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    Weniger Proteste aus religiösen Gründen

    Ein Bischof, unmissverständlich vor der Lendengegend des gekreuzigten Heilands platziert, darunter „Kirche heute“ – das blasphemische Titelbild des Satiremagazins „Titanic“ ist das jüngste Beispiel dafür, dass Darstellungen in den Medien immer wieder Proteste der Bürger hervorrufen. Dabei werden auch religiöse Gefühle von Gläubigen verletzt. Doch wie weit verbreitet ist eigentlich dieses Phänomen?

    Ein Bischof, unmissverständlich vor der Lendengegend des gekreuzigten Heilands platziert, darunter „Kirche heute“ – das blasphemische Titelbild des Satiremagazins „Titanic“ ist das jüngste Beispiel dafür, dass Darstellungen in den Medien immer wieder Proteste der Bürger hervorrufen. Dabei werden auch religiöse Gefühle von Gläubigen verletzt. Doch wie weit verbreitet ist eigentlich dieses Phänomen?

    In seinem Jahrbuch 2010 macht der Deutsche Werberat, ein 1972 von der Werbebranche geschaffenes Kommunikations- und Kontrollorgan, das in Konfliktfällen als Schlichter zwischen Kunden und Werbeunternehmen vermitteln will, deutlich, dass die Beschwerden über die Verletzung religiöser Gefühle lediglich einen kleinen Bruchteil aller Fälle ausmacht. Bei nur acht von 255 vor dem Werberat diskutierten Werbeaktivitäten beschäftigte sich das Gremium mit dem Vorwurf, dass Glaube und Religion auf bösartiger Weise verunglimpflicht würden. Ob der Werberat diesen Vorwürfen auch zugestimmt hat, ist allerdings aus der Statistik nicht zu erkennen.

    Prozentual betrachtet, sank das Ergebnis bei annähernd gleichbleibender Anzahl an einzelnen Beschwerden von vier im Jahr 2008 auf drei Prozent im Jahr 2009. An erster Stelle der Statistik wird mit 35 Prozent (2008: 42 Prozent) der Beschwerden den Werbeunternehmen Frauendiskriminierung vorgeworfen, mit elf Prozent (2008: sechs Prozent) an zweiter Stelle Gewaltverherrlichung, an dritter Position mit zehn Prozent (2008: acht Prozent) fehlende moralische Mindestvorstellungen. Verletzungen religiöser Motive rangieren aber erst an achter Stelle. Ein Indiz dafür, dass die Werbewirtschaft weitgehend sensibel umgeht mit religiösen Gefühlen. Auch die Tatsache, dass der Werberat keine öffentliche Rüge aufgrund einer Verletzung religiöser Gefühle ausgesprochen hat, bekräftigt das. Öffentliche Rügen bedeuten oftmals einen großen Imageschaden und werden dann ausgesprochen, wenn sich ein Unternehmen trotz einer vom Werberat akzeptierten Beschwerde weigert, die Werbekampagne zu ändern oder ganz vom Markt zu nehmen. Dies war 2009 siebenmal der Fall. Immerhin die höchste je gemessene Anzahl seit 1973, die nur in den Jahren 2003 und 2004 erreicht wurde.

    Von Clemens Mann