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    WÜRZBURG

    Medien-ABC: J wie Journalist

    Medien - ABC

    Ein Journalist beteiligt sich „hauptberuflich an der Verbreitung und Veröffentlichung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien“, so definiert der Deutsche Journalisten-Verband die Tätigkeit. Journalist – so darf sich jeder nennen, auch der, der aus dieser Definition herausfällt, weil er nicht „hauptberuflich“ oder in „Massenmedien“ publiziert. Journalist ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung, im Gegensatz zu Rechtsanwalt, Amtsrichter oder Kardiologe. Es gilt der freie Zugang zum Journalismus aufgrund der Meinungs- und Pressefreiheit nach Artikel 5 des Grundgesetzes.

    „Journalist/in“ – heute meint denn auch (fast) jede und jeder, sich so nennen zu können, und einen besseren Job zu machen als die professionellen Vertreter der Zunft. Der Bürgerjournalismus blüht. Einst als Ergänzung zur Lokalpresse gedacht, weil diese nicht über jedes Straßenfest und jeden Adventsbazar berichten kann, geben die Hobby-Schreiber längst auch zu den großen Themen der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ihre Kommentare zum Besten. Daneben gibt es die Blogger, die nicht immer zugleich auch als Journalisten (hauptberuflich) ihr Geld verdienen. Die Amateure drohen in heiß debattierten Fragen die Deutungshoheit zu erlangen, die Profis werden als inkompetent und voreingenommen betrachtet. Das gilt streckenweise auch für die katholische Publizistik.

    Und man kann den fleißigen Hobby-Journalisten ihre Skepsis nicht einmal verübeln. Fälle wie der des ehemaligen „Spiegel“-Schreibers Relotius gießen Öl ins Feuer der Medienkritik. Allerdings sollte man nicht das Kind mit dem Bade ausschütten – die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten arbeitet nach bestem Wissen und Gewissen. Doch: Das Image des Journalisten ist schlecht. Laut der internationalen Umfrage „GfK Trust in professions 2014“ zählt der Journalist in Deutschland zu den von der Bevölkerung am wenigsten als vertrauenswürdig eingeschätzten Berufsgruppen; nur 37 Prozent vertraut den Journalisten „voll und ganz“ oder „überwiegend“. Damit liegt der Journalist auf Platz 29 von 32; noch weniger Vertrauen genießen lediglich Werbefachleute, Versicherungsvertreter und Politiker.

    Journalisten sind Menschen mit zumeist gut informierten und begründeten Meinungen. Das und eine dem Beruf zutiefst inhärente Bereitschaft zur kritischen Analyse schützt sie davor, sich als propagandistische Erfüllungsgehilfen instrumentalisieren zu lassen – sei es von der Politik oder der Wirtschaft. Genau dieser Vorwurf wird jedoch oft erhoben, verbunden mit Verweisen auf die „links-grüne“ Grundhaltung, die unter den etwa 100 000 Profi-Journalisten in Deutschland anzutreffen ist. Eine Studie ergab bereits 2005 eine deutlich Präferenz der Journalisten für Bündnis 90/Die Grünen: Etwa 36 Prozent sympathisierte mit der Partei, die sich derzeit auch beim Wähler in einem Höhenflug befindet. Für Österreich ergab eine Studie im Jahr 2008 ähnliche Werte. Es wäre aber zu einfach, hier eine Kausalität zu unterstellen: Weil uns die Medien über Jahre „links-grün“ konditionierten, wählen wird jetzt „links-grün“. Denn zugleich schätzen die meisten Journalisten, die mit den Grünen, den Linken oder der SPD sympathisieren (insgesamt zwei Drittel), ihr Medium als „etwas oder deutlich weiter rechts“ ein, als sie selbst es sind. Das heißt: Sie folgen in ihrer Berufspraxis einer Linie, die nicht immer ihrer privaten politischen Einstellung entspricht. Es wäre also voreilig, vom „links-grünen“ Journalisten auf die „links-grüne“ Medienlandschaft zu schließen.

    von Josef Bordat

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