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    Stockholm

    Kommentar um "5 vor 12": Löschwut verdrängt die Debattenkultur

    Die Löschung eines Podcast ist nicht harmlos. Wer auch morgen seine Meinung noch frei äußern will, sollte heute der Löschkultur Paroli bieten.

    Spotify ist inzwischen der meistgenutzte Streamingdienst.
    Spotify ist inzwischen der meistgenutzte Streamingdienst. Mit seiner Zensurpolitik gefährdet der der Dienst die Meinungs... Foto: imago

    Es ist schon ein starkes Stück, wenn ein Gesprächspodcast von einem Streamingdienst kommentarlos gelöscht wird. So geschehen mit der Folge Nr. 61 des Podcast „Indubio“ von Burkhard Müller-Ulrich. Spotify hatte den Beitrag gelöscht und verweigert seither jede Kommunikation mit dem Betreiber des Podcast ebenso wie mit dieser Zeitung. Ein Grund für die Löschung wird nicht genannt. Spotify zeigt sich hier nicht als der nette Streamingdienst mit der schönen Musik. Spotify macht mit dem Mittel der Zensur einseitig Politik.

    Transkritik stört

    Der Rundfunkmoderator und Journalist hatte ein Gespräch mit Birgit Kelle über ihr neues Buch geführt. Kelle denkt die Folgen der Genderpolitik konsequent zu Ende und kritisiert mit klaren Worten. Das stört. Insbesondere störte hier wohl die Kritik an Transfrauen. Transfrauen sind und bleiben biologische Männer, die aber in einer Frauenrolle leben. Sie tun das konsequent, was Teilnahme am Damensport und Nutzen der Damenumkleide einschließt. In einigen Ländern geht das ohne jegliche rechtliche Einschränkung. Birgit Kelle nimmt kein Blatt vor den Mund. In den USA wird gerade diskutiert, ob ein transkritischer Podcast von Joe Rogan noch Meinungsfreiheit oder doch zu zensieren ist. Rogan ist in den Staaten sehr bekannt und hat einen Exklusivvertrag mit Spotify. In Deutschland wird bei Spotify nicht diskutiert, es wird direkt gelöscht. 

    Willkür und schiere Größe

    Spotify macht sich willkürlicher Zensur schuldig und nutzt dabei, ebenso wie andere Netzwerke seine Größe und Finanzmacht aus. Entscheidungen bleiben intransparent. Der Staat schaut dem tatenlos zu. Die freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut von Verfassungsrang. Der Staat hat das zu schützen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Noch mehr gefordert sind die Nutzer, ihre Bürgerrechte einzufordern. Für das Recht auf freie Meinungsäußerung darf und soll man streiten, damit die Löschkultur nicht gewinnt. Wer morgen seine Meinung noch frei äußern können möchte, sollte sich heute überlegen, ob ein gelöschter Podcast nicht schon einer zu viel ist.

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