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    „Zwischen Kaiser und Papst“

    Er verbindet Bayern mit Sachsen und München mit Meißen, wurde von den Menschen des 13. bis 18. Jahrhunderts hoch verehrt, von Luther verachtet und von den Wittelsbachern zum Schutzpatron Bayerns erklärt: Benno von Meißen, der umstrittene Bischof des 11. Jahrhunderts, ist ein Heiliger, an dem sich die Wirren, aber auch die geistigen Früchte der Reformation bis heute ablesen lassen. Die Stadt Meißen nahm dies zum Anlass, dem Heiligen im Rahmen der zahlreichen Feierlichkeiten anlässlich der fünfhundertjährigen Publikation von Martin Luthers berühmten Thesen eine Sonderausstellung mit mehr als 200 Exponaten von über 40 nationalen und internationalen Leihgebern in der Meißener Albrechtsburg zu widmen. Im Osten Deutschlands hat die Reformation bekanntlich besonders radikal gewirkt und die Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen am 16. Juni 1524 war einer der neuralgischen Punkte in der Kirchengeschichte, an denen Martin Luther seinen unheiligen Zorn besonders aufladen und abarbeiten konnte. In seiner Anfang Juni 1524 publizierten Schrift „Widder de Abgott und allten Teuffel der zu Meyssen sol erhaben werden“ – in der Ausstellung zu sehen in Form einer Leihgabe der Sächsischen Landesbibliothek Dresden – wird deutlich, wie unerträglich dem Gründer des Protestantismus der Gedanke eines sächsischen Heiligen gewesen sein muss. Die Heiligsprechung Bennos konnte Luther damit freilich nicht aufhalten. Dass jedoch Luthers Wut auf die Kirche und ihre Heiligen ihre Wirkung tat, ist ausreichend bezeugt: Nachdem Herzog Heinrich von Sachsen den Pfingsttag 1539 zum offiziellen Beginn der Reformation in Sachsen bestimmt und darüber verfügt hatte, dass ab diesem Tag im Dom zu Meißen keine hl. Messe mehr gelesen werden durfte und das Grab des verehrten Heiligen zu verschwinden habe, wurden in der Nacht des 14. Juli 1539 das mit Votivgaben, Ornamenten und einem Baldachin reich verzierte Hochgrab Bennos im Dom zu Meißen von reformatorischen Eiferern und Luther-Anhängern restlos zerstört, seine Statue geköpft und der kopflose Rumpf des Geköpften vor dem Dom zur Schau gestellt. Die darin befindlichen Gebeine hatte man vorsorglich zuvor in Sicherheit gebracht, so dass diese Reliquien schließlich ganz unbesorgt ihren Weg in die Münchner Herzogspitalkirche und, nach dem Tod Herzog Albrechts V., in den Münchner Dom finden konnten. Dort wurden sie zur Verehrung des Heiligen ausgestellt, und die Wittelsbacher erklärten ihn gegen Ende des nachfolgenden Jahrhunderts schließlich zum Schutzpatron Bayerns und Stadtpatron Münchens. Die katholische Frömmigkeit, die in Bayern allen Zeitläuften trotzt, hat sich somit als langlebiger und ertragreicher herausgestellt als der Zorn der Reformatoren. So erklärt sich auch, dass Benno von Meißen weit über die regionalen Grenzen Sachsens hinweg verehrt wird – in München und Bayern ebenso wie in Warschau und Rom. Ausprägungen der äußerst vielgestaltigen Verehrung Bennos zeigt nun die schöne Meißner Schau über sein Leben, seine Verehrung, die schon bald nach seinem Tod einsetzte, seine Heiligsprechung im 16. Jahrhundert und seine Geltung bis heute. Entstanden ist dabei eine gelungene tour d'horizon: Die Ausstellungsräume in der Albrechtsburg sind besucherfreundlich nach den thematischen Schwerpunkten der Erschließung angeordnet und führen den Betrachter von den historischen Hintergründen der Sachsenkriege und des Investiturstreits über die Anfänge der Verehrung Bennos im Meißner Dom im 13. Jahrhundert und die Erhebung zum Heiligen inmitten der Wirren der Reformation bis hin zum Triumph der Gegenreformation und seiner Rückkehr nach Sachsen als Patron des Bistums Dresden-Meißen.

    „Das Fischwunder des Heiligen Benno“. Gemälde in der Kirche Santa Maria dell'Anima, 1618, Rom von Carlo Saraceni. Fotogr... Foto: www.benno.schloesserland-sachsen.de

    Er verbindet Bayern mit Sachsen und München mit Meißen, wurde von den Menschen des 13. bis 18. Jahrhunderts hoch verehrt, von Luther verachtet und von den Wittelsbachern zum Schutzpatron Bayerns erklärt: Benno von Meißen, der umstrittene Bischof des 11. Jahrhunderts, ist ein Heiliger, an dem sich die Wirren, aber auch die geistigen Früchte der Reformation bis heute ablesen lassen. Die Stadt Meißen nahm dies zum Anlass, dem Heiligen im Rahmen der zahlreichen Feierlichkeiten anlässlich der fünfhundertjährigen Publikation von Martin Luthers berühmten Thesen eine Sonderausstellung mit mehr als 200 Exponaten von über 40 nationalen und internationalen Leihgebern in der Meißener Albrechtsburg zu widmen. Im Osten Deutschlands hat die Reformation bekanntlich besonders radikal gewirkt und die Heiligsprechung des Bischofs Benno von Meißen am 16. Juni 1524 war einer der neuralgischen Punkte in der Kirchengeschichte, an denen Martin Luther seinen unheiligen Zorn besonders aufladen und abarbeiten konnte. In seiner Anfang Juni 1524 publizierten Schrift „Widder de Abgott und allten Teuffel der zu Meyssen sol erhaben werden“ – in der Ausstellung zu sehen in Form einer Leihgabe der Sächsischen Landesbibliothek Dresden – wird deutlich, wie unerträglich dem Gründer des Protestantismus der Gedanke eines sächsischen Heiligen gewesen sein muss. Die Heiligsprechung Bennos konnte Luther damit freilich nicht aufhalten. Dass jedoch Luthers Wut auf die Kirche und ihre Heiligen ihre Wirkung tat, ist ausreichend bezeugt: Nachdem Herzog Heinrich von Sachsen den Pfingsttag 1539 zum offiziellen Beginn der Reformation in Sachsen bestimmt und darüber verfügt hatte, dass ab diesem Tag im Dom zu Meißen keine hl. Messe mehr gelesen werden durfte und das Grab des verehrten Heiligen zu verschwinden habe, wurden in der Nacht des 14. Juli 1539 das mit Votivgaben, Ornamenten und einem Baldachin reich verzierte Hochgrab Bennos im Dom zu Meißen von reformatorischen Eiferern und Luther-Anhängern restlos zerstört, seine Statue geköpft und der kopflose Rumpf des Geköpften vor dem Dom zur Schau gestellt. Die darin befindlichen Gebeine hatte man vorsorglich zuvor in Sicherheit gebracht, so dass diese Reliquien schließlich ganz unbesorgt ihren Weg in die Münchner Herzogspitalkirche und, nach dem Tod Herzog Albrechts V., in den Münchner Dom finden konnten. Dort wurden sie zur Verehrung des Heiligen ausgestellt, und die Wittelsbacher erklärten ihn gegen Ende des nachfolgenden Jahrhunderts schließlich zum Schutzpatron Bayerns und Stadtpatron Münchens. Die katholische Frömmigkeit, die in Bayern allen Zeitläuften trotzt, hat sich somit als langlebiger und ertragreicher herausgestellt als der Zorn der Reformatoren. So erklärt sich auch, dass Benno von Meißen weit über die regionalen Grenzen Sachsens hinweg verehrt wird – in München und Bayern ebenso wie in Warschau und Rom. Ausprägungen der äußerst vielgestaltigen Verehrung Bennos zeigt nun die schöne Meißner Schau über sein Leben, seine Verehrung, die schon bald nach seinem Tod einsetzte, seine Heiligsprechung im 16. Jahrhundert und seine Geltung bis heute. Entstanden ist dabei eine gelungene tour d'horizon: Die Ausstellungsräume in der Albrechtsburg sind besucherfreundlich nach den thematischen Schwerpunkten der Erschließung angeordnet und führen den Betrachter von den historischen Hintergründen der Sachsenkriege und des Investiturstreits über die Anfänge der Verehrung Bennos im Meißner Dom im 13. Jahrhundert und die Erhebung zum Heiligen inmitten der Wirren der Reformation bis hin zum Triumph der Gegenreformation und seiner Rückkehr nach Sachsen als Patron des Bistums Dresden-Meißen.

    Ein Krummstab bezeugt die spätere Wanderschaft

    Entscheidend für die Heiligsprechung des Bischofs war allerdings nicht nur das Wirken des Heiligen Geistes, sondern auch die tiefe Frömmigkeit und Benno-Verehrung des Wettiner Herzogpaares Georg von Sachsen und seiner Gemahlin Barbara von Polen. Pünktlich zur Heiligsprechung des Meißner Bischofs (und somit auch pünktlich zum Erscheinen von Luthers zorniger Streitschrift) wurde das Portal der an der Familienkapelle der Fugger in Augsburg orientierten Georgenkapelle im Meißner Dom fertiggestellt.

    Die historischen Zeugnisse über das Leben Bennos im 11. Jahrhundert sind zwar spärlich, aber das heute noch Greifbare bezeugt dennoch das komplexe Beziehungsgeflecht, in dem sich Benno von Meißen während der Sachsenkriege und des Investiturstreits zu bewegen wusste. Dieses oftmals nicht ganz ungefährliche und keineswegs unangefochtene Leben des sächsischen Oberhirten „zwischen Kaiser und Papst“ dem Besucher in Erinnerung zu rufen, ist ein großes Verdienst der Ausstellung.

    Ein Krummstab, wohl eine Nachbildung seines Bischofsstabes und eigens als Funeralstab angefertigt, bezeugt die spätere Wanderschaft des Bischofs: Der Funeralstab wurde mit den Gebeinen des Heiligen vor dem verhängnisvollen 14. Juli 1539 in Sicherheit gebracht und wird nach der Leihgabe für die Meißner Sonderausstellung wieder im Liebfrauendom zu München im Retabelsockel des Benno-Altars aufbewahrt. Die Herzstücke der gezeigten Exponate stammen freilich erst aus späterer Zeit: Eine Mitra des Bischofs aus dem 13. oder 14. Jahrhunderts, die bis 1580 im Besitz der Herzöge von Bayern war, 1962 aus dem Besitz des Liebfrauendoms als Schenkung wieder in das Bistum Meißen ging und aufgrund der Verlegung des Bischofssitzes seit 1980 heute in der Hofkirche zu Heiligsten Dreifaltigkeit in Dresden beheimatet ist. Die Wunder, die am Grab des Heiligen geschehen sein sollen, bezeugt eine Reproduktion des ältesten erhaltenen Mirakelbuchs der Benno-Verehrung aus dem späten 14. Jahrhundert mit 89 Wunderberichten – eine Leihgabe der Bayerischen Staatsbibliothek München. Inhaltlicher Schwerpunkt sind jedoch neben der Dokumentation der wortgewaltigen Auseinandersetzung Martin Luthers mit dem Heiligen, der Darstellung des Fischwunders des heiligen Benno des Venezianers Carlo Saraceni von 1618 aus der Kirche Santa Maria dell'Anima in Rom und dem prachtvollen, mithilfe großzügiger Spenden des damaligen bayerischen Hofes und Münchner Bürgertums finanzierten Silberreliquiar des heiligen Benno aus dem Münchner Liebfrauendom die 77 Exponate aus der Zeit der Heiligsprechung Bennos im 16. Jahrhundert.

    Darunter finden sich ein Gedicht des Theologen Hieronymus Emser auf Bischof Benno, das er an Papst Julius II. sandte, um den seit 1499 laufenden Kanonisierungsprozess des Bischofs zu befördern, Lebens- und Wunderbeschreibungen, ein Kompendium zum Leben des zu Kanonisierenden, interessante Briefwechsel zwischen Rom und Sachsen, die Bulle „Excelsus Dominus“ von Papst Hadrian VI. über die Kanonisierung Bennos vom 31. Mai 1523 aus dem Staatsarchiv in Dresden und die Urkunde der Übergabe der Reliquien des hl. Bennos samt Gewand, Mitra und Stab an Herzog Albrecht V. von Bayern vom 1. April 1576. Eine Besonderheit stellt historisch betrachtet sicherlich die Figur Kurfürst Friedrich des Weisen dar, der zwar ein dezidierter Unterstützer Luthers war, aber auch die von seinem Cousin Herzog Georg über drei Jahrzehnte betriebene Heiligsprechung Bennos mittrug und sogar 1518 ein entsprechendes Bittschreiben an Papst Leo X. verfasste. Das Kanonisierungsverfahren für Benno hat sich von Papst Alexander VI. bis zu Papst Hadrian VI. über die Pontifikate von fünf Päpsten hingezogen. Mit Abschluss des Kanonisierungsverfahrens im Jahr nach dem Tod Leos X. hat schließlich der gebürtige Niederländer und damit „deutsche Papst“ Hadrian VI. am 31. Mai 1523 in der ersten Doppelkanonisation der Kirchengeschichte neben Antonius von Florenz Benno von Meißen heiliggesprochen, Sachsens ersten und bis heute einzigen Heiligen. Eine schlichte, 2017 in den heute protestantischen Dom zu Meißen eingelassene Bodenplatte erinnert dort an seine ursprüngliche Grabstelle. Etwas barocker geht es in der seit knapp 500 Jahren nicht mehr ganz so neuen Heimat im Erzbistum München und Freising zu, wo die Strahlkraft des bei Volk und Klerus nach wie vor äußert beliebten Heiligen für dreitägige Feierlichkeiten vom eigentlichen Festtag des hl. Benno am 16. Juni bis Sonntag 18. Juni 2017 sorgt (Programm siehe www.benno-fest.de).

    Ein Schatz nicht von Gold. Benno von Meißen. Sachsens erster Heiliger, 12. Mai bis 5. November 2017, Albrechtsburg Meißen, Domplatz 1, 01662 Meißen, täglich 10 bis 18 Uhr, im November bis 17 Uhr.