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    Minderjährige entscheidet sich für ihr Kind

    Der US-amerikanische Regisseur Jason Reitman wurde insbesondere durch die Satire "Thank You For Smoking" (2006) bekannt, in der er ein politisch unkorrektes Sujet wunderbar in Szene setzt. In seinem darauffolgenden Spielfilm "Juno" stellt er sich einem nicht minder schwierigen Thema: Die ungewollte Schwangerschaft einer Minderjährigen, die sich allen vernünftigen Gründen zum Trotz für das Austragen des Kindes entscheidet.

    Spielfilm 'Juno' - Filmszene
    Die 16-jährige Juno MacGuff (Ellen Page) ist ungewollt schwanger. Weder sie noch der Vater des Kindes, Paulie Bleeker (M... Foto: much.com

    Der US-amerikanische Regisseur Jason Reitman wurde insbesondere durch die Satire „Thank You For Smoking“ (2006) bekannt, in der er ein politisch unkorrektes Sujet wunderbar in Szene setzt. In seinem darauffolgenden Spielfilm „Juno“ stellt er sich einem nicht minder „schwierigen“ Thema: Die ungewollte Schwangerschaft einer Minderjährigen, die sich allen „vernünftigen“ Gründen zum Trotz für das Austragen des Kindes entscheidet.

    Die 16-jährige, vor Selbstbewusstsein nur so strotzende Schülerin Juno MacGuff (Ellen Page) entschließt sich, mit ihrem Freund Paulie Bleeker (Michael Cera) „sexuell aktiv“ zu werden. Nach mehreren Schwangerschaftstests steht es zweifelsfrei fest: Sie ist schwanger. Der erste Impuls führt Juno in die Abtreibungsklinik. Wie soll eine 16-Jährige eine Schwangerschaft physisch und psychisch überstehen? Doch es kommt anders. Nachdem eine „Aktivistin“, eine Mitschülerin, vor der Abtreibungspraxis Juno darauf hinweist, dass der Fötus bereits über Fingernägel verfügt, läuft Juno schleunigst weg. Junos nicht minder supercoole Schulfreundin Leah (Olivia Thirlby) weiß Rat: In den Kleinanzeigen der Lokalzeitung werden auch Adoptivkinder gesucht. Eine Annonce sagt Juno sofort zu: Die erfolg- und sonst auch noch ziemlich reichen Mittdreißiger Vanessa (Jennifer Garner) und Mark (Jason Bateman) führen eine Vorzeige-Ehe, der fürs perfekte Glück nur ein Kind fehlt. Oder so scheint es mindestens.

    Junos Eltern zeigen Verständnis

    Zunächst muss Juno aber ihrem Vater Mac (J.K. Simmons) und ihrer Stiefmutter Bren (Allison Janney) von ihrer Schwangerschaft erzählen. Erstaunlicher- und erfreulicherweise reagieren sie darauf sehr positiv. Juno kann auf das Verständnis und die Unterstützung ihrer Eltern zählen. Darin mag ein Unterschied zu den gängigen Klischees liegen, dass Eltern über die Schwangerschaft ihrer minderjährigen Tochter so entsetzt reagieren, dass sie das Mädchen regelrecht drängen, „das Problem wegzumachen“. Junos Vater zeigt sich jedenfalls mit dem Vorschlag einverstanden, das Baby zur Adoption freizugeben. Er begleitet sie sogar zum ersten Termin mit den anvisierten Adoptiveltern.

    Ungewollt schwanger gewordene Teenager/junge Frauen, die sich für das Austragen ihres Kindes entschließen, standen in letzter Zeit häufig im Mittelpunkt von Hollywood-Produktionen. Allerdings wirken solche Filme oft unglaubwürdig, ordinär-albern oder zuckersüß-kitschig. „Juno“ verfügt demgegenüber nicht nur über ein Drehbuch, das in jedem Dialog punktgenau die Pointe trifft, sondern auch über eine stilsichere Inszenierung, die mit leichtfüßiger Eleganz selbst über die peinlichsten Augenblicke hinweghilft.

    Der Film gewann denn auch 2008 den Oscar für „das beste Original-Drehbuch“. In „Juno“ geht ein Großteil des ansprechenden Gesamteindrucks der Inszenierung sicher auf das Konto der schauspielerischen Leistung aller Beteiligten – allen voran natürlich der für diese Rolle für den Oscar nominierten Ellen Page als selbstbewusste Juno.

    „Juno“ besticht jedoch gerade durch seine leicht-lockere Art, ein ernstes Thema filmisch anzugehen, ohne es jedoch zu banalisieren. Regisseur Jason Reitman behält seinen Stil vom animierten Vorspann, der nicht nur hübsch aussieht, sondern auch die Figuren etabliert, über die Filmmusik bis zum Schnitttempo bei. „Juno“ verknüpft indes darüber hinaus sein Hauptthema mit einer subtilen gesellschaftlichen Kritik gegen Mittdreißiger, die offenbar keine Lust am Erwachsenwerden haben.

    „Juno“ wurde zu einem überaus großen kommerziellen Erfolg: Bei Produktionskosten von leidlich 7,5 Millionen Dollar nahm der Film weltweit mehr als 230 Millionen Dollar ein. Offensichtlich ist das Kinopublikum bereit, sich mit ernsten Themen ohne gängige Klischees auseinanderzusetzen.

    „Juno“, USA 2007, Regie: Jason Reitman, 97 Min., EAN: 5-0390-

    3603799-0, EUR 6,99 (Weltbild)

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