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    Köln

    Partner oder Gegner?

    Mediendirektor Günther und Journalist Frank diskutieren im Kölner Presseclub über das Verhältnis von Kirche und Medien.

    Ein Flüchtlingsboot als Altar
    Mit Missbrauchsfällen schafft es die Kirche immer in die Medien. Was der Kirche wichtig ist, komme aber oft zu kurz, so ... Foto: dpa

    Kirche und Medien – Partner oder Gegner? „Weder noch“, meint Markus Günther vergangene Woche im Kölner Presseclub bei der Podiumsdiskussion „Die Katholische Kirche und die Medien – ein spannungsreiches Verhältnis“ und unterstreicht gleich zu Beginn der im zunehmenden Verlauf mitunter sehr kontrovers geführten Debatte: „Kirche und Medien haben unterschiedliche Zielsetzungen.“

    Der langjährige Journalist und Chefredakteur (Augsburger Allgemeine) weiß nur zu gut, dass zwischen beiden Institutionen eine natürliche Distanz besteht und bestehen muss. Seit einem halben Jahr sitzt Günther aber auf der anderen Seite des Schreibtisches. Als langjähriger Journalist sah er sich der Neutralität verpflichtet. Das berühmte Bonmot des früheren Tagesthemen-Moderators Hanns Joachim Friedrichs „Ein Journalist macht sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten“ sei für ihn stets Leitmotiv seiner Arbeit als Journalist gewesen. Was er nun als als Leiter der Hauptabteilung Medien und Kommunikation im Erzbischöflichen Generalvikariat in Köln erwarte und erwarten dürfe: die klare Trennung von Berichterstattung und Kommentierung. „Bei der Berichterstattung geht es um Objektivität, Neutralität, faktisch richtige und faire Darstellung; bei der Kommentierung um die persönliche Haltung, den eigenen Standpunkt.“

    Die Medien suchen bei der Kirche vor allem Skandale

    Nun als Mediendirektor steht er an der Spitze der dortigen Öffentlichkeitsarbeit und hat die Aufgabe, mit allen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanälen sich nicht nur mit den Gläubigen auszutauschen und christliches Selbstverständnis zu transportieren, sondern auch kirchenferne oder -kritische Menschen zu erreichen. Was er in diesen Monaten als Mediendirektor indes beobachten konnte, fasste er so zusammen: „Es gibt ein Skandal-getriebenes Interesse der Medien an Kirche, nur weniges bezieht sich auf folkloristische Berichterstattung.“ Worauf der 53-Jährige damit abhob, ist der Umstand, dass sich seiner Einschätzung nach sowie mit Berufung auf die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) etwa 80 Prozent der medialen Anfragen auf Themen mit Skandalpotenzial – Sexualmoral, Rolle der Frau in der Kirche, Umgang mit Homosexuellen, Missbrauch – bezögen. Günther konstatierte pessimistisch: „Mit Themen, über die wir gern sprechen würden, dringen wir nicht durch, weil sie von der Skandalberichterstattung überlagert werden.“

    Dem widersprach Joachim Frank. Der Chefkorrespondent der DuMont Mediengruppe und Mitglied der Chefredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers wies zwar einerseits darauf hin, dass Medien und Journalisten die Aufgabe haben, bei kritischen Themen nachzufragen. „Hätten die säkularen Medien beim Missbrauchsskandal nicht immer wieder den Finger in die Wunde gelegt und nachgefragt, wäre der heute noch nicht aufgearbeitet.“ Andererseits sieht der Journalist aber gerade in der lokalen Berichterstattung, beispielsweise zu den Festtagen, dass weiterhin und ausführlich über Leben und Arbeit der Kirche und ihrer Gemeinden vor Ort berichtet werde „ohne den üblichen Missbrauchs-Disclaimer“.

    Diesen Begriff nahm Günther auf und erklärte eine derartige Ablehnung mit dem „verständlicherweise bestehenden Glaubwürdigkeitsproblem der Kirche vor diesem Hintergrund, die es schwer macht, etwas Transzendentes, Sinnstiftendes anzubieten“.

    Aktivist im Interessenkonflikt?

    Dies hängt nach seiner Meinung auch damit zusammen, dass „wir innerkirchlich viel zu wenig darüber sprechen, was wir eigentlich im Angebot haben“. Da werde mitunter stundenlang über Dinge gesprochen, ohne dass es einmal um Gott gehe. „Trauen wir uns als Kirche noch, unsere Antworten auf existenzielle Fragen, zu Gott, zum Glauben, zu unserer christlichen Hoffnung zu geben?“ Er sei überzeugt, dass viele Menschen das sehr interessiere.

    In diesem Zusammenhang bedauerte der Erzbischöfliche Mediendirektor die Einstellung der Zeitungen „Rheinischer Merkur“ sowie „Weltbild“, nannte aber neben anderen katholischen Medien ausdrücklich auch „Die Tagespost“, die regelmäßig solche Themen aufgreife und Antworten anbiete. Joachim Frank, nach eigenem Bekunden ein engagierter Katholik und regelmäßiger Kirchgänger, verwies in diesem Zusammenhang auf die tägliche Arbeit von Journalisten im Umgang mit der Kirche, die „derzeit ein Ausfall ist, um auf Sinnfragen Antworten zu geben“. Dieser sei nicht zuletzt bedingt durch die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Er konstatierte ein „systemisches Problem von Kirche als Institution“. Beispielhaft nannte er das Wissen um zahlreiche homosexuelle Priester oder Geistliche, die sich nicht an den Zölibat hielten. Ob der ehemalige Priester, in der Zeitungsredaktion des Kölner Blattes mit Kirchenthemen betraut, tatsächlich neutral berichten kann, zog Markus Günther jedoch in Zweifel. Mit Blick auf die Rolle von Frank als Vorsitzenden der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) stellte Günther einen Interessenkonflikt fest, der es Frank als „innerkirchlichem Aktivisten“ nicht möglich mache, fair und ausgewogen zu berichten.

    Der Moderator des Presseclubs nahm dies zum Anlass, um die Diskutanten vor persönlichen Angriffen und einer Schlammschlacht zu warnen – und bestärkte mit seiner sehr früh vorgetragenen Ermahnung wahrscheinlich das dem obersten Öffentlichkeitsarbeiter des Erzbistums gegenüber überwiegend kritisch eingestellte Publikum in dessen ablehnender Haltung.

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