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    „Antisemitische Ausfälle“

    Warschau/Berlin (DT/KNA) Vor der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben Äußerungen eines polnischen Weihbischofs zum Holocaust für Aufsehen gesorgt. Im Gespräch mit dem italienischen Internet-Portal www.pontifex.roma.it hatte der emeritierte katholische Weihbischof von Sosnowiec, Tadeusz Pieronek (75), gesagt, die Juden benutzten den Holocaust als „Propagandawaffe“. Zudem sagte er in einem Interview der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ (Dienstag), Opfer der Shoah seien „nicht nur Juden“ gewesen; etwas anderes zu behaupten, sei eine Manipulation der Geschichte. Der Geistliche bestritt jedoch eine ihm von dem Internet-Portal zugeschriebene Aussage, der Holocaust sei „eine Erfindung der Juden“. Vielmehr habe er nur darauf hingewiesen, dass der Begriff Holocaust von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel stamme. Das umstrittene Interview habe er nicht autorisiert, sagte Pieronek im polnischen Fernsehen. Er wolle jedoch nicht gegen die Veröffentlichung vorgehen.

    Warschau/Berlin (DT/KNA) Vor der Gedenkfeier zum 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben Äußerungen eines polnischen Weihbischofs zum Holocaust für Aufsehen gesorgt. Im Gespräch mit dem italienischen Internet-Portal www.pontifex.roma.it hatte der emeritierte katholische Weihbischof von Sosnowiec, Tadeusz Pieronek (75), gesagt, die Juden benutzten den Holocaust als „Propagandawaffe“. Zudem sagte er in einem Interview der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ (Dienstag), Opfer der Shoah seien „nicht nur Juden“ gewesen; etwas anderes zu behaupten, sei eine Manipulation der Geschichte. Der Geistliche bestritt jedoch eine ihm von dem Internet-Portal zugeschriebene Aussage, der Holocaust sei „eine Erfindung der Juden“. Vielmehr habe er nur darauf hingewiesen, dass der Begriff Holocaust von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel stamme. Das umstrittene Interview habe er nicht autorisiert, sagte Pieronek im polnischen Fernsehen. Er wolle jedoch nicht gegen die Veröffentlichung vorgehen.

    Der Europäische Jüdische Kongress (EJC) wertete die Äußerungen des ehemaligen Generalsekretärs der Polnischen Bischofskonferenz als Beleg für einen „tiefer liegenden Antisemitismus“, der noch immer unter einigen katholischen Geistlichen in Europa andauere. Das American Jewish Committee (AJC) forderte, der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz solle Pieronek, der in Krakau lebt, disziplinarisch belangen. EJC-Präsident Moshe Kantor nannte am Montagabend die Bemerkungen Pieroneks „hetzerisch“ und „inakzeptabel“. AJC-Geschäftsführer David Harris sagte, die katholische Kirche und der Vatikan müssten die „schändlichen Lügen“ umgehend und uneingeschränkt verurteilen.

    In Deutschland erklärte der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, die katholische Kirche müsse sich mit Antisemitismus in ihren Reihen auseinandersetzen und sich von Antisemiten trennen. „Die antisemitischen Ausfälle in der katholischen Kirche nehmen überhand“, erklärte er in Berlin. In regelmäßigen Abständen bedienten sich kirchliche Funktionsträger in unterschiedlicher Deutlichkeit des alten christlichen Antijudaismus. Pieronek leitet die Krakauer Seligsprechungskommission für Papst Johannes Paul II. und die Konkordatskommission der Bischofskonferenz. Der Alt-Weihbischof der südpolnischen Diözese Sosnowiec war von 1998 bis 2004 Rektor der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau und von 1983 bis 1998 Generalsekretär der Bischofskonferenz.