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    Auf der Suche nach Gott und den Menschen

    Deutsche Vertreter über die zentralen Themen des Weltjugendtags in Panama. Von Kilian Martin

    Pressekonferenz WJT 2019 in Panama
    Jugendbischof Stefan Oster mit den WJT-Teilnehmerinnen Lisa-Marie Meir (links) und Corinna Kowalski. Foto: KNA

    Glaubensfreude und soziale Fragen: Mit gemischten Tönen sind die deutschen Verantwortlichen in den Weltjugendtag (WJT) in Panama gestartet. Diese Tage mit Geist zu feiern bedeute auch, genauer hinzuschauen, betonte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens zum Auftakt am Montag in Panama City. Es habe ihn daher begeistert, „dass die Pilger auch Lust haben, hinter die glitzernden Fassaden zu schauen und zu sehen, wie das Leben auf der anderen Straßenseite ist“. Der WJT in Panama lege schließlich bedeutsame soziale Fragen an den Tag. Mit seinem Fokus auf die Situation der Indigenen im Land stelle er zudem die Bedeutung eines menschenwürdigen Lebens in besonderer Weise heraus, so Jentgens.

    Unterdessen waren bis Montag die ersten 600 der insgesamt 2 300 erwarteten Jugendlichen aus Deutschland begeistert empfangen worden. „Panama empfängt die Pilger aus aller Welt mit offenen und weiten Armen, so wie es für die Menschen in Lateinamerika üblich ist“, berichtete Jentgens. Vor Pressevertretern betonte der Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks der deutschen Bischöfe zugleich, dass sich die Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes in der Vorbereitung auf das Großevent stark verändert habe. In „Säuberungsaktionen“ sei nicht nur das Stadtbild von Müll befreit worden. Laut Jentgens sind auch zahlreiche Obdachlose „in ein Lager gebracht worden, so würden wir sagen, auf der anderen Seite des Kanals, weit weg von hier“.

    Auch deshalb richte speziell die deutsche Delegation ihr Augenmerk beim panamaischen WJT auf die sozialen Fragen der Jugend, betonte auch Jugendbischof Stefan Oster. So hätten etwa zahlreiche Jugendliche die Tage der Vorbereitung auf den Weltjugendtag genutzt, Projekte von Adveniat in Panama und den umliegenden Ländern zu besuchen.

    Für den Passauer Bischof ist das Hauptthema des diesjährigen Weltjugendtags jedoch die Unterstützung von Jugendlichen auf der Suche nach ihrer Berufung. „Wie kann die Kirche eine gute Begleiterin sein für junge Menschen? Und wie können junge Menschen in unserer Kirche Protagonisten gläubigen Lebens sein und werden?“ Es seien die gleichen Fragen, die schon bei der zurückliegenden Jugendsynode im Vatikan zentral waren, so Oster.

    Im Gespräch mit dem Fernsehsender EWTN betonte der Jugendbischof, dass diese auch über den WJT hinaus für die ganze Kirche von zentraler Bedeutung seien: „Haben wir genug Glauben, dass der Herr jeden Menschen beruft, wirklich jeden? Das ist die Frage.“

    Um dies zu unterstützen, habe die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) eigens zwei Begleiter mit nach Panama gebracht, erklärte Paul Metzlaff, der Leiter der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der DBK. Beide sollten als Ansprechpartner „für junge Menschen bereitstehen zum Gespräch über Berufung und ihr Leben“. Damit wolle man den Jugendlichen die Möglichkeit geben, konstruktiv über das eigene Leben nachzudenken und es neu auszurichten, so Metzlaff.

    Auf die Verknüpfung des Glaubenstreffens mit der zurückliegenden Weltbischofssynode wies unterdessen auch der Bundespräses des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Bingener, hin. Der WJT sei in Fragen der Beteiligung der Jugend und ihres Stellenwerts in der Kirche eine Art Praxistest der synodalen Ergebnisse. Besonderes Augenmerk richtete Bingener auf die „Tage der Begegnung“, welche traditionell dem eigentlichen Weltjugendtag vorausgehen. Diese seien sehr erfolgreich verlaufen; „das ist mehr als die halbe Miete“. Dabei hat sich laut Bingener herausgestellt: „Wenn man Jugendliche einfach machen lässt, entsteht Freude und Begeisterung.“

    Dass der BDKJ-Vertreter mit dieser Einschätzung richtig lag, bestätigte Corinna Kowalski umgehend. Die 19-Jährige aus dem Erzbistum Köln hatte die „Tage der Begegnung“ in Panama verbracht und berichtete am Montag begeistert von der freundschaftlichen Begegnung mit Jugendlichen aus aller Welt. Als Beispiel berichtete sie von einem Gebet während eines Ausflugs: „Wir haben im Bus mehrsprachig den Rosenkranz gebetet. Das hat ganz einfach funktioniert. Jeder kennt das Gebet und das verbindet uns miteinander.“

    Begeistert zeigte sich auch die 26-jährige WJT-Teilnehmerin Lisa-Marie Meir. Sie habe vor allem die große Freude der panamaischen Gastgeber überrascht. „Die Entbehrungen, die aufgenommen werden, um uns einen tollen Empfang zu bereiten, sind wirklich unglaublich.“ Darum wolle die junge Frau, bei aller Freude und Euphorie, auch die von Jentgens angesprochenen sozialen Fragen nicht ausblenden. Sie sei in Panama nicht nur zum Feiern, sondern auch, um hinter die Kulissen zu blicken.

    kma

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