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    Aufstand der Alten

    Augsburg (DT/KNA) Auch in der katholischen Diözese Augsburg gibt es jetzt eine Protestinitiative von Priestern. Am Freitag traten 43 Welt- und Ordenspriester mit einer namentlich unterzeichneten Erklärung an die Öffentlichkeit und warben für Reformen. „Die verweigerte Erneuerung bringt unsere Verkündigung in Misskredit.“ Mit ihrem Schritt wollten sie vor allem diejenigen ermutigen, „die sich kaum mehr in der jetzigen Form der Kirche beheimatet sehen“.

    Augsburg (DT/KNA) Auch in der katholischen Diözese Augsburg gibt es jetzt eine Protestinitiative von Priestern. Am Freitag traten 43 Welt- und Ordenspriester mit einer namentlich unterzeichneten Erklärung an die Öffentlichkeit und warben für Reformen. „Die verweigerte Erneuerung bringt unsere Verkündigung in Misskredit.“ Mit ihrem Schritt wollten sie vor allem diejenigen ermutigen, „die sich kaum mehr in der jetzigen Form der Kirche beheimatet sehen“.

    Die Priester bekennen sich dazu, dass sie wiederverheirateten Geschiedenen in ihren Gemeinden die Kommunion reichen und auch konfessionsverschiedene Ehepaare dazu einladen. Das ist nach dem katholischen Kirchenrecht nicht erlaubt. In ähnlicher Weise hatten Anfang Juni mehr als 100 Freiburger Diözesanpriester öffentlich gemacht, dass sie in ihrer Praxis von den geltenden Normen abweichen.

    Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei die Kluft zwischen dem Lehramt und „der gelebten Wirklichkeit in unseren Gemeinden“ gewachsen, begründen die Augsburger Priester ihre Haltung. Grund sei der „Mangel an synodalen Strukturen“ in der katholischen Kirche. Sie als Seelsorger seien, „geleitet von der Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit des Erlösers Jesus“, zu eigenverantwortlichem Handeln herausgefordert.

    „Initiative als Beitrag zum Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland“

    Die Geistlichen verstehen ihre Initiative als Beitrag zum Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Sie wollten niemanden anklagen, sondern vielmehr ihre Erfahrungen als langjährige Pfarrer und Seelsorger einbringen. Den Brief der deutschen Bischöfe vom 25. September hätten sie „aufmerksam zur Kenntnis genommen“. Sie fühlten sich „in der Bewertung der kirchlichen Situation verstanden“ und seien dankbar für das damit verbundene Gesprächsangebot. Das „freimütige Wort“ dürfe „in aller kirchlichen Loyalität“ dabei nicht zu kurz kommen.

    Der Augsburger Klinikpfarrer Michael Saurler erklärte auf Anfrage, die Gruppe habe sich bisher über keine weiteren Aktionen verständigt, hoffe aber auf ein Gespräch mit Diözesanbischof Konrad Zdarsa.

    „Ein gutes Drittel

    der Unterzeichner

    sind

    Ruhestandspfarrer“

    Auch hätten sich noch nicht alle Unterzeichner miteinander getroffen. Man wolle Solidarität üben untereinander und mit anderen Initiativen im In- und Ausland.

    Zu den Unterstützern der Augsburger Initiative zählen sechs aktive Dekane und Regionaldekane sowie der in Brasilien lehrende bekannte Befreiungstheologe Paulo Süss. Ein gutes Drittel der Unterzeichner sind Ruhestandspfarrer. Saurler sagte, die jüngere Priestergeneration sei in der Initiative bisher noch nicht angemessen vertreten.

    Die Diözese Augsburg erklärte in einer Stellungnahme vom Montag, man sei sich darüber im Klaren, auch in Zukunft unbedingt eine „Pastoral der Nähe“ zu brauchen. Bischof Zdarsa und Generalvikar Harald Heinrich seien auf vielfältige Weise in einem intensiven Austausch mit Priestern und Laien im Bistum, wie dies auch bei der im nächsten Jahrzehnt anstehenden Umsetzung der neuen Raumordnung des Bistum gewährleistet werden könne. Dies betreffe auch die Einbindung von Laien-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Diakonen in die Vielfalt kirchlichen Lebens. Für Bischof Zdarsa sei es erfreulich, „dass sich die Unterzeichner der Priesterinitiative in Vielem von ihm verstanden fühlen“, heißt es in der Stellungnahme.