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    Würzburg

    Fahrt in die Zukunft

    Noch gilt, dass der Mensch im Verkehr nicht zu ersetzen ist. Doch das "Autonome Fahren" wird kommen.

    Geheimnis des autonomen Fahrens

    Der Führerschein ist ein begehrtes Papier. Das Lernen dafür ist schwer. Verkehrssituationen sind komplex. Kaum jemand vermag sich derzeit vorzustellen, wie das ohne den Menschen gehen soll. Autonomes Fahren bedeutet, dass ein Fahrzeug ohne Einwirkung des Fahrers vom Start zum Ziel gelenkt wird. Noch gilt, dass der Mensch im Verkehr nicht zu ersetzen ist. Dabei könnten Schienenfahrzeuge längst autonom fahren. Der Mensch vertraut sich lieber einem Menschen als einer Maschine an. Dabei ist klar, kein Mensch kann so schnell reagieren wie eine Maschine. Die Maschine kann aber noch nicht so verlässlich entscheiden, wie der Mensch. Menschen haben Erfahrung und Reflexe. Eine Maschine hat das nicht.

    Das Geheimnis des autonomen Fahrens

    Hinzu kommen die ethischen Fragen. Kann sich der Mensch einer Maschine ganz überlassen? Die Frage des Dilemmas ist zu klären. Wie reagiert die Maschine in einer Situation, in der ein Personenschaden nicht zu vermeiden ist? Praktisch gefragt, wenn die Maschine die Wahl hat, ein kleines Kind oder einen alten Menschen zu überfahren, wie entscheidet die Maschine? Hier ist noch viel an ethischer Diskussion nötig. Der Bericht der Ethikkommission des Verkehrsministeriums kann da bloß ein Anfang sein. Technisch ist autonomes Fahren kein unlösbares Problem. Eine Maschine sammelt Daten und verarbeitet diese. Daraus resultiert ein Ergebnis. Das Fahrzeug bremst, lenkt oder beschleunigt. Komplexe Situationen zu beurteilen bedeutet, viele Daten in kurzer Zeit zu erfassen und zu bewerten. Bei einem Fahrzeug, welches sich vollkommen autonom bewegt, kommen diese Daten aus eigenen Messungen, aus interaktiven Straßenkarten, von der Straße und von anderen Fahrzeugen. Das Geheimnis des autonomen Fahrens ist nicht nur die schnelle Verarbeitung vieler Daten, es ist auch die schnelle Kommunikation mit zentralen Rechnern und der Umgebung.

    Das ist das wichtigste Problem des autonomen Fahrens. Derzeit ist es nicht möglich, die benötigte Datenmenge durch die mobilen Netze zu transportieren. Erst der 5G-Standard wird uns dem näherbringen. Es ist nicht zu erwarten, dass es in diesem Jahrzehnt autonome Fahrzeuge geben wird.

    "Der „graue Lappen“ war die Eintrittskarte zur großen Freiheit.
    Das Automobil eine kulturelle Errungenschaft." 

    Das kulturelle Phänomen Autofahren ist nicht zu unterschätzen. Der „graue Lappen“ war die Eintrittskarte zur großen Freiheit. Oft erzählen Handelsvertreter von Millionen Kilometern, die sie automobil auf der Straße verbracht haben.

    In Deutschland war das Automobil eine kulturelle Errungenschaft, mit der allenfalls das Fernsehen konkurrieren konnte. Das Steuer loszulassen ist ein Schritt, dem viele Schritte vorangehen müssen. Assistenzsysteme in den Fahrzeugen helfen, den Fahrer Schritt für Schritt auf seine künftige Rolle als Passagier vorzubereiten. Längst haben wir uns an ABS und ESP gewöhnt, die auf glatter Straße um die Kurve helfen. Aktive Spurhaltesysteme erkennen die Fahrbahnmarkierung und greifen in die Lenkung ein. Totwinkeldetektoren sehen Fahrzeuge, die der Spiegel nicht zeigt. Einparkhilfen lenken das Auto sicher in die Parklücke. Der Fantasie der Autobauer sind derzeit allerdings Grenzen gesetzt. Der Fahrer ist am Ende immer in der Lage und in der Pflicht, einzugreifen.

    Außer technischen Problemen sind auf dem Weg zum echten autonomen Fahren eine ganze Menge rechtlicher Hürden zu nehmen. Haftet der Hersteller für Schäden, die die Maschine verursacht? Der Fahrer ist schließlich nur noch Passagier. Für Juristen, Philosophen und Techniker stellen sich einige Herausforderungen, bis autonomes Fahren der Normalfall sein wird. Fachleute rechnen mit vollständig autonomen Fahrzeugen in frühestens 20 Jahren.

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