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    Würzburg

    Gott in der Musik verherrlicht

    Benedikt XVI. schreibt ein Grußwort zum Bachfest Leipzig 2021, dessen Leitfaden die Jesus-Trilogie des emeritierten Papstes ist.

    Papst Benedikt XVI. sandte ein Grußwort an das Leipziger Bachfest.
    Immer im Dienst der Glaubensvermittlung: Papst Benedikt XVI. sandte ein Grußwort an das Leipziger Bachfest. Foto: KNA

    Wenn sich Festivals ein Motto geben, bleibt es nicht selten beim wohlfeilen Etikett: Dramaturgen mühen sich in verschlungenen Texten um theoretische Grundlagen, die im Programm dann in beliebig wirkenden Reihungen bekannter Werke entdeckt werden sollen. Das Bachfest Leipzig geht einen anderen Weg. Es ist schon in vergangenen Editionen aufgefallen, weil es in seinen Programmen musikalische wie theologische Fein-Bezüge hergestellt hat.

    Motto „Erlösung“

    2021 hat sich Intendant Michael Maul für das Motto „Erlösung“ explizit auf einen der wirkmächtigsten theologischen Denker der Gegenwart bezogen: Er hat die monumentale Jesus-Trilogie des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zum inneren Leitfaden eines Konzertzyklus gewählt, der in den drei Bach-Oratorien, der Matthäus-Passion und 33 ausgewählten Kantaten das Leben Jesu von Nazareth von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt reflektierend erzählen wird. Benedikt hat in der Folge eines Briefwechsels mit dem Bachfest-Intendanten zu diesem Vorhaben bereits 2019 ein Grußwort verfasst, das am vergangenen Montag, 27. Juli, veröffentlicht wurde.

    Es füge die auf Leben und Wirken Jesu
    bezogenen Kompositionen Bachs
    zu einem Ganzen zusammen

    Der Papa emeritus würdigt darin das „Besondere“ dieses Festes: Es füge die auf Leben und Wirken Jesu bezogenen Kompositionen Bachs zu einem Ganzen zusammen und schenke uns so eine Art „Messias“ von Bach. Dass seine Jesus-Trilogie als ideeller Leitfaden diene, sei für ihn eine „besondere Freude“, die er „nur mit großer Dankbarkeit aufnehmen kann“, schreibt Benedikt. Das Grußwort präzisiert, wie die Gestalt Jesu durch das kulturelle Ereignis auch im Raum eines inzwischen erloschenen Glaubens aufleuchten kann und wie die Musik Bachs Gott auch dort verherrlicht, wo er nicht förmlich durch den Glauben anwesend ist.

    Frucht gläubiger Begegnung

    Benedikt bestimmt „das große Gemälde Jesu Christi, das so in 18 Stunden Musik entstehen wird“, als „zunächst kulturelles Ereignis“. Es überschreite den Raum der an Jesus Christus glaubenden christlichen Gemeinde. Wörtlich schreibt Benedikt: „Auch innerhalb der christlichen Welt spricht man im Zusammenhang mit der großen Musik des Glaubens von Kulturchristentum und will damit sagen, dass der Glaube, der diese Musik hervorgebracht und dem Bach als Musiker treulich gedient hat, inzwischen erloschen ist und nur noch als kulturelle Kraft weiterwirkt. Diese Reduktion mag man als gläubiger Christ bedauern, aber sie trägt auch ein positives Element in sich. Denn es bleibt bestehen, dass etwas als Kultur angenommen wird, das Frucht gläubiger Begegnung mit Jesus ist und diesen Ursprung für immer in sich trägt.“

    „Die Schönheit der Musik weist den richtigen Weg“

    Als Fazit stellt Benedikt einen zweiseitigen Vorgang fest: „Glaube hat Kultur gezeugt, die weit über ihn hinausleuchtet. Aber diese Kultur trägt nun umgekehrt auch heute noch in alle Welt hinein etwas von ihrem Ursprung. Sie ist so etwas wie der Wohlgeruch, der von Christus ausgeht (vgl. 2 Kor 2,14f). Sie hat keine missionarische Absicht, der ,Wohlgeruch‘ wird absichtslos um seiner selbst willen gegenwärtig und verbreitet gerade so die ,Ehre Gottes‘. So dürfen wir uns alle, Christen wie Nichtchristen, Gläubige wie Nichtgläubige, dankbar von der Schönheit berühren lassen, wissend, dass sie uns den rechten Weg weist.“

    Mit dem Zyklus „Bachs Messias“, der vom 12. bis 15. Juni 2021 in den Leipziger Bach-Kirchen erklingt, knüpft der Intendant des Bachfestes konzeptionell an den erfolgreichen „Kantaten-Ring“ seiner ersten Festivalsaison 2018 an: Durch das Zusammenfügen der Stücke zu einem groß dimensionierten Oratorium werde ein „ganz besonderes, mehrdimensionales Bild vom Wirken des Erlösers Jesus Christus entstehen: von der Verheißung und Geburt des Messias über die Bergpredigt, die Berufung der Jünger und die diversen Gleichnisse und Wunder bis hin zum Einzug in Jerusalem, der Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt.“ Michael Maul ist sich sicher: „Ebenso wird deutlich werden, dass Bachs enthaltene 33 Kantaten, auch wenn sie nicht so häufig wie die Matthäus-Passion oder das Weihnachts-Oratorium aufgeführt werden, musikalisch doch aus dem gleichen Edelholz geschnitzt sind.“

    Durch das Zusammenfügen der Stücke
    zu einem groß dimensionierten Oratorium
    werde ein ganz besonderes, mehrdimensionales
    Bild vom Wirken des Erlösers Jesus Christus entstehen:

    Für die musikalische Gestaltung des Zyklus hat das Bachfest weltbekannte Interpreten gewonnen. Unter ihnen sind Ton Koopman mit dem Amsterdam Baroque Orchestra und Chor, Masaaki Suzuki und das Bach Collegium Japan, Hans Christoph Rademann mit der Gaechinger Cantorey, der Thomanerchor Leipzig unter Thomaskantor Gotthold Schwarz, Václav Luks mit dem Collegium 1704, die Akademie für Alte Musik Berlin, der RIAS Kammerchor mit The English Concert mit Justin Doyle sowie der Eric Ericsons Kammarkör und die Berliner Lautten Compagney unter Wolfgang Katschner. Der Schauspieler Ulrich Noethen liest in den Kantatenkonzerten die jeweils zugrunde liegenden Evangelientexte in Martin Luthers Übersetzung. Der Leipziger Maler Michael Triegel, der unter anderem 2010 Papst Benedikt porträtiert und mit seinen religiösen, auf alte Meister bezogenen Bildern Aufsehen erregt hat, wird mit elf Bildern dazu eine visuelle Begleitung kreieren.

    Programm des Bachfestes

    Eröffnet wird das Bachfest Leipzig 2021 am Freitag, den 11. Juni. Das Konzert mit Werken von Johann Sebastian Bach und Pietro Antonio Locatelli gestalten Thomasorganist Ulrich Böhme, der Thomanerchor Leipzig, fünf Solisten und die Akademie für Alte Musik als „Ensemble in residence“ unter Leitung von Thomaskantor Gotthold Schwarz. Vom 12. bis 14. Juni erklingen in drei Konzerten auch die Rosenkranz-Sonate Heinrich Ignaz Franz Bibers. Ein „Grosses Concert“ im Gewandhaus Leipzig am 17. und 18. Juni mit dem Collegium Vocale Gent und dem Gewandhausorchester unter Philippe Herreweghe würdigt Igor Strawinsky zum 50. Todestag unter anderem mit seiner Psalmensymphonie.

    Zweimal ist zudem der „Messias“ Georg Friedrich Händels zu erleben: Am 11. Juni in Halle im Rahmen der Händel-Festspiele 2021 in der deutschen Fassung von Johann Gottfried Herder und am 16. Juni in der Leipziger Nikolaikirche in einer Bearbeitung von Johann Adam Hiller aus dem Jahr 1786. Bestandteil des Programms sind auch Bachs „Johannespassion“ (18. Juni, Nikolaikirche) mit dem Nederlands Kamerkoor und dem Concerto Köln unter Peter Dijkstra und zum Abschluss des Festivals die h-Moll-Messe mit La Capella Reial de Catalunya und dem Orchester Le Concert des Nations unter Jordi Savall.

    www.bachfestleipzig.de

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