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    Zurück ins Haus der verwitweten Mutter

    In ihrer Komödie „Lolo – Drei ist einer zu viel“ (DT vom 17. März) erzählt Julie Delpy von einem 19-jährigen „Nesthocker“, der sich zwischen seine Mutter und deren neue Liebe stellt, weil es sich im „Hotel Mama“ so gut leben lässt. Diesen Ausdruck übernimmt nun der deutsche Verleihtitel der Komödie von Drehbuchautor und Regisseur Éric Lavaine: „Willkommen im Hotel Mama“ (OT: Retour chez ma mere). Der Vorspann zeigt in Splitscreenbildern eine Frau um die Vierzig, die durch eine schöne Landschaft am Steuer eines offenen Audis fährt. Allerdings muss Stéphanie (Alexandra Lamy) am Ende des Vorspanns das Cabrio zurückgeben, und zurück ins Haus ihrer Mutter ziehen, nachdem das Architekturbüro, das sie zusammen mit ihrer besten Freundin Charlotte (Cécile Rebboah) geführt hat, Insolvenz anmelden musste. Wohnung und Sportwagen sind weg. Ihr Mann war es schon vorher, hatte sie offensichtlich wegen einer anderen verlassen. Stéphanie – oder Steph, wie sie in ihrer Familie gerufen wird – darf ihren Sonn lediglich einmal in der Woche sehen.

    Als die 40-jährige Stéphanie (Alexandra Lamy, links) ihre Firma, ihr Haus und sonst alles verliert, zieht sie bei ihrer ... Foto: Alamode

    In ihrer Komödie „Lolo – Drei ist einer zu viel“ (DT vom 17. März) erzählt Julie Delpy von einem 19-jährigen „Nesthocker“, der sich zwischen seine Mutter und deren neue Liebe stellt, weil es sich im „Hotel Mama“ so gut leben lässt. Diesen Ausdruck übernimmt nun der deutsche Verleihtitel der Komödie von Drehbuchautor und Regisseur Éric Lavaine: „Willkommen im Hotel Mama“ (OT: Retour chez ma mere). Der Vorspann zeigt in Splitscreenbildern eine Frau um die Vierzig, die durch eine schöne Landschaft am Steuer eines offenen Audis fährt. Allerdings muss Stéphanie (Alexandra Lamy) am Ende des Vorspanns das Cabrio zurückgeben, und zurück ins Haus ihrer Mutter ziehen, nachdem das Architekturbüro, das sie zusammen mit ihrer besten Freundin Charlotte (Cécile Rebboah) geführt hat, Insolvenz anmelden musste. Wohnung und Sportwagen sind weg. Ihr Mann war es schon vorher, hatte sie offensichtlich wegen einer anderen verlassen. Stéphanie – oder Steph, wie sie in ihrer Familie gerufen wird – darf ihren Sonn lediglich einmal in der Woche sehen.

    So zieht sie bei ihrer verwitweten Mutter Jacqueline (Josiane Balasko) in Aix-en-Provence wieder ein. Zurück in die überheizte Wohnung mit der anhänglichen Katze, zurück zu löslichem Frühstückskaffee und den Liedern von Francis Cabrel, zurück zu Scrabble-Runden und mütterlichen Vorhaltungen. Die Jobsuche erweist sich als schwierig – wie eine lustige Szene im Arbeitsamt verdeutlicht, so dass Steph an einen längeren Aufenthalt bei ihrer Mutter denken muss. Jacqueline kommt dies allerdings ziemlich ungelegen, insbesondere deshalb, weil die rüstige Seniorin eine glückliche Liebesbeziehung mit ihrem Nachbarn Jean (Didier Flamand) unterhält, die sie bislang vor ihren Kindern geheim gehalten hat. Nun muss sich die Mutter alle möglichen Geschichten einfallen lassen, damit sie sich mit Jean weiterhin treffen kann, was aber dazu führt, dass Steph das merkwürdige Verhalten der Mutter für erste Anzeichen von Demenz hält.

    Bei einem Abendessen mit ihren Geschwistern Carole (Mathilde Seigner) und Nicolas (Philippe Lefebvre) will Steph die „Alzheimer-Erkrankung“ ihrer Mutter zur Sprache bringen. Derweil möchte Jacqueline die Gelegenheit nutzen, ihren Kindern endlich die Beziehung zu Jean zu gestehen.

    Der Film, der sich größtenteils in Jacquelines mit den geblümten Vorgängen betulich eingerichteter Wohnung abspielt und deshalb fast den Eindruck eines Theaterspiels erweckt, handelt weniger von der Arbeitslosigkeit der 40-Jährigen als vielmehr von Geschwistern, von denen jeder sein Leben gelebt hat, ohne sich um die anderen zu kümmern. Für Geschäftsmann Nicolas waren seine Segeltouren das Wichtigste. Carole behandelt ihren eigenen Mann von oben herab und hegt auch noch ziemlichen Groll gegen ihre Schwester Stéphanie, weil sie sie für das Lieblingskind der Eltern hält. Das Familienabendessen – die erste Gelegenheit, bei der sich die Geschwister offenbar seit Jahren wiedersehen – stellt denn auch die Beziehung zwischen den beiden Schwestern auf die Probe. Obwohl Steph die finanzielle Hilfe ihres Bruders gerne annimmt, möchte sie ihrer Schwester gegenüber nicht eingestehen, dass sie pleite ist.

    Laut Drehbuchautor und Regisseur Éric Lavaine war der Auslöser für den Film Reportagen über die sogenannte „Generation Bumerang“: „Der Begriff klingt ja an sich eher lustig, aber dahinter verbirgt sich letztlich eine Menge Drama.“ Sei früher eher die Rede von den „Nesthockern“ gewesen, von den jungen Leuten, die aus Bequemlichkeit viel zu lange bei Papa und Mama wohnen, zeichne sich die „Generation Bumerang“ dadurch aus, dass Menschen in mittlerem Alter gezwungen seien, wieder zu den Eltern zurückzukehren. Lavaine: „Zunächst betraf dieses Phänomen vor allem Länder in Südeuropa, in erster Linie Spanien – doch inzwischen sind auch schätzungsweise 410 000 Franzosen davon betroffen. Gründe hierfür sind normalerweise Arbeitslosigkeit, Geldsorgen oder eine Trennung vom Partner. Freiwillig kehren diese Menschen jedenfalls nur selten ins familiäre Nest zurück.“

    Wie in vielen französischen Komödien wird in „Willkommen im Hotel Mama“ auch sehr viel gesprochen. Die Regieeinfälle folgen dem Muster der Verwechslungskomödie mit teilweise albernen und nicht ganz glaubwürdigen Situationen. So belauscht etwa an einer Stelle Jacqueline unbemerkt das Gespräch ihrer beiden Töchter, um dann Stéphanies offene Rechnung mit ihrer ehemaligen Partnerin im Architekturbüro auf eigene Faust zu begleichen.

    Diese Schwäche des Drehbuchs von Lavaine und seinem Mitdrehbuchautor Héctor Cabello Reyes macht das gute Schauspiel der Darsteller wieder wett. Josiane Balasko gestaltet die lebenslustige Witwe mit einigen Macken, vor allem mit viel Schalk im Nacken. Sie liefert sich insbesondere mit Alexandra Lamy immer wieder lustige Rededuelle, ob es dabei um die richtige Zimmertemperatur oder um die Art und Weise geht, sich um eine Stelle zu bewerben. Darin liegt der Hauptakzent von „Willkommen im Hotel Mama“, wenn auch nebenbei sozialkritische Töne angeschlagen werden, etwa über den Drang, älteren Menschen allzu eilig eine Demenz anzudichten.

    Ein Meisterwerk ist „Willkommen im Hotel Mama“ ganz sicher nicht. Der Rhythmus nimmt sich keineswegs einheitlich aus, Stéphanies Probleme lösen sich mehr oder minder von alleine... Die guten Hauptdarstellerinnen, die vielen lustigen Momente und vor allem auch die Haupthandlung der Versöhnung innerhalb der Familie machen diese leichte Sommerkomödie von Éric Lavaine doch noch sehenswert.