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    Wer Kulturangebote will, soll zahlen

    Jede Heilige Messe ist ein Beitrag zur Kultur. Kultur kommt schließlich von Kult, von Kultus. Schön am Kulturbeitrag der Messe ist aber nicht nur der geistliche Inhalt: die Worte, die Musik, das Schauspiel der Liturgie – schön ist auch, dass die Kirche diesen Beitrag ohne Subventionen erbringt. Die Türen für jedermann geöffnet, die Bänke für jeden Interessierten frei. Niemand, der am kulturellen Ereignis Gottesdienst teilnimmt, muss etwas in die Kollekte werfen. Nur wer will, wer kann.

    Die Kölner Oper vor dem Dom. Foto: dpa

    Jede Heilige Messe ist ein Beitrag zur Kultur. Kultur kommt schließlich von Kult, von Kultus. Schön am Kulturbeitrag der Messe ist aber nicht nur der geistliche Inhalt: die Worte, die Musik, das Schauspiel der Liturgie – schön ist auch, dass die Kirche diesen Beitrag ohne Subventionen erbringt. Die Türen für jedermann geöffnet, die Bänke für jeden Interessierten frei. Niemand, der am kulturellen Ereignis Gottesdienst teilnimmt, muss etwas in die Kollekte werfen. Nur wer will, wer kann.

    Darin liegt der Unterschied zur Kultur in Deutschland, die vor allem eine subventionierte Kultur ist. Auf geradezu groteske Weise verdeutlicht dies der vorzeitige Abgang des Kölner Opernintendanten Uwe Eric Laufenberg, der aktuell die Kultur- und Politikergemüter des Landes erregt. Grund für den Rückzug ist ein jahrelanger Streit um die finanzielle Ausstattung des Opernhauses. Kritiker werfen Laufenberg vor, seinen Etat in der vergangenen Spielzeit in Millionenhöhe überzogen zu haben. Laufenberg aber sieht sich als Opfer. Er vertritt die Ansicht, sein Haus, das immerhin mit 38 Millionen Euro jährlich subventioniert wird, sei „unterfinanziert“. Als Vergleich nennt er Opernhäuser in Frankfurt, Berlin und Dresden.

    Man mag diese Haltung als abgehoben, realitätsfremd bezeichnen. Doch derartige Fälle von Subventionitis gibt es nicht nur in Köln. Subventionslasten findet man auch bei der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf (mit Duisburg). Hier betragen die jährlichen Gesamtausgaben 38 Millionen Euro, was bei Zuschauerzahlen von knapp über 250 000 Personen zu einem Zuschussbedarf von 32 Million Euro führt. Der Zuschuss pro Ticket beträgt also 125 Euro.

    125 Euro, damit ein Kulturinteressierter mit sowieso schon gehobenem Einkommen ein gehobenes kulturelles Programm genießen kann, während diejenigen, die man laut offiziellen Verlautbarungen ansprechen, die man kulturell bilden will, derartigen Veranstaltungen fernbleiben.

    Anders als bei der Kirche, die niemand unter Zwang mit seinen Steuern unterstützen muss, setzt subventionierte Kultur aber weiterhin auf Steuerzwang. Mögen die Kommunen auch über leere Kassen klagen, Kürzungen im Sozialbereich auf der Tagesordnung stehen. Den Vertretern des Kultursteuerzwangs kann das alles offenbar nichts anhaben. Sie entschuldigen die Schieflage (hohe Subventionen/wenig Besucher) mit dem stets so wohlklingenden Argument des gesellschaftlichen Auftrags der Bildungsförderung und anderen durch die Wirklichkeit nicht gedeckten Zielen. Hortensia Völckers, Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, beispielsweise, die über ein jährliches Budget von über 30 Millionen Euro verfügt, glaubt, dass es „nicht zu viel Geld für Kultursubventionen“ geben kann.

    Das sieht der Bund der Steuerzahler anders. Alle Jahre wieder drängt dieser auf eine kritische Überprüfung der Theater-Subventionen. Wie hoch ist die Auslastung? Wie hoch die Bezuschussung pro Karte? Gute Fragen, realistische Fragen, auf die man im Zuge der „Kulturinfarkt“-Debatte sachlich eingehen sollte, anstatt wie Intendant Laufenberg die beleidigte Diva vom Rhein zu geben. „Die Oper Köln ist ein todkranker Patient auf der Intensivstation.“ Todkrank trotz der Zuschüsse, den Geldern aller Steuerzahler. Auch von den Steuern derjenigen, die niemals ins Theater gehen, niemals eine Oper hören, weil sie vielleicht nicht den dafür vorgesehenen Bildungsweg absolviert haben. Oder weil ihr Kulturbegriff ein anderer ist: Kultur als Alltagsbeschäftigung, als Alltagserfahrung – Fußball, Mode und Popmusik inklusive, klassische Bildung eher weniger. Das sind gar nicht so wenige Menschen, wenn man sich die schwachen Auslastungszahlen von Theatern und Opern ansieht.

    Wäre es angesichts derartiger kultureller und finanzieller Szenarien nicht besser, die Zahl der Theater und Opern drastisch zu reduzieren und allein durch die Steuern und Eintrittspreise derjenigen zu finanzieren, die sich tatsächlich dafür interessieren? Was hindert einen Opernliebhaber in Köln daran, für eine Aufführung nach Düsseldorf zu fahren?

    Wahrscheinlich würde der Sinn für Aufführungen und die Qualität derselben sogar zunehmen, wenn Kultur in Deutschland nicht länger als natürliches Pseudo-Geschenk für alle dargeboten werden würde, sondern als Angebot, das von denen getragen wird, welche die Kultur lieben und sich für sie engagieren. Entweltlicht die Kultur, könnte man auch sagen. Reduziert sie auf das Wesentliche. Die Zeit der Subventionitis ist vorbei. Mit Material von dpa