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    Berlin

    Ein Kreuz über der Hauptstadt

    Das Berliner Stadtschloss erhält wieder seine Kuppel.

    Künftig Berliner Stadtschloss wieder mit Kreuz
    Wie einst soll auch künftig das Berliner Stadtschloss wieder von einem Kreuz überragt werden. Foto: WIKIPEDIA

     Um dieses Werk zu vollbringen, müssen alle Beteiligten hellwach sein. Nur der Wind darf einschlafen, besser gesagt, er muss es sogar. Denn wenn Ende Mai ein Kran Stück für Stück die zwölf Meter hohe Laterne auf die Kuppel des Berliner Stadtschlosses heben soll, müssen an diesem Tag zumindest in Teilen jene Wetterverhältnisse herrschen, wie sie Johann Wolfgang von Goethe 240 Jahre zuvor mit Bleistift an der Holzwand der Hütte des Ilmenauer Jagdaufsehers am Kickelhahn hinterließ: „Über allen Wipfeln ist Ruh', in allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch.“ Zwar müssen die Berliner Vögelein dazu nicht schweigen. Die gefiederten Freunde dürfen sogar, je nach Gusto und Fähigkeit, dem einschwebenden Kuppelkreuz Goethes Schlusszeile zu zwitschern: „Warte nur! Bald Ruhest du auch“. An einem windstillen Tag also wird die Kuppel kurzfristig auf das Schloss gesetzt. Mehr war von der Schlossverwaltung über den Termin nicht zu erfahren.

    Der Heilige Geist weht zwar bekanntlich wann, wo und wie er will und nach Johannes 3,8 hörst du „sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.“ Denn ohne Seine Einkehr in die Herzen der durch Seine Gnad erschaffenen Kinder wird dieses Werk nicht möglich sein, und von säkularen Böen wieder verweht werden, was an den Kuppel bereits jetzt in einer umlaufenden Inschrift aus goldenen Buchstaben auf blauem Grunde prangt. Nämlich eben jenes von König Friedrich Wilhelm persönlich aus zwei Bibelstellen aus dem 4. Kapitel der Apostelgeschichte kompiliertes Zitat: „Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, dass im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ 

    Monika Grütters: Das Kreuz gehört auf das Schloss

    Zusammen mit dem Kuppel-Kreuz offenbart der Schriftbandtext, dass die Legitimität des protestantischen preußischen Königshauses auf demselben Gottesgnadentum fußte, das von den karolingischen Königen im Frankenreich des 8. Jahrhunderts begründet worden ist und sich seit der Spätantike auf den „rex justus“, den „gerechten König“ bezieht. Karl der Große war ein im Jahre 800 von Gott gekrönter Kaiser und sein Reich eine Einheit von Staat, Kirche und Religion. Ob jedoch, wenn schließlich Laterne und Kuppelkreuz aufgerichtet sein werden, der Streit darüber zu den sprichwörtlichen Akten gelegt werden kann, darf zwar gehofft werden, sicher ist das leider keineswegs. 

    "Philister und Gottesverächter jedweder Couleur
    waren zu allen Zeiten um keinen spitzfindigen Winkelzug verlegen,
    dem Kreuz zu widersagen
    – auch in Berlin."

    Zur Erinnerung: Der Streit um das Kreuz tobt, seit Jesus von Nazareth auf Golgatha an einem Kreuz elendiglich starb. Weil nur Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ist das Kreuz ein Zeichen, dem widersprochen wird. Von Anfang an. Wer den Sohn Gottes missbilligt, verabscheut oder sogar aus tiefster Seele hasst, der wird auch heute noch alles dafür tun, um das Kreuz aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Philister und Gottesverächter jedweder Couleur waren zu allen Zeiten um keinen spitzfindigen Winkelzug verlegen, dem Kreuz zu widersagen – auch in Berlin.

    Der Streit wurde, wie sollte es anders sein, von Politikern aus dem rot-grünen Lager heraus zum Leben erweckt. Unter der Parole, das Kreuz gefährde die Neutralität des Bauwerks, argumentierte die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Sigrid Hupach: „Es soll ein öffentliches Gebäude sein, in das sich alle eingeladen fühlen. Aber wie soll ein solcher offener Dialog der Kulturen gelingen, wenn oben auf der Kuppel ein Kreuz schon die Richtung vorgibt? Eine solche Hierarchisierung der Kulturen und Religionen halte ich für absurd.“

    Das sah auch die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus Antje Kapek, 2017 so. Naturgemäß, möchte man sagen, denn den Grünen scheint zwar alles, was sie für „Natur“ halten, heilig zu sein, aber das genuin Heilige bekanntlich nicht. Frau Kapeks Argumentation hatte folgenden Wortlaut: „Das Humboldt-Forum auf eine Religion zu reduzieren, entspricht nicht dem humanistischen Grundgedanken und wäre falsch. Das neue Berliner Stadtschloss soll schließlich dem Austausch aller Kulturen dienen.“ 

    In Berlin wurden die Reihen der Gottlosen gest geschlossen

    Kurzum: In Berlin wurden die Reihen der Gottlosen fest geschlossen. Für Karl Marx war Religion „ein verkehrtes Weltbewusstsein“. In diesem Ungeist schlug die „Berliner Zeitung“ allen Ernstes vor, auf der Schlossspitze eine Fahnenstange zu installieren, von der je nachdem, „mal europäisch, deutsch, katholisch, evangelisch, hindu- oder buddhistisch oder auch regenbogenbunt wehen kann“.

    Es muss der (katholischen) Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hoch angerechnet werden, dem atheistischen Druck standgehalten zu haben. In einem Interview mit der „Tagespost“ erklärte sie: „Als es um die Frage ging, ob das Kreuz aufs Berliner Schloss gehört, habe ich sie ohne Zögern mit Ja beantwortet. Erstens aus formalen Gründen, weil das Kreuz auf der Schlosskuppel stand und wir den Wiederaufbau des Schlosses in dieser Rekonstruktion beschlossen haben. Und zweitens, viel wichtiger, dieses Kreuz ist eine Einladung zu Weltoffenheit und Toleranz, zu Nächstenliebe und Rücksichtnahme. Im Übrigen würde die Standpunktlosigkeit, die sich im Verzicht des Kreuzes offenbart, auch gar nicht goutiert. Ein Zeichen dafür: Es waren als allererstes die Islamverbände, die unsere Entscheidung für das Kreuz begrüßt haben. Das Kreuz auf der Schlosskuppel hat nichts mit einem falschen missionarischen Eifer zu tun, sondern mit der Selbstverständlichkeit, seine eigene Haltung und Orientierung zu formulieren und sie auch sichtbar werden zu lassen.“

    Der Streit um die Kuppel ist hoffentlich beendet

    Das waren gute Argumente. Und wenigstens für diesmal wollen sei nur ganz leise und hinter vorgehaltener Hand und bloß der Ordnung halber anmerken, dass sich „Toleranz“ und „Weltoffenheit“ ebenso wie „Respekt“ zu den Zauberwörtern unserer Gegenwart gemausert haben. Gemeinsam mit ihren Zwillingsschwestern „Inklusion“ und „Diversity“ gehören sie einer Denkungsart an, die von einer Welt ohne Konflikte träumt. Grundlage für diese ideologisch befeuerte Schimäre ist die Vorstellung, der Mensch sei seiner Natur nach gut und das Übrige würde die Charta für Menschenrechte regeln. 

    Doch zumindest für katholische Christen gilt jedoch nach wie vor, was ihr Katechismus so sagt: „Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und in seine Freundschaft aufgenommen. Als geistbeseeltes Wesen kann der Mensch diese Freundschaft nur in freier Unterordnung unter Gott leben.“ Das Fazit lautet daher: Ob dem heftigen Streit um das Kuppel-Kreuz noch eine weitere Runde bevorsteht, wird sich womöglich erst dann zeigen, wenn sich die „Corona-Krise“ mit allen ihren Nebenfolgen gelegt hat. Zwar halten manche Berlin für gottlos. Doch Gott lässt die Stadt nicht los. Quod erat demonstrandum.

    (DT/ska)

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