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    "Der Affront"

    Eine Parabel auf die konfliktgeladene Lage im Nahen Osten: Der libanesische Spielfilm „Der Affront“. Von José García

    Garcías Filmtipp: 'Der Affront'
    Ein Streit zwischen dem christlichen Libanesen Toni und dem muslimischen Palästinenser Yasser landet vor Gericht. Der Re... Foto: Alpenrepublik

    Beirut, an einem heißen Sommernachmittag. Toni (Adel Karam), ein libanesischer Christ, gießt aus Versehen Wasser auf den Kopf des Vorarbeiters Yasser (Kamel El Basha), eines palästinensischen Flüchtlings. Ein Wort gibt das andere – Yasser wirft Toni ein Schimpfwort (daher der Originaltitel „L’insulte“) an den Kopf. Als der hitzköpfige Toni Yassers halbherzige Entschuldigung ablehnt, eskaliert der Streit.

    Ein kleiner Streit entwickelt sich zum Politikum

    Toni verklagt Yasser, und der Streit landet vor Gericht. Damit zieht er aber auch immer weitere Kreise, als sich die Medien in die Auseinandersetzung einmischen. Es kommt nicht nur zu Handgreiflichkeiten zwischen Libanesen und Palästinensern im Gerichtssaal. Plötzlich randalieren rechte Libanese und palästinensische Flüchtlinge auf den Straßen.

    Sehen Sie hier den Trailer zum Film. 

    Mit-Drehbuchautor und Regisseur Ziad Doueiri bettet den teilweise als Gerichtsfilm konzipierten „Der Affront“ in einen größeren Zusammenhang ein. Ja, er bietet eine Parabel nicht nur über verletzte Ehre und Rechthaberei, sondern auch über die vertrackte Lage im Nahen Osten. Ziaad Doueiri benennt deutlich die Hintergründe eines zunächst eher harmlosen, persönlichen Disputs, der ein ganzes Land an den Rand des Bürgerkrieges zu bringen droht. Denn der Libanese Toni hält die im Libanon lebenden Palästinenser für besonders privilegiert, weil die Behörden es sich weder mit der UN noch mit der weltweiten öffentlichen Meinung verscherzen möchten.

    Parabel über die vertrackte Lage im Nahen Osten

    Yasser wiederum sieht sich als Bürger zweiter Klasse wie die hunderttausenden Palästinenser, die im Zuge des Palästina-Konflikts im Libanon Schutz gefunden haben. Dazu kommt die unterschiedliche Bewertung über die Ursachen des Bürgerkrieges, der bis 1990 im kleinen Land tobte, und der offenbar noch nicht überwunden wurde. Zuletzt spielt auch die Religion eine Rolle: Waren früher die Christen in der Mehrheit, so machen sie heute nur noch etwa ein Drittel der Bevölkerung aus. „Der Affront“ lässt sich als teilweise plakative Parabel auf die besonders angespannte Lage im Nahen Osten lesen.

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