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    Algermissen: "Die Zerstrittenheit war selbst 1999 nicht so wie diesmal"

    Kommunionstreit: Der emeritierte Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sorgt sich um die Einheit der Deutschen Bischofskonferenz . Von Regina Einig

    Woelki und Marx teilen die Kommunion aus
    Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, und Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, teil... Foto: Jörg Loeffke (KNA)

    Exzellenz, Sie haben beim Kongress „Freude am Glauben“ die Eucharistielehre der Kirche klar bestätigt. Wenn man die Einheit von Eucharistiegemeinschaft und Kirchengemeinschaft ernst nimmt, kann die „Orientierungshilfe“ der deutschen Bischöfe dann Geltung beanspruchen?

    Es ist urchristliche Theologie, dass man ohne Einheit mit der Kirche keine Eucharistie feiern kann. Dieser Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Theologiegeschichte bis zum heutigen Tag. Wir dürfen die Frage der Zulassung von Nicht-Katholischen zur heiligen Eucharistie nicht als ein Vehikel nehmen, um die Einheit herzustellen. Die Einheit ist die Bedingung der Möglichkeit zur Eucharistie und sie kann nicht durch die Eucharistie vorab im Sinne eines Weges vorab beschleunigt werden. Wir Bischöfe wissen genau, was strenge Ausnahme ist (Kanon 844), und was dann im Gewöhnungsverfahren auch des ökumenischen Partners zum Regelfall wird. immer wieder haben evangelische Christen mir gesagt Wir kennen nur die allgemeine Einladung zum Abendmahl – sogar an Nichtgetaufte, was ein Widerspruch in sich selbst. Diese Fehlentwicklung kann natürlich sehr leicht überschwappen. Meine Angst ist, dass wir, wenn wir die Tür einen Spalt weit öffnen, nicht mehr schließen können.

    Aber ist es dafür nicht bereits zu spät? Viele haben den Eindruck, dass die Bischöfe nicht genau zu unterscheiden wissen zwischen objektiver Notlage durch Todesgefahr mit einem persönlichen Bedürfnis. Tatsächlich ist ja der Eindruck entstanden, die konfessionsverschiedene Ehe in sich sei schon eine Art Notfall.

    Wir arbeiten seit 1999 an dem Thema. Damals wurde uns gesagt, in Rom arbeite man an einem Papier, das deutlicher die schwerwiegende Notlage beschreibt. Sicher besteht sie nicht im Wunsch eines konfessionsverschiedenen Paares. Ein Bedürfnis ist kein Notfall. Es kann ein Notfall in bestimmten Konstruktionen werden unter bestimmten inneren Spannungen – vielleicht bei einem Requiem oder bei der Erstkommunion eines Kindes. Das Antwortschreiben aus Rom und die Erklärung kamen nie.

    Das Problem liegt also auch in Rom?

    Selbstverständlich. Wir haben das wirklich  ernst genommen. Es wurde immer wieder zur Sprache gebracht, aber das Versprechen wurde nie eingelöst. Im Jahr 2017 haben sich im Rahmen des 500-jährigen Gedenkens an die Reformation die Dinge beschleunigt. Wir hätten noch mehr Zeit gebraucht – nicht nur ein Jahr – um das kräftig zu diskutieren, denn dass das doktrinäre oder dogmatische Probleme mit einschließt ist doch ganz klar. Natürlich sind wir in Deutschland keine Insel. Was Deutschland in ökumenischen Aktionen zu tun gedenkt, hat Wirkung in die ganze Weltkirche. Wir waren bei der Vollversammlung in Ingolstadt im Frühjahr noch gar nicht weit genug. Nach der allgemeinen Abstimmung konnten noch Modi eingereicht werden. Der Ständige Rat sollte noch einmal darüber diskutieren. Ich bin überrascht worden von dem, was sich danach vollzog durch die Information des Vorsitzenden der Bischofskonferenz.

    Teilen Sie die Einschätzung der Glaubenskongregation, dass der Text noch nicht reif war für die Veröffentlichung?

    Ich glaube Ja. Diese Einschätzung ist auch zu verstehen durch die ausbleibende Reaktion auf die Frage: Was heißt schwerwiegende Notlage kirchenrechtlich? 1999 war das die entscheidende Frage und dann hieß es: Nein, wir müssen warten, bis Rom gesprochen hat und dann gehen wir weiter. Das eigentliche Problem ist, dass dann ein heftiger Disput der Bischofskonferenz in der Öffentlichkeit gelandet ist und das Bild einer zerstrittenen Bischofskonferenz präsentiert. Die Zerstrittenheit war selbst 1999 bei der entscheidenden Frage des Verbleibs in der Schwangerschaftskonfliktberatung nicht so wie diesmal.

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