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    Würzburg

    Medien-ABC: R wie Redaktion

    Texte, Fotos und Videos in einen publikationsfähigen Zustand bringen – das ist wichtigeste Aufgabe einer Redaktion.

    Manchmal sind Lateinkenntnisse nützlich. Mit ihnen ergeben sich nämlich Einsichten in Begriffe, die man oft verwendet und von denen man meint, alle Bedeutungsvarianten seien bekannt. „Redaktion“ gehört beispielsweise dazu. Es kommt von „redigere“, was übersetzt werden kann mit: „in einen Zustand bringen“. Und tatsächlich ist es die wichtigste Aufgabe einer Redaktion, vorliegendes Material – Texte, Fotos, Bewegtbilder – in einen publikationsfähigen Zustand zu bringen. Soweit zumindest das Verständnis in den klassischen Medien.

    Im Jargon von rein werblichen Anzeigenmagazinen bezeichnet „Redaktion“ zudem eine bestimmte Textgattung. Eine „Redaktion verfassen“ bedeutet dann, ausnahmsweise mal keinen werbewirksamen PR-Text zu schreiben, sondern eine journalistische Form zu wählen (Kritik inbegriffen), etwa um die Ausgabe insgesamt werthaltiger zu gestalten und den Anschein von Distanz zu erwecken. Letztlich dient damit auch die „Redaktion“ dem Marketing.

    Koordinieren, redigieren, reflektieren

    Zurück zum Journalismus. An der fachlich gut informierten und sinnvoll strukturierten Redaktion geht in den Medien kein Weg vorbei. Es braucht die Koordination der Facharbeit in den thematischen Ressorts, das Zusammenführen und Redigieren von Autorenbeiträgen, die Beachtung der Anzeigenplatzierung und der drucktechnischen Anforderungen. Ebenso braucht es die inhaltliche Diskussion über Fragen der Ausrichtung des Mediums, die kritische Selbstreflexion und die Erörterung der Lesermeinungen. All das können weder die wirtschaftlich verantwortlichen Entscheider im Verlag, noch die freien Autoren und Fotografen leisten, hier ist die Redaktion unverzichtbar.

    Die Notwendigkeit zur Effizienz geht auch an Medienanstalten nicht spurlos vorbei, auch nicht an der redaktionellen Arbeit. So haben sich etwa 2013 die Zeitungen der Madsack Mediengruppe (Hannover) zum sogenannten „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND) zusammengeschlossen, um die Redaktionen der Regionalzeitungen zu entlasten. Die Idee: Während das RND den überregionalen Teil der Zeitungen betreut, können sich die Redakteure vor Ort auf die Berichterstattung über lokale und regionale Ereignisse konzentrieren.

    Höchst problematisch: die Zentralisierung von Redaktionen

    Das RND versorgt nach eigenen Angaben „mehr als 50 Tageszeitungen mit einer täglichen Gesamtauflage von mehr als 2,3 Mio. Exemplaren“ mit überregionalen Inhalten. Zum Netzwerk gehören unter anderen der Kölner Stadt-Anzeiger, die Leipziger Volkszeitung, die Berliner Zeitung, das Göttinger Tageblatt, die Hamburger Morgenpost, die Hannoversche Allgemeine Zeitung, die Ruhr Nachrichten und das Eichsfelder Tageblatt.

    So erreicht das RND „täglich etwa 7 Millionen Leser“; bei rund 42 Millionen Zeitungslesern in Deutschland ist das immerhin jeder Sechste. Die Kehrseite des ökonomischen Strebens nach Synergie liegt damit auf der Hand: Konzentrierte Medienmacht sorgt für vereinheitlichte Berichterstattung und – so denn auftretend – für die rasche Verbreitung redaktioneller Fehlleistungen. Und das gerade bei wichtigen politischen und gesellschaftlichen Themen, die nun mal (mindestens) überregional sind.

    Redaktionen sind wichtige Korrektive in den Medienanstalten, im Ausgleich von Verlagsinteressen, Autorenkompetenzen und Leserwünschen. Ihre Zentralisierung und Bündelung mag wirtschaftlich angezeigt sein, journalistisch ist sie höchst problematisch – mit Rückwirkung auf die Ökonomie: Wenn der Eindruck entsteht, dass ohnehin „alle dasselbe schreiben“, dann sinkt das Vertrauen der Abonnenten in „ihre“ Zeitung – und damit auch die Auflage.

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