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    Alle heiligen Flüsse Indiens können nicht, was Jesus kann

    Eine Inderin aus Delhi erzählt in Wien ihre beeindruckende Bekehrungsgeschichte vom Buddhismus zum Katholizismus. Von Benedikt Winkler

    Lotusblume
    Eine Lotusblume in einem Teich in der Nähe des Victoria Memorials in Calcutta. EPA/PIYAL ADHIKARY +++(c) dpa - Bildfunk+... Foto: Piyal Adhikary (EPA)

    Jyotsna Paul wurde nicht christlich erzogen, denn das Sprechen über Religion war ein Tabu in ihrer Familie. Wie ihr Vater, war sie vom Atheismus überzeugt und misstraute allen Religionen, weil sie an das Diktum von Karl Marx glaubte, Religion sei Opium für das Volk. Christen trugen die Hauptlast ihres Hasses, weil sie über einen „einzigen“ Erlöser sprachen. Jyotsna urteilte: „Wie können die Christen allein Recht haben und der Rest der Welt nicht?“ Sie war davon überzeugt, dass katholische Priester von kapitalistischen Ländern in Entwicklungsländer gebracht würden, um arme Stammesvölker zum christlichen Glauben zu locken. Deswegen machte sie es zu ihrer Mission, sich dem Christentum um jeden Preis zu widersetzen.

    In der Schule zählten Sport zu ihren besten Fächern. Doch während ihres Studiums an der Universität von Delhi, ging sie durch eine Reihe von Depressionen. Sie entwickelte einen Minderwertigkeitskomplex, ihre Freunde machten sich lustig über ihre großen Zähne und ihre dunkle Hautfarbe. Schon bald wurde sie immer introvertierter, hatte Suizidgedanken und Migräneschübe. Als sich ihre Situation immer weiter verschlechterte, kam eine ihrer Freundinnen mit einer Lösung zu ihr. Sie erklärte ihr das Konzept von Karma und Wiedergeburt, und meinte, dass ihre jetzigen Probleme das Ergebnis von schlechtem Karma früherer Leben seien. Die Lösung – das Singen von Mantras, um sich dem Lotus Sutra von Gautama Buddha zu übergeben. In den Gesängen wurde kein Gott erwähnt. Langsam begann sie sich in eine Buddhistin zu entwickeln, die Befreiung des unendlichen Kreislaufes von Geburt und Tod suchte, indem sie sich selbst dem Lotus Sutra verschrieb. Dennoch blieb sie nach sieben Jahren ernsthaften Praktizierens depressiv und verletzt.

    Ein „Heilungsdienst“ beeindruckt Jyotsna

    In dieser Zeit, wurde sie von einer christlichen Freundin eingeladen, an etwas teilzunehmen, was sie „Heilungsdienst“ nannte und das von einigen Priestern der katholischen Kirche durchgeführt wurde. Sie erzählte ihr, wie einige Leute, die an diesen Diensten teilnahmen, geheilt worden waren. Jyotsna dachte, dass es wirklich dumm von ihr war, an all diese Geschichten zu glauben. „Leute gehen in Krankenhäuser, um geheilt zu werden, aber nicht zu Priestern. Und selbst wenn einige Personen öffentlich bezeugten, dass sie geheilt wurden, dann wurden diese Leute von den kirchlichen Autoritäten beauftragt, falsche Zeugnisse zu geben“, sagte sie. Nichts könne geglaubt werden ohne Beweise. Jyotsna lehnte ab, an dem „Heilungsdienst“ teilzunehmen, aber gab irgendwann der Beharrlichkeit ihrer Freundin nach.

    Als sie den Ort erreichten, war sie schockiert zu sehen, wie tausende Menschen sich versammelten und Gott lautstark priesen. Dieser christliche Gott müsse taub sein, dachte sie. Sie ging nach vorne und beobachte die Menge, während ein Priester etwas ins Mikrofon sprach. Am Abend begannen sie den Heilungsdienst, an dessen Ende, viele Leute aufstanden und bezeugten, wie sie von Jesus geheilt wurden von Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Augenproblemen und so weiter. Trotzdem war sie nicht beeindruckt. Sie war sich sicher, dass diese Menschen von den katholischen Priestern bezahlt wurden für diese Art von Show. Am nächsten Tag begleitete sie ihre Freundin erneut zu diesem Dienst. Sie sah, dass auch einige gelähmte Personen in Rollstühlen gebracht wurden. Eine Frau fiel ihr besonders auf, die täglich mit dem Rollstuhl kam. Sie trug einen roten Schal und war offensichtlich nicht in der Lage aufzustehen. Als Jyotsna sie sah, fragte sie sich, ob der christliche Gott sie heilen könnte. Wenn er es könnte, wäre es ihr Beweis genug – dann würde sie glauben. Am zweiten und dritten Tag während des Heilungsdienstes begann der Priester auf der Bühne mit geschlossen Augen zu beten wie üblich. Plötzlich kündigte er an, dass Jesus eine Frau im Rollstuhl heilen würde, die einen roten Schal trägt. Sofort drehte sich Jyotsna um zu der Frau, die sie zuvor erblickt hatte. Zu ihrem völligen Unglauben, sah sie sie, wie sie sich langsam vom Rollstuhl erhob und auf die Bühne rannte. Ihre Beinen waren wackelig. Sie nahm das Mikrofon und mit tränenüberströmten Gesicht sagte sie: „Ich bin Hindu. Ich war 25 Jahre an den Rollstuhl gefesselt. Ich bin in alle heiligen Flüsse Indiens gegangen, aber nichts konnte mich heilen. Heute, als der Priester betete, fühlte ich etwas wie Elektrizität in meinen Beinen. Jesus hat mich geheilt.“

    Jyotsna war voller Ehrfurcht. Mit Tränen, die ihren Wangen hinunterflossen, fiel sie mit ihren Knien auf den staubigen Boden und übergab ihr Leben Jesus. Das war im März 1994. Bald war auch ihre Migräne komplett geheilt und sie war von einer speziellen Art von Freude erfüllt, die sie nie zuvor erlebt hatte. Jesus heilte sie auch von ihren Suizidgedanken und ihren Minderwertigkeitsgefühlen.

    Taufe gegen den Willen des Vaters

    Inzwischen hat sich Jyotsna gegen den strengen Widerwillen ihres Vaters taufen lassen, der aus einer Hindufamilie stammt. Es dauerte eine Zeit, bis Jyotsna verstand, dass Christen in viele Denominationen aufgeteilt sind. Es kümmerte sie nicht, in welche Kirche sie ging, sie wollte nur mehr und mehr von Jesus hören. Jeden Sonntag ging sie in verschiedene Kirchen. Am Sonntagmorgen ging sie in die Sacred Heart-Kathedrale in Delhi. Als sie die Kathedrale betrat, hörte sie einen vertrauten Gesang zur „Blessed Mother“, gesungen in Malayalam, ihrer Muttersprache. Sie kannte das Lied von ihrer Großmutter. Jyotsna fühlte, wie etwas in ihr schmolz und sie begann unkontrolliert zu weinen, während sie in der Nähe einer Säule stand. Sie begriff in einem Augenblick, dass sie nach Hause gekommen war. Das war es, wonach sie all die Jahre gesucht hatte. Sie war müde geworden, herumzurennen und nach der Wahrheit zu suchen. Die Gottesmutter Maria hatte sie sanft herbeigewunken, in die liebende Umarmung der Mutter Kirche zurückzukehren. Seit jenem Tag hatte sie nur noch einen Gedanken – sie wollte Katholikin werden. Das war nicht leicht, denn sie musste ihren neugefundenen Glauben geheim halten unter ihren Familienangehörigen.

    Fünf Jahre später wurde sie in die katholische Kirche aufgenommen. Zuvor war sie in viele Gegenden im Norden und Nordosten Indiens gereist und hatte den Menschen von Jesus erzählt. 1999, wurde sie formell aufgenommen in die katholische Kirche. Dieser Tag war für Jyotsna der glücklichste Tag ihres Lebens. Dennoch wurde in dieser Zeit ihre Mutter krank und sie kümmerte sich 12 Jahre um sie. Als sie starb, entschied sie sich für höhere Studien und schloss in Pune einen Master ab in Biblischen Studien. Seitdem lebt Jyotsna in Delhi, arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin, hält Katechesen und erzählt von Jesus. „Ich bin Gott so unermesslich dankbar, dass er mir unzählig viele Möglichkeiten aufgetan hat, seine Liebe zu teilen und der Welt zu bezeugen“.

    Jyotsna Paul ist mit der Gruppe „Immanuel Vision“ vom 29. August bis zum 12. September in verschiedenen Kirchen in Wien, um von ihrer Bekehrung zu erzählen.

    DT/jbj

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