franziskus, im Letzten auch die Kirche stehen.“ Er fährt dann psychologisierend fort: „Aus Überängstlichkeit wollen kirchliche Autoritäten ,auf Nummer sicher‘ gehen“, um sodann allgemein die Basis der geltenden Glaubenslehre infrage zu stellen, wenn Batlogg behauptet, es gäbe eine „oft recht fragwürdige Berufung auf ,die Tradition‘, ,die Lehre Jesu‘, so als seien diese so eindeutig und unmissverständlich, wie behauptet wird – und auf die Gefahr hin, Menschen zu klassifizieren und abzuurteilen“. Schließlich steigert er sich ins Irrationale hinein, wenn er den Synodenvätern als Handlungsanweisung mitgibt, „dass das Sicherste heute das Wagemutigste sei“. Abgeurteilt als Traditionalisten und Fundamentalisten werden jene ohne „offensive Treue zur Tradition“, denen es „nur um mehr Paragraphen, aber nicht um den Geist Jesu geht“. Warum die Berufung auf die Lehre Jesu fragwürdig sei, führt dann der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber aus: Das Scheidungsverbot Jesu und alle seine Aussagen zur Ehe „haben sichtlich nicht Jahrtausende im Blick (,diese Generation wird nicht vergehen‘), sondern kündigen das sofortig anbrechende Gottesreiches an, ,in dem nicht mehr geheiratet wird‘ (Mk 12, 25)“. Damit will der Verfasser sagen, dass Jesus in der Erwartung der baldigen Endzeit lebte, und da er sich darin geirrt habe, sei auch das Scheidungsverbot hinfällig.

    Damit nicht genug. Im Umkreis der Ehelehre Jesu Christ fänden sich „weitere rigorose Sätze, die schwer wörtlich umzusetzen sind (,Wenn dich deine rechte Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab‘, ,für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde‘, ,vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist‘“). Die durch die Offenbarung geschenkte Gleichstellung von Mann und Frau im Christentum ist darum für den Verfasser auch allein dem „Rigorismus geschuldet“. Zur angeführten Stelle aus dem Markusevangelium 13, 30 genügt zur Richtigstellung, wenn man den gesamten Text liest: „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“

    Darüber hinaus wären mehrere Gleichnisse Jesu völlig unsinnig, wenn man sie von der Naherwartung her interpretieren wollte, sie gehen eindeutig von einer Zeit der Kirche aus, so zum Beispiel das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. Gerade vom Scheidungsverbot her enthüllt im Übrigen die Aufforderung Jesu „Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab“ (Mk 9, 34) ihren tiefen Sinn: Wenn ein Ehemann sich in eine andere Frau verliebt und in ihr alle Wünsche seines Lebens erfüllt sieht und sich dann um seines Eheversprechens willen mit aller Gewalt von dieser Frau losreißt, so empfindet er dies wie eine Selbstamputation. Objektiv gesehen macht er sich frei von seinen momentanen Gefühlszuständen, die ihn überwältigt haben und sagt erneut Ja zur ehelichen Gemeinschaft, die darin besteht, dass er dem Partner den Anspruch eingeräumt hat, von ihm die Treue erwarten zu dürfen. Dem will er entsprechen, koste es auch den Verzicht auf viele erfüllende Momente und mögliche Selbstverwirklichung. Dies ist die Erfahrung, dass sich der Eros im Kreuz vollendet. So nimmt die Ehe Teil am österlichen Geheimnis von Kreuz und Auferstehung. Gerne verwendet Papst Franziskus das Bild vom offenen Feldlazarett, wo die Kirche das Salböl der Barmherzigkeit auf die Wunden gießt. In den Feldlazaretten der Schlacht von Waterloo beispielsweise konnten die Ärzte Leben oftmals nur mit der Amputationssäge retten. Wenn die Kirche im Auftrag Jesu die Ehepartner darauf verpflichtet, an dem freien gegenseitigen Jawort, zu dem sie sich gegenseitig vor Gott verpflichtet haben, festzuhalten, so schließt dies die Bereitschaft zu „Selbstamputationen“ ein, einem Opfer in der Kreuzesnachfolge, bei dem es zugleich auch um das ewige Heil geht: „Es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen.“

    Darum ist dem katholischen Philosophen Robert Spaemann zuzustimmen, wenn er schreibt: „Die katholische Kirche hätte allein Grund, in der Nachfolge Jesu mit Stolz dem Zeitgeist die Stirn zu bieten, statt nach Schlupfwinkeln Ausschau zu halten, die die Botschaft verwässern.“ Was die Aussage vom Rigorismus im Zusammenhang mit der Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe nach dem Modell Jesu betrifft, so kann man nur sagen, dass gerade das Christentum herausstellt, dass der Personbegriff dem Menschen das zuspricht, was sein Menschsein ausmacht, nämlich einem anderen einen Anspruch über mich selbst einzuräumen, der darin besteht, dass er von mir etwas erwarten darf.

    Von einer dritten Seite her geht der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer heran. Er will mit „konzilstheologischen Argumenten“ das Lehramt von Papst Franziskus mit seinem „wesentlich pastoralen Charakter“ stützen. In einseitiger Weise beruft sich der Verfasser dabei auf das Vorwort der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“. Im Hintergrund steht die These des Dominikanerpaters Marie-Dominique Chenu von der Aufhebung der Trennung von Dogma und Pastoral. Der pastorale Charakter des Dogmas selbst werde in „Gaudium et spes“ als dem Dokument, auf das das ganze Konzil zugelaufen sei, als neuer hermeneutischer Schlüssel zur Wahrheitsfindung verstanden. Bereits in der nachkonziliaren Euphorie der Anpassung und der Weltumarmung wurden die dogmatischen Texte des Konzils nur als Vorbereitung des Weges zu „Gaudium et spes“ verstanden, mit dem sich dann alle irrationalen Hoffnungen auf den Fortschritt in der Kirche verbunden hatten. Demgegenüber muss das Konzil als Ganzes und vor allem von seinen zentralen Texten her verstanden werden.

    Merkwürdig ist, dass der Verfasser die Pastoralkonstitution heranzieht, um aus ihr eine neue Hermeneutik abzuleiten, die auch für die Familiensynode neue „Spielräume“ öffnen soll, ohne einmal die eindeutigen Aussagen von „Gaudium et spes“ über die Ehe zu zitieren. Dort heißt es: „Daher stellt das Konzil bestimmte Abschnitte der kirchlichen Lehre mit größter Klarheit heraus. Es will damit die Christen sowie alle Menschen belehren und bestärken, welche die ursprüngliche Würde des Ehestandes und seinen hohen und heiligen Wert zu schätzen und zu fördern suchen.“ Weiter heißt es: Die Liebe der Eheleute „wird durch gegenseitige Treue bestätigt und in besonderer Weise durch Christi Sakrament geheiligt; sie besagt in Glück und Leid eine unauflösliche Treue dem Tun und der Haltung nach. Sie stellt sich somit jedem Ehebruch und jeder Ehescheidung entgegen“.