• aktualisiert:

    Aus den Zeitschriften

    In diesem Jahr feiert die deutsche Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ihr vierzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand im März ein Symposium im Erbacher Hof in Mainz statt. Im jüngsten Heft der Zeitschrift (3/2012 Schwabenverlag Ostfildern) werden die Referate der Tagung, um einige Beiträge erweitert, abgedruckt. Zur Tagung schrieb Papst Benedikt, Gründungsmitglied der Zeitschrift, ein Grußwort, in dem er an die Anfänge des 1972 gegründeten Unternehmens erinnerte: „Der Plan dazu war ... in der Internationalen Theologenkommission gewachsen, die seit 1969 jährlich zusammentritt und die Arbeit der Theologen mit dem Wirken des Lehramtes in Berührung bringen möchte. In vielen Gesprächen zwischen Hans Urs von Balthasar, Henri de Lubac, Louis Bouyer, Marie-Joseph Le Guillou und anderen kristallisierte sich langsam die Idee für eine internationale Zeitschrift heraus, die in der herrschenden Verwirrung Maßstäbe setzen und zugleich damit einer lebendigen Aneignung der Hinterlassenschaft des II. Vatikanischen Konzils dienen sollte.“ Im Blick auf das damalige Zeitgeschehen spricht der Papst vom „Tsunami der 68er Jahre“, der die gesamte westliche Welt erfasste. Zur Programmatik der Gründerväter sagt Papst Benedikt: „Gewiss grundlegend für die Zeitschrift musste das Licht sein, das vom Wort Gottes kommt und nicht im Irgendwo scheint, sondern in der Kirche seinen originären Ort hat. Insofern musste die Auseinandersetzung um die Vergegenwärtigung des Glaubens und um sein rechtes Verstehen zentral sein. Aber wir mussten über den Rand der Theologie hinausschauen in die wesentlichen Bereiche menschlicher Existenz, in denen sich Glaube konkretisiert.“

    In diesem Jahr feiert die deutsche Ausgabe der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio ihr vierzigjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand im März ein Symposium im Erbacher Hof in Mainz statt. Im jüngsten Heft der Zeitschrift (3/2012 Schwabenverlag Ostfildern) werden die Referate der Tagung, um einige Beiträge erweitert, abgedruckt. Zur Tagung schrieb Papst Benedikt, Gründungsmitglied der Zeitschrift, ein Grußwort, in dem er an die Anfänge des 1972 gegründeten Unternehmens erinnerte: „Der Plan dazu war ... in der Internationalen Theologenkommission gewachsen, die seit 1969 jährlich zusammentritt und die Arbeit der Theologen mit dem Wirken des Lehramtes in Berührung bringen möchte. In vielen Gesprächen zwischen Hans Urs von Balthasar, Henri de Lubac, Louis Bouyer, Marie-Joseph Le Guillou und anderen kristallisierte sich langsam die Idee für eine internationale Zeitschrift heraus, die in der herrschenden Verwirrung Maßstäbe setzen und zugleich damit einer lebendigen Aneignung der Hinterlassenschaft des II. Vatikanischen Konzils dienen sollte.“ Im Blick auf das damalige Zeitgeschehen spricht der Papst vom „Tsunami der 68er Jahre“, der die gesamte westliche Welt erfasste. Zur Programmatik der Gründerväter sagt Papst Benedikt: „Gewiss grundlegend für die Zeitschrift musste das Licht sein, das vom Wort Gottes kommt und nicht im Irgendwo scheint, sondern in der Kirche seinen originären Ort hat. Insofern musste die Auseinandersetzung um die Vergegenwärtigung des Glaubens und um sein rechtes Verstehen zentral sein. Aber wir mussten über den Rand der Theologie hinausschauen in die wesentlichen Bereiche menschlicher Existenz, in denen sich Glaube konkretisiert.“

    Für die Theologie waren die Herausgeber Hans Urs von Balthasar, Karl Lehmann und Joseph Ratzinger zuständig. Hinzu kamen der Politologe Hans Maier, der Psychologe Albert Görres und der Kommunikationswissenschaftler Otto B. Roegele.

    Zur Entstehungsgeschichte der deutschsprachigen Ausgabe, die mit der italienischen zuerst erschienen ist, macht auch der Mitbegründer Hans Maier einige Anmerkungen. In seinem Rückblick auf die nachkonziliare Entwicklung in Deutschland kritisiert Maier den Entzug der Lehrerlaubnis im Fall Küng: „Lehrbeanstandungsverfahren gegen einzelne Theologen (wie später gegen Hans Küng und Eugen Drewermann) erwiesen sich rasch als problematisch. Sie führten nur zu neuen Gruppen-Solidarisierungen und verschärften den Streit.“ Weder will Maier die unakzeptablen Annahmen von Küngs Christologie sehen, noch die die Kirche zersetzenden Absichten des Tübinger Professors erkennen. Maier versteht die Gründung der Zeitschrift als Beitrag zur Versachlichung der aufgeheizten innerkirchlichen Atmosphäre: „Eine neue Zeitschrift konnte den Streit der theologischen Protagonisten ... gewiss nicht einfach auflösen. Aber sie konnte ein Forum werden für den redlichen und gezügelten Austrag ihrer Kämpfe – eine Basis für die Entfaltung der neu zu erlernenden kirchlichen Streitkultur.“

    Aus der Autobiografie von Papst Benedikt kann man demgegenüber entnehmen, dass es Hans Urs von Balthasar um deutlich mehr ging als um ein bloßes Diskussionsforum: „Es ging ihm darum, alle diejenigen zu sammeln, die Theologie nicht aus vorgefassten kirchenpolitischen Zielsetzungen heraus treiben wollten, sondern ganz streng von ihren Quellen und ihren Methoden her zu arbeiten entschieden waren. So entstand der Gedanke einer Internationalen Zeitschrift, die aus der Communio in Sakrament und Glaube heraus wirken und in sie hineinführen sollte.“

    Maier weist zu Recht darauf hin, dass es Balthasar mit der neuen Zeitschrift auch um eine Antwort auf die Zeitschrift „Concilium“ ging, die er „verdächtigte“, dass sie „zu einem Kampfblatt der Progressivsten“ werde. Hans Küng versuchte in der Tat, mit „Concilium“ das „Konzil der Theologen“ zu institutionalisieren: Experten aus allen Fachbereichen sollten die seiner Meinung nach auf dem Konzil durch Kompromisse uneindeutig gebliebenen sowie alle nicht verwirklichten Reformvorhaben entschieden anpacken und die Bischöfe publizistisch vor sich hertreiben. Joseph Ratzinger, Autor in der ersten Nummer von „Concilium“, hat sich sehr schnell von diesem Projekt distanziert. Nach Maier war es „seine Kenntnis der – katholischen wie evangelischen – Gegenwartstheologie“, die „ihm (Balthasar) selbst und auch Ratzinger eher fernlag“, der Karl Lehmann seine Aufnahme in das Herausgebergremium von „Communio“ verdankt hat.

    Nichts gegen Lehmanns Kenntnisse, aber selbst ein nur oberflächlicher Blick in den Anmerkungsteil der Publikationen von Balthasar und Ratzinger macht die Unhaltbarkeit dieser Behauptung offenbar. Wer die tendenziöse Darstellung von Papst Benedikt XVI. in Maiers Autobiografie gelesen hat, wird sich allerdings über diese Verzeichnung nicht mehr wundern.

    Nach seiner Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation war Kardinal Ratzinger aus dem Herausgebergremium, das auch zugleich das Redaktionsteam war, ausgeschieden. Von Anfang an sollte „Communio“ keine reine theologische Fachzeitschrift sein, sondern auch das Erbe der Kulturzeitschrift „Hochland“ (1903–1971) antreten. Es waren der letzte Chefredakteur von „Hochland“, Franz Greiner und die vier ehemaligen „Hochland“-Autoren Balthasar, Maier, Roegele und Ratzinger, die „Communio“ gegründet haben. Leider hat die Zeitschrift inzwischen durch das Verblassen der Gründungsideale stark an Profil verloren.

    In den Stimmen der Zeit (8/2012 Verlag Herder Freiburg) geht die Literaturwissenschaftlerin Claudia Stockinger in rabiater Weise gegen den Schriftsteller und Träger des Büchner-Preises Martin Mosebach vor. Der Frankfurter Romancier und Essayist ist der einzige Gegenstand ihres „Nachrufs“ auf den „Feuilletonkatholizismus“. Darunter versteht die Göttinger Germanistin „die paradoxe Faszination sowohl für eine hinterwäldlerisch anmutende, muffig verstaubte Antimoderne“ sowie für „elitäre Praktiken“ und das „Interesse an überkommenen Formen, die für wahrer, heiliger, schöner gehalten werden als die im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils reformierte Liturgie“. Der Verfasserin geht es nicht um Mosebachs Beitrag zur deutschen Gegenwartsliteratur, sondern um ideologischen Kirchenkampf. Mangels theologischer, aber auch germanistischer Kompetenz hat sie sich dabei allerdings schwer verhoben. Sie unterstellt Mosebach, dass er in seiner Aufsatzsammlung „Häresie der Formlosigkeit“ (2002) die Liturgie der Kirche unter dem Gesichtspunkt ihrer Schönheit verteidigt und sich zugleich gegen den Vorwurf des Ästhetizismus zur Wehr setzt. Wobei es sich doch nach Ansicht von Stockinger beim Thema Liturgie so verhält, „dass theologisch gesehen, die Liturgie Instrument des Gottesdienstes ist, für sich selbst aber nichts gilt“. Zur Stützung dieser merkwürdigen These wird nun der heilige Benedikt herangezogen: „Nichts soll dem Gottesdienst vorgezogen werden, heißt es in der Regel des heiligen Benedikt, auch nicht die Liturgie.“ Würde diese rein spiritualistische Interpretation der Benediktsregel tatsächlich gelten, müsste man sich fragen, warum überhaupt noch jemand in der Morgenfrühe zum Stundengebet erscheint, wenn man doch den Gottesdienst auch vollziehen kann, ohne am Gottesdienst teilzunehmen. Mit dieser dialektischen Argumentation macht die Verfasserin jede liturgische Handlung zum Ästhetizismus beziehungsweise überflüssig.

    Aber es kommt noch besser: Mosebachs Eintreten für die Opfertheologie, wie sie in den liturgischen Texten der römischen Liturgie zum Ausdruck kommt, gerät unter Häresieverdacht: „Es gehört zur Tragik von Mosebachs Bekenntnis, das sich für die Rechtgläubigkeit der eigenen als einer allgemeinen (das heißt katholischen) Position einsetzt, dass die damit eigenmächtig vollzogene Wendung gegen die gültige katholische Lehre selbst die Gefahr der Häresie birgt.“ Begründung der Literaturprofessorin: „In diesem Verständnis der Liturgie zeichnet das Opfer (und nicht die Liebe Gottes, die eines Opfers nicht bedarf) für die Erlösung des Menschen verantwortlich, sublimiert in der Kunst.“ Nun entspricht allerdings die obige Leugnung der Heilsnotwendigkeit des Kreuzesopfers, in der die Liebe Gottes ihren höchsten Ausdruck gefunden hat, keineswegs der Lehre der Kirche. Wie nicht anders zu erwarten, wird der Autor der „Häresie der Formlosigkeit“ wegen erwiesenem Fundamentalismus anschließend abgeurteilt. Die Urteilsbegründung lautet: „Er nimmt eine per definitionem als fundamentalistisch zu bezeichnende Haltung ein und wendet sich damit zugleich gegen die katholische Kirche selbst, der er als der ,offiziellen‘ Kirche vorwirft, in den 60er Jahren, einen ,Angriff‘ gegen die Göttliche Liturgie gestartet zu haben.“

    Die Glaubenswächterin sollte allerdings nicht versäumen, auch gleich den Papst zu verurteilen. Hat doch Benedikt XVI. in seinen Erinnerungen zum fast vollständigen Verbot des alten Missale anlässlich der Veröffentlichung des Missales Pauls VI. geschrieben: „Das nun erlassene Verbot des Missale, das alle Jahrhunderte hindurch seit den Sakramentaren der alten Kirche kontinuierlich gewachsen war, hat einen Bruch in die Liturgiegeschichte getragen, dessen Folgen nur tragisch sein konnten.“

    Im übrigen scheint die „offizielle Kirche“ Frau Stockingers militante Ausgrenzung des Schriftstellers Mosebach aus der Kirche nicht zu folgen. Mosebach war auf persönliche Einladung von Kardinal Marx der Festredner beim diesjährigen Aschermittwoch der Künstler in München. Frau Stockinger holt nochmals aus und sagt: „Die antikirchliche Haltung dieses ästhetischen Katholizismus ... bestätigt sich auch in Mosebachs Bekenntnis ,Animist‘ zu sein, also die Beseelung der anorganischen und organischen Natur anzunehmen.“ Damit habe sich Mosebach als Vertreter der modischen „Patchwork-Religion“ entlarvt, der „problemlos Elemente des vorvatikanischen Katholizismus mit bevorzugt magischen Elementen von Naturreligionen kombiniert“ sowie sich durch eine „elitäre Kultpraxis“ verdächtig macht. Eigentlich geht es dabei um Folgendes: Mosebach erweitert das Glaubensbekenntnis um den Satz: „Ich glaube daran, dass mir die Eindrücke meiner Augen und Ohren treffende Nachrichten über die Wirklichkeit geben.“

    Dieses Bekenntnis ist darum so wichtig, weil die heutige Neurowissenschaft und die Evolutionsbiologie dabei ist, uns unsere menschliche Wirklichkeitserfahrung wegzuerklären. Darum nennt sich Mosebach einen „Animisten“: „... höre ich das Lied der Amsel am Abend, das bekanntlich gar kein Lied, sondern eine die Evolution begünstigende Geräuschentfaltung ist, und den fernen Klang der Kirchenglocke, bei der eine Maschine den Klöppel auf ein Stück Bronze haut, als eine mir bestimmte, wenn auch unentschlüsselbare Nachricht.“

    Daraus folgert Mosebach: „Ich stehe auf der tiefsten Stufe der Menschheitsgeschichte. Ich bin Animist.“ Von einer Professorin für Neuere deutsche Literatur darf man wohl kein Vorwissen in Erkenntnistheorie erwarten, wohl aber die Kenntnisse der Ästhetik, Naturphilosophie und Geschichtsphilosophie der Romantik. Ist das Gedicht „Schläft ein Lied in allen Dingen,/ Die da träumen fort und fort,/ Und die Welt hebt an zu singen,/ Triffst du nur das Zauberwort” Animismus? War der katholische Dichter Eichendorff ein Animist? Dann sind Dante, Calderon, Shakespeare, Goethe, Tieck und Novalis auch Animisten!

    Mosebach befindet sich also mit seinem „Animismus“ in bester abendländischer Gesellschaft. Wie sich die Mittelaltersehnsucht der Romantiker nicht auf eine reale Geschichtsepoche bezog, sondern auf die Wiedergewinnung all dessen, was mit der anbrechenden Moderne verloren zu gehen drohte, so ist das Anliegen Martin Mosebachs, die Kirche auf schwerwiegende Verluste aufmerksam zu machen, die seiner Meinung nach ihr Wesen und damit ihre Sendung in der Welt gefährden. Darum wäre es für die Kirche verhängnisvoll, Mosebach nicht anzuhören. Abschließend unterstellt die Verfasserin Mosebach noch, dass er eigentlich keine Überzeugung hat, an der er unbedingt festzuhalten gewillt ist, sondern dass es ihm „eigentlich“ nur um einen „Standortvorteil“ gehe, um „auf dem Markt der Möglichkeiten eine Aufmerksamkeit sichernde Position zu besetzen.“ Der beschämende und theologisch indiskutable Versuch, Mosebach zu diskreditieren, entspricht nicht den argumentativen Mindestanforderungen, die man von einer theologischen Zeitschrift des Jesuitenordens erwarten darf. Michael Karger