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    Antwort und Dienst

    Welche Philosophie jemand vertrete, hat Fichte gesagt, hänge davon ab, „was für ein Mensch man ist“. Ein philosophisches System sei eben kein „toter Hausrat, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebt, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat“. Für den Philosophen Jörg Splett, der am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, heißt Philosophieren Zeugnis geben. Philosophen sind „Liebhaber des Verstehens“ sagt Splett, weil sie „Freunde der Wahrheit sind“. Als Liebhaber der Wahrheit bezeugt er mit seinem Lebenseinsatz, dass sich die Wahrheit uns immer schon im voraus zugewendet hat. Wahrheit leuchtet uns als Licht ein und erhellt die Welt und uns selbst. Nachdenken über das Unvordenkliche ist für Splitt „Denken vor Gott“: Im Licht des Unbedingten trifft uns ein Anspruch. Wir werden angeblickt. Philosophisches Fragen wird so zum Antwort-Geben, zum Zeugnis.

    Jörg Splett Portait
    Jörg Splett. Foto: IN

    Welche Philosophie jemand vertrete, hat Fichte gesagt, hänge davon ab, „was für ein Mensch man ist“. Ein philosophisches System sei eben kein „toter Hausrat, den man ablegen oder annehmen könnte, wie es uns beliebt, sondern es ist beseelt durch die Seele des Menschen, der es hat“. Für den Philosophen Jörg Splett, der am Montag seinen 80. Geburtstag feiert, heißt Philosophieren Zeugnis geben. Philosophen sind „Liebhaber des Verstehens“ sagt Splett, weil sie „Freunde der Wahrheit sind“. Als Liebhaber der Wahrheit bezeugt er mit seinem Lebenseinsatz, dass sich die Wahrheit uns immer schon im voraus zugewendet hat. Wahrheit leuchtet uns als Licht ein und erhellt die Welt und uns selbst. Nachdenken über das Unvordenkliche ist für Splitt „Denken vor Gott“: Im Licht des Unbedingten trifft uns ein Anspruch. Wir werden angeblickt. Philosophisches Fragen wird so zum Antwort-Geben, zum Zeugnis.

    Heute werden Religion und Glaube von der Sinn- und Heilserwartung des Menschen her verstanden. Vom Philosophen Splett können wir die biblische Wahrheit lernen, dass die Sinnspitze des Glaubens die Anbetung des Heiligen ist: „Selbstvergessenheit – jenseits von Frage und Antwort – im Lobpreis seiner Herrlichkeit.“

    Bereits in seiner Antrittsvorlesung an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt 1971 stellte Splett dieses Denken unter den Titel „Anthropo-Theologie“: Menschenkunde und Gotteslehre gehören untrennbar zusammen. Organ der Wahrheitserkenntnis ist der Mensch in seinem Personkern, seinem Gewissen. Bei Splett geht die Gotteslehre von der Sollenserfahrung aus. Darum können Philosophieren und Glauben keine Gegensätze sein. Von hierher erschließt sich auch der letzte Ernst und die Entschiedenheit des Denkens von Splett: Vom Licht des Guten, das uns im Gewissen trifft, geht ein Anspruch aus, vor dem man nicht fliehen soll.

    Schuld thematisiert Splett als Flucht vor der Wahrheit. Zugleich ist Splett der Denker der Trinität. Für ihn ist das christliche Grundwort nicht das vielbeschworene katholische „Und” sondern das „Mit“: „Christlich geht es statt um das Eine um das Mit-Eins.“ Weder das Ich-Du noch das Kollektiv sind Grundmaß von Freiheitserfahrung sondern das „Drei-Gespräch“. Splett, geboren am 29. August 1936 in Magdeburg, war nach seiner Promotion bei Max Müller in München Assistent von Karl Rahner, als dieser den Guardini-Lehrstuhl innehatte. Über seine Emeritierung 2005 hinaus lehrt Splett in Sankt Georgen und an der Hochschule für Philosophie in München. Diesen „Antwort-Dienst“ leistet Splett seit nunmehr 45 Jahren als Hochschullehrer und gefragter Referent in der Erwachsenen- und Priesterbildung.

    An die dreißig Bücher, um die achthundert Aufsätze und weit mehr als fünfhundert wissenschaftliche Rezensionen bezeugen seine unermüdliche Schaffenskraft. Jüngste Anerkennungen waren die Ehrenpromotion der Theologischen Fakultät der Universität Augsburg und die Auszeichnung, die Hemmerle-Professur in Augsburg wahrnehmen zu dürfen (Sommersemester 2016). Seinen Geburtstag feiert Splett, der in Offenbach wohnt, zusammen mit seiner Frau Ingrid und den Familien seiner beiden Söhne.