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    „Wir sind zu unserem Glück vereint!“

    Seit 1993 wird der Deutsch-Polnische Preis verliehen: An Persönlichkeiten und Institutionen beider Länder, die sich, wie es offiziell heißt, besondere Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen erworben haben. Das Maximilian-Kolbe-Werk hat den Preis schon bekommen, ebenso wie der Oppelner Erzbischof Alfons Nossol und die inzwischen verstorbene „Zeit“-Publizistin Marion Gräfin Dönhoff. Willy Brandt bekam diese Auszeichnung sogar posthum verliehen, im Jahre 1993, zusammen mit Tadeusz Mazowiecki, dem ersten freigewählten Ministerpräsidenten Polens nach dem Zweiten Weltkrieg. Die im Komitee vertretenen politischen Parteifarben sind erfreulich bunt, ebenso wie das berufliche Spektrum: Medien, Wissenschaft, Kultur. Beim Deutsch-Polnischen Preis hat jede Sparte ihren Platz und ihre Berechtigung. Kürzlich wurden nun mit etwas Verspätung in der Kanzlei des polnischen Premierministers die Preisträger des Jahres 2010 gewürdigt: Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments und jetzige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering, sowie der frühere polnische Ministerpräsident und jetzige Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Zwei politische und persönliche Freunde, die im Rahmen ihrer europäischen Visionen für das jeweilige Nachbarland eine besondere Zuneigung teilen. Zwei Protagonisten einer deutsch-polnischen Rochade, die sich – schon bald nach der vatikanischen – auf der europäisch-parlamentarischen Bühne abspielte.

    Den Deutsch-Polnischen Preis erhalten: Hans-Gert Pöttering (r.) und Jerzy Buzek. Foto: dpa

    Seit 1993 wird der Deutsch-Polnische Preis verliehen: An Persönlichkeiten und Institutionen beider Länder, die sich, wie es offiziell heißt, besondere Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen erworben haben. Das Maximilian-Kolbe-Werk hat den Preis schon bekommen, ebenso wie der Oppelner Erzbischof Alfons Nossol und die inzwischen verstorbene „Zeit“-Publizistin Marion Gräfin Dönhoff. Willy Brandt bekam diese Auszeichnung sogar posthum verliehen, im Jahre 1993, zusammen mit Tadeusz Mazowiecki, dem ersten freigewählten Ministerpräsidenten Polens nach dem Zweiten Weltkrieg. Die im Komitee vertretenen politischen Parteifarben sind erfreulich bunt, ebenso wie das berufliche Spektrum: Medien, Wissenschaft, Kultur. Beim Deutsch-Polnischen Preis hat jede Sparte ihren Platz und ihre Berechtigung. Kürzlich wurden nun mit etwas Verspätung in der Kanzlei des polnischen Premierministers die Preisträger des Jahres 2010 gewürdigt: Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments und jetzige Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Hans-Gert Pöttering, sowie der frühere polnische Ministerpräsident und jetzige Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek. Zwei politische und persönliche Freunde, die im Rahmen ihrer europäischen Visionen für das jeweilige Nachbarland eine besondere Zuneigung teilen. Zwei Protagonisten einer deutsch-polnischen Rochade, die sich – schon bald nach der vatikanischen – auf der europäisch-parlamentarischen Bühne abspielte.

    Vielleicht ein Grund, wieso es sich der amtierende polnische Außenminister Rados³aw Sikorski entgegen dem offiziellen Einladungsablauf nicht nehmen ließ, die Laudatio auf Pöttering in dem guten gefüllten Saal selbst zu halten. Anstelle der Unterstaatssekretärin Gra¿yna Bernatowicz. Sikorski lobte den in diesem Jahr auch schon zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannten Niedersachsen Pöttering als „Symbol für Solidarität und die Bedeutung der Menschenwürde“, als wichtigen Helfer Polens auf dem Wege zur europäischen Integration und Verantwortung.

    Der Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, war es vorbehalten, die Laudatio auf Jerzy Buzek zu halten, und sie tat dies mit einer spürbaren Sympathie für ihr eigenes Studienland Polen und nicht zuletzt für Jerzy Buzek. „Jerzy Buzek hat, ebenso wie sein Vorgänger, die Menschenrechte zu einer Priorität seiner Amtszeit erklärt. Niemand versteht deren tiefe, freiheitssichernde Bedeutung besser als diejenigen, denen ihre eigene Freiheit menschenverachtend durch Mauern und Stacheldrahtzäune versperrt wurde.“ Wobei Pieper vor lauter Nostalgie an die erfreulich erfolgreichen Freiheitskämpfe der Vergangenheit beim Thema Europa dann aber doch etwas die rhetorischen Gäule durchgingen. „Für Jerzy Buzek, und deshalb ehren wir ihn heute, hat 1989 die europäische Identität gesiegt. Für ihn entstand 1989 der Gründungsmythos eines neuen Europas, das Ost und West verbindet. Dieses europäische Zusammenwachsen hat Jerzy Buzek als seine Aufgabe angenommen und setzt sich hierfür unermüdlich und leidenschaftlich ein.“ Der Sieg der europäischen Identität als Ehrungsgrund? Das wäre vielleicht beim Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen für Verdienste um die Vereinigung Europas nachvollziehbar. Der Deutsch-Polnische Preis aber wird gemäß Artikel 35 des Deutsch-Polnischen Vertrages über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991, wie bereits oben erwähnt, für „besondere Verdienste um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen“ verliehen. Doch vielleicht ist es kein Zufall, dass in diesen Tagen, in denen eine Schreckensnachricht über die vermeintliche Stabilität des Euro und den Zusammenhalt der Europäischen Union die andere ablöst, bei vielen Politikern umso stärker die Größe und die historischen Chancen Europas beschworen werden. Auch von Hans-Gert Pöttering, der in seiner Dankesrede durchaus glaubhaft seine Freude und sein Staunen über die rasanten Bewegungen des politischen und sozialen Näherkommens auf dem Kontinent beschrieb. „Früher bedeutete Grenzübertritte in Europa Not, Leid und Tod, heute ist es ganz anders. Das sollte uns Mut geben!“

    Die Bedeutung von Johannes Paul II. unterstrichen

    Pöttering skizzierte auch eine historische Versöhnungslinie zwischen Deutschen und Polen, die mit dem Brief der polnischen Bischöfe begonnen habe, vom Wirken des polnischen Papstes Johannes Paul II. und der Gewerkschaft Solidarnosc fortgesetzt worden sei, bis hin zum Fall der Mauer, der Einheit Deutschlands und der Aufnahme Polens in die Europäische Union. „Wir sind zu unserem Glück vereint!“ Für Pöttering, dies offenbarte er in seiner Dankesrede auch, hat die besondere Verbundenheit mit der Geschichte und dem Schicksal Polens persönliche Gründe. Sein Vater, der im Zweiten Weltkrieg als Soldat starb und den Pöttering persönlich nie kennenlernte, ist auf einem Friedhof in Pommern, auf jetzigem polnischem Staatsgebiet, beerdigt.

    Mit einer schönen Geste der beiden Preisträger endete die offizielle Verleihung des Deutsch-Polnischen-Preises 2010. Das Preisgeld in Höhe von 20 000 Euro geht an das Europäische Kollegium Natolin in Warschau, wo es der Förderung von Studenten aus Weißrussland und Moldawien dienen soll. Rektorin Ewa Oœniecka-Tamecka nahm den Scheck dankbar entgegen. Weitere Rochaden können folgen.