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    Rom

    Vatikanische Appeasement-Politik

    Die Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“ geht mit einer digitalen Ausgabe auf Chinesisch ins Netz.

    Jesuitenzeitschrift auf Chinesisch
    Ein Teil vatikanischer Entspannungspolitik gegenüber China: Die traditionsreiche Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica... Foto: laciviltacattolica.it

    Seit Montag ist die traditionsreiche Jesuiten-Zeitschrift „Civilta Cattolica“ mit einer digitalen Ausgabe auf Chinesisch im Netz. Als „Geste der Freundschaft im Geiste Matteo Riccis“ präsentierte die Zeitschrift ihre jüngste Initiative, nachdem ähnliche Formate bereits neben dem italienischen Original auf Englisch, Spanisch, Französisch und Koreanisch erschienen waren. Das vor 170 Jahren gegründete Blatt will damit ein Zeichen setzen, und zwar auf Wunsch von Papst Franziskus persönlich, der „Civilta Cattolica“, wie es in einer Mitteilung der Zeitschrift heißt, „als Modell für deren kulturelle Arbeit einen Mann geben wollte, der China schrankenlos geliebt hat: Matteo Ricci (1522–1610) oder Li Madou, wie er in China genannt wird“. Der Jesuitenmissionar, der die großen Philosophen des Westens zu den Mandarinen und Gelehrten am Hof der Ming-Dynastie brachte, soll nun der Patron der vatikanisch-chinesischen Beziehungen sein.

    „Civilta Cattolica“ wurde im April 1850 von einer Gruppe von Jesuiten in Neapel gegründet, um die „katholische Gesellschaft“ und vor allem das Papsttum gegen die laizistischen Kräfte zu verteidigen, vor allem gegen die Liberalen und die Freimaurerei, die den Traum von einem vereinigten Italien unter freidenkerischer Flagge und ohne den Papst verwirklichen wollten. Heute hat das Blatt seinen Sitz in Rom. Früher hieß es, die Druckfahnen der Zeitschrift würden im vatikanischen Staatssekretariat gegengelesen – sie war ein halboffizielles Organ des Heiligen Stuhls.

    Heute gibt es keine Druckfahnen mehr, aber Chefredakteur Antonio Spadaro SJ geht alle zwei Wochen ins Staatssekretariat, um den Inhalt der kommenden Ausgabe der halbmonatlich erscheinenden Zeitschrift vorzustellen. Aber vor allem ist Spadaro, der 2011 die Direktion von „Civilta Cattolica“ übernahm, einer der engsten Vertrauten von Papst Franziskus. Und damit hat er freie Hand.

    Die Beziehungen zu China sind für Franziskus ein Herzensanliegen

    Für Franziskus, der als junger Jesuit davon träumte, in die Mission nach China zu gehen, sind die Beziehungen zu Peking ein Herzensanliegen. In der zweiten Jahreshälfte muss das 2018 geschlossene provisorische Abkommen mit dem Regime, dessen Details nicht öffentlich sind, auf den Prüfstand. Der Papst hat jetzt zwar das Recht, alle Bischöfe im Reich der Mitte zu ernennen, aber die Religionspolitik der Kommunisten Chinas mit ihrer Sinisierungskampagne ist restriktiv, die Katholiken des Landes spüren keine Erleichterungen.

    Der Vatikan versucht es mit diplomatischen Lockerungsübungen, gerade in Zeiten der Corona-Epidemie. Im März hat der Heilige Stuhl dem chinesischen Staat über die „Jinde Charities“, eine karitative Einrichtung der katholischen Kirche in China, zweihunderttausend Euro zukommen lassen, um die Corona-Not zu lindern. Anfang April revanchierte sich das Land mit umfangreichen Lieferungen von medizinischen und sanitären Waren an die Vatikanapotheke. Die chinesische Ausgabe von „Civilta Cattolica“ ist nun ein weiterer Schritt der Entspannungspolitik des Vatikans. Aber noch ist das China-Abkommen mit dem Vatikan eine Hypothek, die das Regime in Peking auch bedienen muss.

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