• aktualisiert:

    Zur Diskussion über alte und neue Messe beim Katholikentreffen: Letztlich geht es um Glaubensinhalte: Massenzulauf war nicht zu erwarten

    Zunächst einen ganz großen Dank an Frau Einig für ihren Bericht, der auch einen Nicht-Teilnehmer am Katholikentag mitten in die Diskussion versetzt hat (DT vom 27. Mai). Die Auseinandersetzung mit der Frage, nach welchem Ritus die katholische Liturgie gefeiert werden soll oder kann, ist mit Sicherheit noch nicht endgültig beantwortet. Meines Erachtens geht es dabei aber weniger um die Frage, in welcher Sprache die Liturgie gefeiert werden soll, es geht vielmehr um ihren Glaubensinhalt! Wenn die Feier der Eucharistie Mitte des Glaubens sein soll, von der alle Kraft des Glaubens ausgeht, dann ist es höchste Zeit, der Verwässerung des Eucharistiebegriffs (schreckliches Wort) entgegenzuwirken.

    Zunächst einen ganz großen Dank an Frau Einig für ihren Bericht, der auch einen Nicht-Teilnehmer am Katholikentag mitten in die Diskussion versetzt hat (DT vom 27. Mai). Die Auseinandersetzung mit der Frage, nach welchem Ritus die katholische Liturgie gefeiert werden soll oder kann, ist mit Sicherheit noch nicht endgültig beantwortet. Meines Erachtens geht es dabei aber weniger um die Frage, in welcher Sprache die Liturgie gefeiert werden soll, es geht vielmehr um ihren Glaubensinhalt! Wenn die Feier der Eucharistie Mitte des Glaubens sein soll, von der alle Kraft des Glaubens ausgeht, dann ist es höchste Zeit, der Verwässerung des Eucharistiebegriffs (schreckliches Wort) entgegenzuwirken.

    Es wird über leer gewordene Kirchen geklagt, Anbetung ist mehr und mehr zum Fremdwort geworden, die Verehrung der hl. Eucharistie hat mehr und mehr Seltenheitswert. Die Gründe hierfür liegen in der Veränderung des Bewusstseins. War die Feier der Heiligen Messe einmal auf die Person Jesu Christi ausgerichtet, wozu die Wandlung des Brotes in den Leib Christi als Vergegenwärtigung seines Opfers für uns der unüberbietbare Höhepunkt der liturgischen Feier war, dann ist an die Stelle Christi die Gemeinschaft der Christen getreten, die sich zum Mahl versammelt hat. Was soll man da noch anbeten und verehren? Ob die Feier der Liturgie den christlichen Glauben stärkt oder nicht, das hat wesentlich mit dem Gegenüber zu tun, zu dem man hintritt. Und dieses Gegenüber war jahrhundertelang Jesus Christus. Es gab eine Zeit, da wurde der Leib Christi kniend und mit geschlossenen Augen empfangen und dazu nicht ohne Gewissensprüfung. Heute kann man sich des Eindrucks oft nicht erwehren, dass manche sich die Hostie holen wie Fastfood beim Schnellimbiss. Sie wissen nicht, was sie tun! Es gehen alle, dann gehen wir auch. Es fällt auf, wenn wir nicht gehen. Es war einmal umgekehrt. Und wenn im Bericht von Regina Einig zitiert ist: „Aktuelle Berichte über Erstkommunikanten, denen die Realpräsenz Christ in der Eucharistie nicht einmal ansatzweise bewusst ist“, dann kann ich das den Kinder nicht einmal verübeln. Es hat ihnen bei der Vorbereitung ja keiner gesagt, was sie einmal empfangen werden!

    Es geht also bei der Differenzierung zwischen altem und neuem Ritus weniger um ein Sprachproblem als um ein erhebliches Glaubensproblem. Und es geht wesentlich darum, ob ich das, was ich im Glauben ergreife, als ein Mysterium begreife, das vom Verstand her unauslotbar ist, oder eben nur vom Kopf her annehme. Religion hat immer etwas mit Transzendenz zu tun, dem Übernehmen des Unbegreiflichen. Aber wo der Mensch sich selbst zum Mittelpunkt macht und sich nur selber feiert, da braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Heilige, das es eigentlich zu feiern gilt, dabei badengeht.

    Vielleicht haben wir das Bild vom Weinstock falsch interpretiert, indem wir die Reben wichtiger nehmen als den Stock. Es kann aber nur einer sagen: „Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben.“ Ob also lateinisch oder in der Muttersprache, ob neuer oder alter Ordo: Wenn Christus nicht die Mitte ist und der Tabernakel nur ein „Brotschrank“, vor dem man sich nicht zu knien braucht, dann bleiben die Kirchen zwangsläufig leer. Vielleicht hat das auch etwas mit Missbräuchen zu tun, die aus überzogenem Gestaltungswillen entstanden sind. In der Ostkirche feiert man Liturgie als „Göttliche Liturgie“ in Wort und Sakrament. Vielleicht wäre diese Formulierung in der Kirche des Westens auch nicht so falsch. Fragen wir die Episkopoi, die Glaubenswächter oder auch Bischöfe! Aber wer richtet sich schon danach, was sie sagen?

    Mit Verwunderung habe ich die Stellungnahme von Weihbischof Peters aus Trier auf dem Katholikentag zur Kenntnis genommen, dass auch nach dem Apostolischen Schreiben „Summorum pontificum“ des Papstes die Nachfrage nach der „alten Messe“ im Bistum Trier nicht deutlich angestiegen sei.

    Was als ein „deutlicher Anstieg“ zu werten ist, unterliegt sicher auch subjektiven und relativen Maßstäben. Ein „massenhafter“ Zulauf zur „alten Messe“ war realistisch gesehen nicht zu erwarten – wo sollten diese Gläubigen auch herkommen, wenn schon die „ordentlichen“ Heiligen Messen in den letzten Jahren und Jahrzehnten dramatisch leer geworden sind. Sicher nicht nur wegen der liturgischen Neuerungen – aber meiner festen Überzeugung nach auch wegen ihnen.

    Bei meiner ersten Anfrage an den damaligen Trierer Bischof Spital schon 1993 bezüglich eines Messangebotes im überlieferten Ritus bekam ich noch eine recht kühle Absage und wurde auf die damals einzige Heilige „alte Messe“ in Saarlouis verwiesen. Bischof Marx hat dann nach vielen Jahren des Bittens und Betens seit 2004 die Heilige Messe in der überlieferten Form dem Indult von Papst Johannes Paul II entsprechend auch endlich in Trier erlaubt; in Niedaltdorf im Saarland gab es über das „Institut Christus König und Hoherpriester“ ebenfalls ein entsprechendes Messangebot.

    Mit beziehungsweise nach dem Motu proprio „Summorum Pontificum“ kamen weitere Messorte hinzu: Klotten, Koblenz, Köllerbach, Losheim; entgegen dem Motu proprio wird bisher anderen Gläubigen der Wunsch nach einer Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus in erreichbarer Nähe nicht erfüllt (zum Beispiel aus Zell/Mosel), sondern ihnen werden zig Kilometer lange Fahrtstrecken zugemutet. Mittlerweile fehlt es meist nicht an Gläubigen, die an der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus interessiert sind, sondern an Priestern, die dazu bereit und in der Lage sind. Höchste Zeit für eine entsprechende Schulung – auch schon in den Seminaren.

    Von mehreren weiteren Priestern der Diözese weiß ich, dass sie sich mittlerweile in der Zelebration der überlieferten Liturgie geschult haben und noch schulen und die Heilige Messe zumindest hin- und wieder in dieser Ritusvariante feiern – meist als Privatmesse, aber durchaus auch in Anwesenheit von Gläubigen. Den Schritt in eine zu große Öffentlichkeit scheuen diese Priester trotz des Motu proprio häufig, weil immer noch die Liebe zur überlieferten Liturgie „nicht gerade karrierefördernd“ ist und manche Schwierigkeiten bereitet werden.

    Zu den Heilig Rock Tagen 2008 gab es ein levitiertes Hochamt mit mehreren hundert Gläubigen in Trier – wer hätte das vor dem Motu proprio für möglich gehalten.

    Also insgesamt stelle ich fest, dass sich trotz mancher weiterhin bestehender Widerstände die Liturgie in der überlieferten Form in der Diözese Trier durchaus positiv entwickelt. Ob mehrere 100 Prozent Steigerung der Messangebote und der insgesamt teilnehmenden Gläubigen ein „deutlicher Anstieg“ sind oder nicht – dass soll dann jeder selbst für sich entscheiden.

    Alle guten Dinge brauchen Zeit, aber die liturgische Entwicklung ist auf dem vom Heiligen Vater gewünschten richtigen Weg; die „Reform der Reform“ hat begonnen. Die von so vielen schon oft totgesagte überlieferte Liturgie lebt und ist in keinster Weise, wie von Weihbischof Peters unterstellt, mumifiziert – vivat, crescat, floreat!

    Die der überlieferten Liturgie verbundenen Gläubigen in der Diözese Trier hoffen und beten sehr für einen guten neuen Bischof in Trier, der auch die Anliegen der Tradition in der vom Papst gewünschten Form aufgreift und unterstützt. Eben erst hat zum Beispiel der Papst in Rom eine Personalpfarrei für die überlieferte Liturgie begründet und diese der FSSP anvertraut – eine Entwicklung und ein Zeichen für die Weltkirche, der sich hoffentlich auch die deutschen Bischöfe nicht weiter verschließen.

    Ähnlich wie in Trier ist auch die Entwicklung im ganzen deutschsprachigen Raum – überall neue Messangebote, überall trotz noch mancher Widerstände neue Nachfrage. Man schaue nur auf der Internetseite www.introibo.net um zu sehen, wie dynamisch das Wachstum ist. Die deutschen Bischöfe sollten dies endlich zur Kenntnis nehmen und nicht weiter so tun, als ob es keine relevante Nachfrage nach der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus gäbe. Es sollte mindestens in jedem Dekanat mittelfristig auch ein Messangebot in der überlieferten Form geben, erst dann hätte auch jeder Gläubige zu halbwegs zumutbaren Bedingungen die Möglichkeit daran teilzunehmen.

    Max Krichel, Diakon, 50181 Bedburg Dr. med. Stefan Schilling, 54294 Trier